Rot-Weiss Essen ist einer von zwölf früheren Fußball-Bundesligisten, der aktuell in der Regionalliga spielt. Und der mit der größten Tradition. Seit 13 Jahren strebt RWE vergeblich die Rückkehr in die 3. Liga an. Und in Corona-Zeiten wächst der Druck.

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RWE-Boss: „Wir setzen nicht alles auf eine Karte“

20. Juli 2020, 17:09 Uhr
RWE-Boss Marcus Uhlig (Foto: Michael Gohl).

RWE-Boss Marcus Uhlig (Foto: Michael Gohl).

Rot-Weiss Essen ist einer von zwölf früheren Fußball-Bundesligisten, der aktuell in der Regionalliga spielt. Und der mit der größten Tradition. Seit 13 Jahren strebt RWE vergeblich die Rückkehr in die 3. Liga an. Und in Corona-Zeiten wächst der Druck.

 Marcus Uhlig hat die Sommerpause quasi durchgearbeitet. Mit Regionalligist Rot-Weiss Essen kämpft der Vorstandschef in den schweren Corona-Zeiten um den Aufstieg in die 3. Liga. Nach 13 Jahren gibt es für RWE keine Ausreden mehr, wie Uhlig im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur verdeutlicht.

 Herr Uhlig, hatten Sie schon eine Sommerpause oder Urlaub?
Ehrlich gesagt nicht. Die letzten Monate waren sehr anstrengend und sehr aufreibend. Und natürlich auch sehr ungewöhnlich. Weil sich die Prioritäten und die Quantität der Arbeit, die man in bestimmte Dinge stecken muss, seit Corona um 80 Prozent verschoben haben.

Sie haben nach dem Saison-Abbruch mit allen Mitteln versucht, um den Aufstieg des Vereins zu kämpfen. Sie hatten unter anderem ein Konzept für eine Aufstiegs-Endrunde entworfen und sich für eine zweigleisige 3. Liga eingesetzt…
Es war unsere Pflicht, alles für den Verein zu versuchen. Und wir hatten meiner Meinung nach gute Argumente, es trotz Corona sportlich zu regeln.

Am Ende hat es nicht geklappt. Verl durfte als West-Vertreter an der Relegation teilnehmen und ist am Ende auch aufgestiegen. Haben Sie das inzwischen akzeptiert?
Natürlich. Wir haben es sportlich genommen. Und wenn man ehrlich ist, hatte es Verl in diesem Jahr vielleicht noch ein bisschen mehr verdient als alle anderen. Ich war auch einer der Ersten, die gratuliert haben. Und das nicht nur, weil wir froh waren, dass mit Verl ein Konkurrent aus der Liga raus ist.

Gutes Stichwort: Wie dringend will RWE diese Liga verlassen?
Das Ziel ist eindeutig formuliert: Wir wollen Meister werden. Wir wollen in die 3. Liga. Mit dieser Aufgabe identifizieren sich alle hier im Verein.

 Ist der Aufstieg vielleicht sogar ein Muss?
Nein. Es ist keineswegs so, dass hier die Lichter ausgehen, wenn wir nicht aufsteigen sollten. Wir setzen hier nicht alles auf eine Karte. Wir geben definitiv nur Geld aus, das wir haben. Aber nach 13 Jahren ist die Sehnsucht auf die 3. Liga schon sehr groß.

Erwarten Sie, dass der ein oder andere Verein genau das tut? Alles auf eine Karte setzen und die Unsicherheit für alle ausnutzen?

Ich weiß nicht, ob es Vereine gibt, die sagen: Wir haben zwar eigentlich weniger Geld, aber wir investieren nochmal richtig, weil wir unbedingt aus dieser Liga rausmüssen. Im Westen habe ich dieses Gefühl bislang eher nicht.

Manche glauben, dass der Sprung aus der Regionalliga in die dritte der schwerste ist. Und dass der Zug gerade bei Traditionsvereinen erst dann richtig Fahrt aufnehmen kann. Denken Sie auch schon ein Stück weiter?
Ich will nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen. Unsere Realität heißt Regionalliga. Natürlich kann ich mir vorstellen, dass im Fall eines Aufstiegs in die 3. Liga hier eine besondere Dynamik reinkommen könnte. Und natürlich musst du als Rot-Weiss Essen auch eine Idee haben, wie es weitergehen könnte. Wenn man als RWE von unten in die 3. Liga kommt, ist die Liga total spannend. Dass du nicht zehn Jahre in der 3. Liga bleiben willst, ist klar. Aber es ist auch nicht so, als könnte man es dort nicht eine Weile aushalten.

In Christian Neidhart haben Sie nun einen Trainer verpflichtet, der zum Zeitpunkt der Verhandlungen mit Meppen noch um den Aufstieg in die 2. Liga gekämpft hat...
Wir sind auf jeden Fall nicht wegen des Geldes zusammengekommen. Christian Neidhart hat uns vom ersten Gespräch an beeindruckt. Weil er Bock auf diese Aufgabe hier hat. Und weil er jemand ist, der stark im Wind steht, auch wenn es mal nicht so läuft. Genau so jemanden brauchen wir hier.

 Was bedeutet es für einen Regionalligisten, der keine Fernseh-Einnahmen hat, wenn es Geisterspiele gibt oder wie zuletzt die Heimspiele komplett wegfallen?
Rund zwei der gut sieben Millionen Euro, die dieser Verein im Jahr einnimmt, stammen aus Zuschauer-Einnahmen. Aber im Endeffekt hängt jeder Euro irgendwie mit den Heimspielen zusammen. Es geht um anteilige Einnahmen an Bratwürsten und Bieren, der komplette Verkauf im Fanshop bei Heimspielen fällt weg. Und auch für die Sponsoren ist das Erlebnis Hafenstraße ein wichtiger Aspekt. Sie nehmen ihre Geschäftspartner mit auf die VIP-Plätze oder in die Logen, um sie daran teilhaben zu lassen. Und es freut sie, ihr Logo in diesem brodelnden Stadion zu sehen.

Die neue Saison soll am 5. September starten. Ob und mit wie vielen Zuschauern ist aber offen. Inwiefern lässt es sich planen?
Es wird sicher eine besondere Saison mit besonderen Herausforderungen. Natürlich rüsten wir uns nun für alle Eventualitäten. Und natürlich arbeiten wir mit dem Stadionbetreiber und der Stadt Essen auch an einem Konzept der Teilöffnung für Zuschauer. Aber das ist noch nicht spruchreif. Eins aber ist jetzt schon klar: Wir werden auch in der kommenden Saison wieder die Solidarität aller unserer Fans und Partner brauchen.

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21.07.2020 - 13:59 - Lokutus

Komisch, der gleiche Uhlig, der sonst immer zerrisen wird, argumentiert "unaufgeregt" und man findet es gut ! So isser immer, auch, wenn er am liebsten vor das Sportgericht gezogen wäre. Denn selbst das ist nur das Ausnutzen aller Möglichkeiten für den Verein !
Wir haben mit Uhlig und Nowak (jaaaaa, ich weiss, der ist von der anderen Seite des schwatten Flusses ;-) ) ein mindestens ebenso gutes Paar beieinander, wie OB mit seinen beiden !
Uns kann das doch allen nur recht sein, nur dann haben wir die Themen zum zoffen, freuen und ärgern !
Auf eine gute Saison für Rot und Weiss(ß) !
Glück Auf

21.07.2020 - 07:04 - Ostwestfale

Das du auf diesem Auge blind bist, Franki, ist bekannt. Du siehst ja auch den Wald vor lauter Bäumen nicht. Ich informiere dich gerne weiter.

21.07.2020 - 04:46 - frankiboy5l

Ich kann leider nichts kommentieren.
Ich bin die ganze Zeit vor meiner Haustüre und suche, leider erfolglos, den von gut informierten Ostlern beschriebenen Dreck.

20.07.2020 - 23:12 - Bottroper94

Überdingen
Schon vergessen, was ihr in den letzten 2 Jahrzenten gerieben habt? RWE geht in die 13. Saison in Liga 4 (inkl 1 Saison Liga 5). Uerdingen hat 13 Jahre in Liga 4 bis 6 auf dem Tacho.

20.07.2020 - 21:29 - Ostwestfale

RWE war nie, ist nicht und wird nie in der Bedeutungslosigkeit sein, Überdingen. Selbst jetzt haben wir 4-5 mal so viele Zuschauer wie ihr. Wo genau befindet ihr euch denn? In der Hand eines cholerischen Diktators, der euch jederzeit fallen lassen kann und wird wie eine heiße Kartoffel.

20.07.2020 - 21:18 - Überdingen

Es steht doch ausser Frage das der Amateurverein rwe mal für ein Jahr in den Profifussball gehört.
Interessant wäre zu Wissen wieviel Amateurjahre es bis jetzt insgesamt sind und eine Grossstadt wie Essen mit dem Potential es geschafft hat so lange in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden.
Ich jedenfalls finde den Aufstieg im Coronajahr gut.Und bitte haltet Abstand...gerade die Alten unter euch will ich nochmal in der Grotenburg begrüssen können.
Also...Gesundheit voraus;)))

20.07.2020 - 21:00 - ata1907

Okay, das Interview konnte schon ein bisschen mehr, wenn's auch kurz war.
Und nochmal okay, es war von der dpa.

Trotzdem gut übernommen, Revier Sport.

20.07.2020 - 20:45 - Du schöner RWE

Ja, so sind sie, stets sehr moralisierend und der eigene Dreck vor der Tür wird übersehen.

20.07.2020 - 20:27 - Ostwestfale

Ich lach mich immer kaputt über diese Überheblichkeit, sich stetig um einen anderen Verein zu kümmern und diesen ins Visier zu nehmen, bevor man sich um die eigenen, erheblich zu nennenden Probleme kümmert. Die Lebenslüge des RWO.

20.07.2020 - 20:21 - Du schöner RWE

Interessant, dass unser grosses Zuschaueraufkommen und unsere Tradition immer als Überheblichkeit dargestellt wird. Unsere Treue ist ungebrochen trotz aller Widrigkeiten. Wir stehen bedinglos hinter unserem Verein und koketieren sehr gerne mit unser Tradition, die und vor langer Zeit viel Ruhm eingebracht. Und ja für uns ist ein leeres Stadion die größte Strafe. Aber wir fand werden alles dafür tun, diesen Schaden so gering wie möglich zu halten. Und da sind wir halt viel viel mehr als ihr Kleeblatt und können da eine ganze andere Wucht entfachen. Das ist einfach Fakt.

20.07.2020 - 19:50 - derdereuchversteht07

RWO84
Mit der größten Tradition...??
Lach mich immer wieder schlapp über diese Überheblichkeit.

Mit dieser Häme müssen wir bis zum Aufstieg leben.
Das bekommen wir aber hin.
Obwohl du Oberhausener bist solltest du aber herausfinden (durch lesen) können, wer diese Aussage getätigt hat.
Mein Vertrauen in deine Person ist ungebrochen.

20.07.2020 - 19:21 - Gregor

@RWO84
Ich weiss, Tradition ist für euch ja auch ein Fremdwort.

20.07.2020 - 19:20 - Gregor

Sehr gut finde ich, das Uhlig sagt „ Wir wollen Meister werden. Wir wollen in die 3. Liga aufsteigen“. Und das es kein „Muss“ gibt unter allen Umständen aufzusteigen.
Jeder weiss, wie eine Saison verlaufen kann. Da RWE mit Sicherheit keine Übernannschaft ist, können verschiedene Ereignisse den Ausschlag für den letztendlichen Tabellenplatz geben. Gegen Dinge wie Verletzungspech, Schiedsrichter-Fehlentscheidungen usw. ist man halt machtlos.

20.07.2020 - 19:07 - RWO84

Mit der größten Tradition...??
Wie wird denn sowas gemessen??
Lach mich immer wieder schlapp über diese Überheblichkeit.
Ihr steigt ja auch mit Sicherheit wieder auf ^^ Wie jedes Jahr ^^
LG

20.07.2020 - 18:49 - am Zoo

Sorgen wir uns alle nicht darum wer oder wann wir ins Stadion dürfen? Davon leben wir in Liga 4.
Ist meine Sorge - Interview wie eine Wasserstandsmeldung, nur gibt's kein Wasser......
Wirklich, wirklich nicht böse gemeint,!!!!!
Gruß vom Stadion am Zoo.

20.07.2020 - 18:00 - Brückenschänke

Aha, nochmal nachgelesen. Es war wohl die dpa.

20.07.2020 - 17:59 - Brückenschänke

Gutes Interview. Habe selbst oft genug gemeckert über Artikel im RS (es gab ja auch Anlaß dazu). Hier aber findet man einen sachlich aufgebauten, informativen Beitrag mit guten Fragen, denen sich Uhlig in gewohnter, unaufgeregter Manier stellt. Einzige offene Frage: Wer war der Interviewpartner (genannt wird niemand)?