RL West

RWE-Kapitän über mögliche Spielpause und den Erfolgslauf

28. Oktober 2020, 11:20 Uhr
Kapitän Marco Kehl-Gomez gibt bei Rot-Weiss Essen die Richtung an. Foto: Thorsten Tillmann

Kapitän Marco Kehl-Gomez gibt bei Rot-Weiss Essen die Richtung an. Foto: Thorsten Tillmann

Fußball-Regionalligist Rot-Weiss Essen hat sich zu dieser Saison ein Ziel auf die Fahne geschrieben: den Aufstieg in die 3. Liga. Nach neun Begegnungen ist RWE auf Kurs und belegt Platz eins. RS hat mit dem Kapitän über die aktuelle Lage rund um die Hafenstraße gesprochen.

Rot-Weiss Essen ist in bestechender Form. Seit Christian Neidhart (52) die Mannschaft übernommen hat, läuft es wie geschmiert an der Hafenstraße. Zahlen lügen im Fußball bekanntlich nicht.

Und diese können sich unter Trainer Neidhart blicken lassen - in jedem Wettbewerb. Regionalliga: Sechs Siege, drei Remis, keine Niederlage. Testspiele: Sieben Spielen, sieben Siege. DFB-Pokal: Ein Spiel, ein Sieg. Nicht zu vergessen die beiden Erfolge gegen TVD Velbert und den 1. FC Kleve aus dem Niederrheinpokal 2019/2020, der im August zu Ende gespielt wurde. Einzig ein Testspiel, welches inoffiziell und unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, wurde verloren. 1:2 unterlag RWE kurz nach Ligastart in Duisburg-Wedau gegen die U21 des 1. FC Köln.

Neidhart hat die rot-weisse Mannschaft im Griff. Die Spieler verstehen sich auf und neben dem Platz. Der Erfolg gibt dem Kurs des langjährigen Meppen-Trainers recht.

Am Samstag (15.30 Uhr) spielt RWE beim FC Schalke 04 II. Mit einem weiteren Dreier will RWE das erste Viertel der Saison erfolgreich beenden. RevierSport hat mit Kapitän Marco Kehl-Gomez (28) gesprochen, der verrät, warum es bei Rot-Weiss Essen in dieser Saison so gut läuft.

Marco Kehl-Gomez, wo liegt der Erfolgsschlüssel für den tollen rot-weissen Saisonstart?
Wir sind natürlich mit dem Start sehr zufrieden. Warum es so gut läuft? Die Antwort ist einfach: Wir sind immer ruhig geblieben und haben immer an unsere Stärke geglaubt. Wir wissen einfach, was wir können. Auch wir haben nach den Spielen gegen Wiedenbrück und Ahlen mitbekommen, dass es die ersten negativen Kommentare aus dem Umfeld gab. Aber es ist ja logisch, dass zu Beginn einer Saison mit ein paar Neuzugängen noch nicht alles perfekt läuft. Wir dürfen uns dennoch von Kritik, die mit Blick auf die Schlussphase gegen Wiedenbrück auch berechtigt war, nicht leiten oder ablenken lassen und müssen unser Ding durchziehen. Und das tun wir. 

Wo liegt denn der Unterschied zur vergangenen Saison?

Wir spielen unseren Stiefel runter. Wir halten an dem fest, was auch funktioniert und gehen keine Experimente ein. Der Gegner muss sich an uns anpassen und das klappt aktuell ganz gut. In der vergangenen Serie gab es schon einige Zittersiege und Herzkasper für die Fans (lacht). Jetzt spielen wir das alles einfach stabiler, souveräner runter. Gegen Oberhausen zum Beispiel war meiner Meinung nach unser Sieg zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Wir haben die absolute Kontrolle gehabt. So war das auch in den vergangenen Matches. Ich habe uns in dieser Saison noch nie schlechter als den Gegner gesehen - im Gegenteil.

"Es führt eigentlich kein Weg an uns vorbei. Wir entscheiden, wie die Saison ausgehen wird." Erinnern Sie sich an Ihre Worte aus dem Sommer-Trainingslager noch? Dafür gab es wohl intern auch einen Rüffel. Mittlerweile dürften Sie sich bestätigt fühlen, oder?
(lacht) Ich habe in Herzlake das gesagt, was ich bis dahin von der Mannschaft gesehen habe. Und das war brutal stark. Deshalb auch dieses Selbstbewusstsein. Wir haben natürlich vor allen Mannschaften Respekt. Aber wir wollen uns auch nicht kleiner machen als wir es sind. Ich glaube, dass wir in den ersten Spielen unsere Stärke, unser Potential eindrucksvoll unter Beweis gestellt haben. Aber es sind erst neun von 40 Spielen absolviert. Die Saison ist noch so lang. Es gilt für uns, weiter dranzubleiben und einfach weiterzumachen. Die Intensität muss hoch gehalten werden und die Stabilität muss die selbe sein wie zuletzt. Es werden sich in den nächsten Wochen drei, vier Mannschaften absetzen und da wollen wir natürlich dazugehören. 

Sie sprechen es an: Neun von 40 Spielen sind absolviert. Aktuell steht wohl eine Spielpause im Raum. Für RWE läuft es wunderbar. Hat man da umso mehr die Sorge vor einer Spielpause oder einem vorzeitigen Saisonabbruch?
Grundsätzlich schaue ich nach wie vor mit Sorge auf die ganze Situation, meine Familie lebt zum Teil ja zum Beispiel in Spanien. Aber auch den Sport beschäftigt Corona. Es ist allgegenwärtig. Aber wir versuchen uns da keinen Kopf zu machen und nur unser Ding durchzuziehen. Denn wir haben letztendlich doch gar keinen Einfluss auf die politischen Entscheidungen. Ich kann nur betonen, dass wir uns alle an die Regeln halten und das Hygienekonzept super funktioniert. Mehr können wir leider nicht machen.

Für Sie persönlich läuft die Runde auch sehr gut. Drei Tore in neun Spielen. Das ist rekordverdächtig...
Ja (lacht). Noch eine Bude und ich hätte meinen persönlichen Rekord geknackt. Das wird mir auch gelingen. Da lehne ich mich mal aus dem Fenster. Ich spiele jetzt auch mit Ball einen Tick offensiver. Da ist es dann mein Anspruch, auch ein paar Tore zu schießen. Da will und muss ich auch dran bleiben. Und es macht ja auch Spaß, die eine oder andere Hütte zu machen und sich feiern zu lassen (lacht).

Sie sind in der Mannschaft gesetzt. Es gibt aber auch viele Spieler, die nicht zum Zuge kommen. Ist es in dieser Saison auch für Sie als Kapitän noch einmal eine ganz besondere Rolle, alle Jungs bei Laune zu halten und immer wieder an das gemeinsame Ziel zu erinnern?
Klar ist doch, dass jeder Fußballer spielen will. Wir haben einen breiten Kader, in dem bis auf David Sauerland auch alle Mann gesund sind. Das ist auch gut so. Die Saison wird unfassbar lang sein. Das sollten immer alle im Hinterkopf behalten. Aber auch jetzt nach den neun Begegnungen will ich betonen, dass jeder Einzelne einen Teilerfolg an dem Gesamten hat. Das fühlen und verstehen auch alle. Wir brauchen alle Spieler. Ich bin auch schon länger dabei und muss sagen, dass ich so eine Trainingsqualität noch nie hatte. Die Trainingsspiele sind der Wahnsinn. Im Spiel Elf gegen Elf stehen sich zwei Top-Mannschaften gegenüber. Auch solche Trainingsspiele pushen jeden noch einmal zusätzlich. Jeder in der Mannschaft weiß, dass wir alle an einem großen Ziel arbeiten. Wir wollen mit Rot-Weiss Essen in die 3. Liga aufsteigen. Und diesem Ziel ordnet sich jeder auch unter.

Am Samstag geht es ins Schalker Parkstadion. Was erwarten Sie in Gelsenkirchen für einen Gegner?
Die U23 der Blauen hat schon einige Punkte geholt und ist gefährlich. Man weiß auch nie, mit welchen Spielern sie auflaufen. Aber uns ist das auch egal. Wir werden wieder versuchen, unser Ding durchzuziehen und das Spiel zu gewinnen. Wir wissen ja, dass die Nachbarn nicht gerade die besten Freunde unserer Fans sind. Da sind Siege natürlich doppelt schön.

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Mannschaften

Rubriken

Kommentieren

28.10.2020 - 21:06 - Oldschool

Guter Typ, unser Capitano, alles richtig.

Auch ihr habt recht, denke ich.
Ich denke schon, dass unser Uhlig keine unkalkulierbare Risiken eingeht und die Saisonplanung gut durchgerechnet hat und sich die Rückendeckung der Sponsoren eingeholt hat. Von daher schmerzen sicherlich die fehlenden Einnahmen, sollten aber mehr oder weniger einkalkuliert sein.

28.10.2020 - 18:39 - Red-Whitesnake

Jawoll, der Capitano.
Kann man so stehen lassen und unterschreiben.

AV..,
wenn man vor der Saison nicht die Augen verschlossen hat, dann sollte man auch so zur Sicherheit gerechnet haben.
Wenn nicht, dann wäre es sehr blauäugig und fahrlässig gewesen.
Trotzdem sage ich, dass das dem Verein.. unseren Rot-Weissen in diesem Fall schon richtig Geld gekostet hat.
Was meinst du, was zu den Dauerkartenkäufern noch an Tageskassenzahlern, kulinarische Genüsseverkauf / Getränkeverkauf + Fanartikeln noch umgesetzt worden wäre ?
Da wäre schon ein Sümmchen hängen geblieben... und machen wir uns nichts vor, 100000 Zuschauer aufwärts wären es in jedem Spiel bis jetzt schon gewesen.

28.10.2020 - 16:17 - Außenverteidiger

Für den Fußball wird es wichtig sein, mehrere Monate keine Zuschauer zu legalisieren. Nur so werden die schwarzen Schafe aus den Vorständen entlarvt und die Mitglieder erkennen die Finanzbetrüger. Weiterhin, ich gehe zu 100 % davon aus, werden wir ohne Zuschauer geplant haben. Ergo, holen wir gegenüber den Vereinen auf, die falsch kalkuliert haben. :)

28.10.2020 - 15:32 - Ronaldo20

Marco super kommentiert macht weiter so