11.08.2018

RL West

RWE siegt in Siegen

Foto: Funke Foto Services

Manchmal ist Fußball auch ein Geduldsspiel, Rot-Weiss Essen bewältige ein solches beim letztlich klaren 4:1-Erfolg beim 1. FC Kaan-Marienborn, wobei es nach 45 Minuten, in denen der Aufsteiger sogar in Führung ging, wahrlich nicht aussah. 

Aber sei es drum, auch diese Spiele müssen gewonnen werden, wenn Rot-Weiss dieses Jahr oben mitspielen will. Die Richtung stimmt jedenfalls, nach diesem Erfolg klettert RWE erst mal auf Rang drei.


Wie befürchtet musste RWE-Trainer Karsten Neitzel sein Team umbauen. Für Mittelstürmer Marcel Platzek, der sich nach dem Pokalspiel mit einem geschwollenen Fuß herumquälte, reichte bis zum Anpfiff nur zu einem Bankplatz, für ihn kam Enzo Wirtz wie schon in Mennrath von Beginn ins Team. Dafür konnten die angeschlagenen Philipp Zeiger und Florian Bichler mitwirken. Und dennoch gab es einen größeren Umbau: Lukas Scepanik hatte sich im Abschlusstraining übergeben müssen und war gar nicht mitgefahren ins Siegerland. So musste Kevin Grund, der zuletzt gegen Wuppertal die Zehner-Position so formidabel ausgefüllt hatte, wieder auf die linke Außenverteidiger-Position, für ihn rückte Nico Lucas ins Team.

Die Anspielstation und Kreativität fehlte dafür hinter den Spitzen, was sich im Leimbachstadion schnell bemerkbar machte. Rot-Weiss hatte von Beginn an zwar die größeren Spielanteile, doch spätestens an der Strafraumgrenze waren Ideen gefragt. Und beim vorsichtigen Spielaufbau waren eigene Aufbaufehler nun gar nicht gefragt.

So wie in der elften Minute, als Kapitän Benjamin Baier einen katastrophalen Fehlpass quer auf Timo Becker spielte, Marienborns Elsamed Ramaj hellwach dazwischen spritzte, auf und davon ging und auch Torhüter Lukas Raeder mit seinem platzierten Flachschuss keine Chance ließ: 1:0 -- die Überraschung war groß, auch unter den heimischen Fans.
10. Ein Wirkungstreffer, wie sich in der Folgezeit zeigte, die Gäste wirkten doch wieder verunsichert, Verantwortung wurde quer geschoben, alles wartete auf die zündende Idee. Einzelaktionen waren gegen die gut formierte Abwehr der Gastgeber gefragt. Kai Pröger dribbelte sich so lange entlang der Strafraumlinie, bis er freie Schussbahn hatte, seinen Versuch parierte Torhüter Florian Hammel (23.) glänzend zur Ecke.

Der Aufsteiger kam selten nach vorne, doch mit ein zwei einfachen Pässen wurde es aber immer wieder brandgefährlich vor dem RWE-Tor. Als Pröger in der Angriffshälfte vom Ball getrennt wurde, alles auf den Freistoßpfiff spekuliert, ging es blitzschnell. Plötzlich stand die Sturmspitze Tiziano lo Lacono völlig frei vor Raeder, der allerdings rechtzeitig den Fuß draußen hatte. Das hätte das 2:0 sein müssen.
 Freistoß von Baier schaffte der Lange per Kopf eine Bogenlampe zum 4:1 (78.). Danach sah es zu Anfang nicht aus.

Bichler trifft erneut

Fünf Minuten später ließ Florian Bichler seine Galaform vom Wuppertal-Spiel endlich aufblitzen: Doppelpass mit Kevin Grund auf der linken Seite, der Bayer wieselte in den Strafraum ließ noch zwei Mann aussteigen und chipte die Kugel vorbei an Hammel ins lange Eck: 1:1 nach 35 Minuten -- meisterhaft in der Vollendung.

Wenn nur die Fehler in der eigenen Abwehr nicht immer dazwischen kämen. Wieder waren sich die Vorderleute vor Raeder in der 42. Minute nicht einig, lo Lacono spritzte dazwischen, seinen Kopfball konnte der RWE-Keeper abklatschen, bis Daniel Heber in höchster Not die Kugel über die Latte drosch. Keine Frage, nach klaren Chancen führten die Kaan-Marienborner zur Pause eindeutig.

Die zweite Halbzeit begann wie die erste: der 1.FC ließ RWE machen, und die machten nicht genug draus. Wieder verloren die Gäste durch ein unkonzentriertes Abspiel, diesmal von Timo Becker, in der gegnerischen Hälfte den Ball, wieder ging es ganz schnell, weiter Ball auf lo Lacono, der vor Raeder angespritzt kam und den Volleyschuss weit drüber jagte. Die dritte glasklare Chance des Marienborners (51.).

Was sich nur drei Minuten später rächen sollte: Kevin Grund ging endlich mal auf links durch, butterweiche Flanke auf Heber, der die Kugel weiter tippte auf Pröger, und der nahm aus 16 Metern trocken Maß: 2:1 für RWE -- geht doch!

Nun war das Selbstvertrauen aus der Vorwoche wieder da. Weitere vier Minuten später brachte Heber im Strafraum Enzo Wirtz in Position, der drehte sich und traf trocken und flach zum 3:1. Die Belohnung für den Neuzugang für eine kämpferisch starke Leistung.

Dem Aufsteiger war damit in nur fünf Minuten der Zahn gezogen worden, die Quittung für die vergebenen Chancen, den Siegerländern fehlte in der Folgezeit die Kraft, um noch einmal zurück zu kommen. In der letzten halben Stunde ging den Feierabendfußballern zunehmend die Kraft aus, Kevin Grund bekam dies zusätzlich bei einem Frustfoul von Daniel Waldrich zu spüren.

In der Schlussviertelstunde hätte Rot-Weiss bei größer werdenden Räumen den Sieg noch komfortabler gestalten können. Bei einem Konter spielte Lucas in die Mitte auf den völlig freien Bichler, doch dessen Beinschuss bei Torhüter Hammel gelang nicht ganz (77.). Dafür hatte Philipp Zeiger mal wieder einen besonderen Moment: Nach Freistoß von Baier schaffte der Lange per Kopf eine Bogenlampe zum 4:1 (78.). Danach sah es zu Anfang nicht aus.


Autor: Ralf Wilhelm

Kommentieren

12.08.2018 - 10:45 - memax

Der Spielerbasher aus 11 Metern ist sagenhaft. Mehrere Fußballlehrer geben unabhängig voneinander einem Nico Lukas Spielzeiten. Hier geht es mal wieder nur darum, einen der mitspielt, aber nicht herausragt, rauszupicken und anzuknocken. Wenn es uns gelingt, die defensiven Unkonzentriertheiten abzustellen, dann könnten wir mit dieser Offensivpower eine sehr gute Saison erleben.

12.08.2018 - 09:33 - siggi33

Elfmeterkiller; Wie schaffst du es immer so ein Mist zu verzapfen?

12.08.2018 - 09:02 - RWE_in_pfaffenhofen

Ich kann mich nur anschließen: Guter Start und noch ausbaufähig durch die kommenden 'einfacheren' Gegner. Da sollte sich RWE einfach Mal oben festsetzen. Und ich glaube, es ist Vieles mit dieser tollen Truppe inkl. Trainer und Fans möglich. Es ist höchste Zeit, dass RWE dort steht, wo er hingehört ! Und es reicht am letzten Spieltag Erster zu sein.

12.08.2018 - 08:20 - rotweissmarkus

Es ist so, vieles ist immer noch möglich mit den RW Fans im Rücken auch diese Spiele mus man erst mal gewinnen (siehe Aachen Tabellen letzter) ohne Freiberger . Da ist mir eine Sache aufgefallen das K Grund im Mittelfeld spielen mus das war Beim letzten Spiel nicht der Fall .Wer den Verein kennt spürt wenn es läuft dann geht alles. Das Oberhausen so weit vorne ist past mir gar nicht

11.08.2018 - 20:26 - elfmeterkiller

Wie schafft es der Trainer eigentlich Nico Lucas immer wieder in die Startelf zu rotieren ? Absolut keine Regio Tauglichkeit. Und Beier ebenfalls untauglich. War es doch herrlich am Sonntag gegen Wuppertal mit Grund im Zentrum. Ist ja nett das Grund „ich spiel da wo ich aufgestellt werde“ sich immer im Dienst der Mannschaft stellt, aber im Zentrum wäre er sooo wichtig für unsere schnellen Offensivkräfte. Aber auch heute als LV bereitete er das 1:1 und 2:1 für uns spielstark vor. Der Trainer sprach in der PK von einer schlecht funktionierenden letzten Reihe. Viele sahen ein nicht funktionierendes Mittelfeld. Wenn fast alle gefährlichen Angriffe von Daniel Heber und Kevin Grund inszeniert wurden sagt das schon viel. Das Ergebnis stimmte heute aber es täuscht auch über Vieles weg was gegen den WSV gut und heute schlecht war. Ich weis, nach so e8nem Sieg sollte man nicht groß meckern, aber das war einfach heute auffällig.

11.08.2018 - 17:49 - Gutessen

Aus meiner Sicht ist der Spieler Heber ein richtig Guter, der auch Mumm und ständig hat. Da fehlt es bei dem ein oder anderen noch daran. Gerade in schwierigen Spielsituationen.

11.08.2018 - 16:54 - faser1966

Super, aber Neizel hätte auch mit Dreierkette spielen lassen können und Grund auf die Zehn. Dann hätten wir ne Kreativkraft im Mittelfeld gehabt und es hätte noch besser laufen können. Aber das ist Kritik auf allerhöchsten Niveau und ich freue mich über den Sieg.

11.08.2018 - 16:44 - rwebvb

Wer ist Agi? Ach so!! Geile Leistung. Genau solche Spiele muß man gewinnen. In der letzten Saison hätten wir nur 1:1 gespielt, oder 2::1 verloren. Die nächsten 4 Spiele schreien förmlich nach 12 Punkten.

11.08.2018 - 16:38 - Brückenschänke

Sehr gut. Schade, dass in Rödinghausen nicht zumindest 1 Punkt erreicht wurde. Trotzdem scheint nach langer Zeit ein guter Saisonstart zu gelingen. Glückwunsch an die Truppe und Glückwunsch an unseren neuen Trainer, dessen Handschrift immer deutlicher wird. Ich bin heilfroh, dass dieser komische Agi weg ist.

11.08.2018 - 16:23 - Du schöner RWE

Wird Zeit, dass es mal wieder ein Stück nach oben geht, wir Fans haben das mehr als verdient. Das ist wirklich große Klasse.

11.08.2018 - 16:22 - Du schöner RWE

2600 Zuschauer, davon 2ooo aus Essen. Oberhausen gestern als Spitezenreiter 3200, das sagt eigentlich alles.

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