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Interview
RWE-NLZ-Boss Flüthmann über Vertrauen, Vincent Wagner und Pandemie-Folgen

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Vor seiner Zeit in Essen war Christian Flüthmann Trainer bei Eintracht Braunschweig.
Foto: dpa

Seit fünf Monaten leitet Christian Flüthmann die Geschicke im Nachwuchsleistungszentrum von Rot-Weiss Essen. Im großen Interview spricht er über seine bisherigen Erfahrungen bei RWE.

Christian Flüthmann (39) ist seit rund fünf Monaten Leiter des Nachwuchsleistungszentrum beim Fußball-Regionalligisten Rot-Weiss Essen. Im zweiten Teil des Interviews mit RevierSport spricht der gebürtige Münsteraner über die anspruchsvolle Aufgabe, hoffnungsvolle Talente in Essen zu halten sowie die Folgen der Corona-Krise für den Jugendfußball.

Den ersten Teil gibt es [article=525408]HIER[/article] noch einmal nachzulesen.

Wie wollen Sie es schaffen, dass die Talente bei RWE bleiben und nicht zu Klubs wie Schalke 04 oder Borussia Dortmund wechseln? Christian Flüthmann: Erst einmal müssen wir dem Spieler eine Perspektive aufzeigen, die wir authentisch vermitteln und dann auch konsequent verfolgen. Da spielt Vertrauen eine große Rolle. Gelingt uns das, wird sich das herumsprechen, sodass die Leute dann sagen: Guck mal, der Verein steht wirklich für das ein, was sie uns gesagt haben. Bei uns werden die Spieler als Top-Talente angesehen, die wir individuell fördern wollen. Wenn diese Spieler dann den nächsten Schritt gehen wollen in ein NLZ von einem größeren Verein, müssen sie sich darüber bewusst sein, dass sie oft einer von vielen sind.

Wie elementar ist in diesem Zusammenhang gegenseitiges Vertrauen? Sehr wichtig. Das Vertrauen zwischen Spielern, Eltern und teilweise auch Beratern muss einfach da sein und sich über die Zeit entwickeln. Manche Talente werden uns auch immer noch verlassen, wenn wir es aber schaffen, die Anzahl deutlich zu verringern, ist das ein voller Erfolg für uns. Wir zeigen diesen Spielern Wege auf, auch bei Rot-Weiss Essen den Traum vom Profifußball erfüllen zu können.

Dabei gilt es sicherlich auch, jeden einzelnen Mitarbeiter und Trainer in diese Prozesse aktiv mit einzubinden. Genau. Mir ist es wichtig, dass die Trainer wissen, warum sie diese Arbeit machen, wenn sie bei uns auf den Parkplatz fahren. Deshalb ist eine transparente Kommunikation so wichtig. Unsere Mitarbeiter sollen keine Dinge über die Presse erfahren oder Dienst nach Vorschrift erledigen. Ganz im Gegenteil. Sie sollen an Entwicklungen und Entscheidungsprozessen aktiv beteiligt sein.

Die U17 und U19 galten zuletzt oftmals als Fahrstuhlmannschaften, die zwischen Niederrhein- und Bundesliga hin- und hergependelt sind. Wie wollen Sie es schaffen, die beiden ältesten Nachwuchsteams langfristig in der Junioren-Bundesliga zu etablieren? Wir müssen versuchen, eine Spielkultur mit einer klaren Linie zu entwickeln. Unser Ziel ist es, die U17 und U19 in der Junioren-Bundesliga fest zu etablieren. Um das zu erreichen, müssen wir immer am Limit trainieren und spielen – in den nächsten zwei Spielzeiten sollte man bedenken, dass es in diesem Jahr vier und im nächsten Jahr fünf Absteiger geben wird. Wir sind allerdings davon überzeugt, das zu schaffen, wenn wir kontinuierlich gute Arbeit leisten, diese regelmäßig kontrollieren und uns gemeinsame Etappenziele setzen. Erreichen wir diese Etappenziele mal nicht, müssen wir uns zusammensetzen, analysieren woran es gelegen hat und aus diesen Erkenntnissen eine neue Marschroute festlegen. Läuft es wiederum gut, gilt es zu schauen, wo wir uns trotzdem noch verbessern können. Man muss sich immer offen reflektieren und Dinge ansprechen. Da sind wir wieder beim Thema Kommunikation, denn eine offene Feedback-Kultur ist dabei von zentraler Bedeutung.

Mit Vincent Wagner hat Rot-Weiss Essen ab diesem Sommer einen neuen U19-Trainer, der den Verein schon aus seiner Zeit als aktiver Spieler kennt. Was ist er für ein Typ und was erhoffen Sie sich von der Arbeit mit ihm? Vincent ist total fußballbesessen. Er macht sich sehr viele Gedanken, nicht nur um die Mannschaft, sondern um jeden einzelnen Spieler. Er möchte jeden einzelnen Spieler besser machen, weil das am Ende die gesamte Mannschaft besser macht. Das ist auch elementar, denn der Entwicklungsprozess ist bei U19-Spielern ja noch lange nicht zu Ende. Der Sprung von der U19 zu den Profis ist enorm. Gerade dann muss man nochmal eine Schippe drauflegen. Und da ist Vincent mit seiner Erfahrung Gold wert. Er weiß genau, was gefordert ist – vor allem wenn man von den Talenten spricht, die an der Hafenstraße spielen werden.

Wie schätzen Sie die Entwicklung der Jugendspieler im Hinblick auf die Pandemie ein? Ich finde es ganz schwierig für die Spieler, die jetzt im Sommer aus der U19 rauskommen. Dabei stelle ich mir die Frage: Wie soll ein Sportdirektor eines Profi-Klubs einen U19-Spieler beurteilen, der das letzte Jahr nicht gespielt hat? Das ist auch für die Jungs schwierig zu verdauen. Als Verein geht man da natürlich ins Risiko und muss gucken, wie gut ein Spieler vorher war. Mit einem guten Scouting-Team gelingt das schon mal besser. Bei den Spielern unterhalb der U19, glaube ich, dass sie schnell wieder reinfinden werden. Es hat schon das eine oder andere Testspiel gegeben und da hat man gesehen, dass es wieder in die richtige Richtung geht.

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