Schalke

Rudi Assauer kann nie wieder in die Arena

14. Oktober 2018, 19:01 Uhr

Foto: firo

Bei einem bewegenden Filmabend im Fußballmuseum in Dortmund erzählt seine Tochter Bettina Michel, wie krank Schalkes Ex-Manager Rudi Assauer ist.

Es sind Anekdoten wie diese, von denen solche Abende leben. Zum Beispiel die Geschichte aus Billerbeck am Rande des Münsterlandes, das in den späten 1990er-Jahren mit dem Hotel Weissenburg das Trainingsquartier von Schalke 04 war, wenn am nächsten Tag ein Heimspiel in Gelsenkirchen anstand.

Wenn die Mannschaft hier zum Abschlusstraining vorgefahren ist, dann war auch Rudi Assauer jedes Mal mit dabei. Kurze Sporthose, Badeschlappen an den Füßen und die Fußballschuhe in der Hand – so kannten die Spieler damals ihren Boss. Assauer war schon Mitte 50, aber das lockere Kicken mit seinen Profifußballern von Schalke 04 ließ er sich trotzdem nie nehmen.

„Er hat wie selbstverständlich jedes Mal das Abschlusstraining mitgemacht”, erinnert sich Ingo Anderbrügge, damals Mittelfeldspieler von Schalke und heute selbst Mitte 50: „Der stieg mit uns aus dem Bus und war einfach dabei.”

Anderbrügge erinnert sich gerne

Anderbrügge hat diese Anekdote jetzt im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund erzählt. „Macher. Mensch. Legende” – so heißt der Dokumentarfilm über Rudi Assauer, der im Rahmen des Fußball-Film-Festivals im Revier gezeigt wurde. Ein besonderer Abend, den man in Erinnerung behalten wird.

Rudi Assauer ist selbst nicht anwesend, das lässt seine Alzheimer-Erkrankung nicht mehr zu. Seine Tochter Bettina Michel, die den 74-Jährigen zu Hause in Herten betreut, kann nichts Gutes berichten: „Er ist in einem sehr, sehr weiten Stadium, da müssen wir uns nichts mehr vormachen.” Die Krankheit greife um sich. Mittlerweile sei auch die Motorik ihres Vaters angegriffen, sagt Bettina Michel: „Aber er hält sich sehr tapfer.”

In den vergangenen Jahren hatte Rudi Assauer, der sein Alzheimer-Leiden 2012 öffentlich gemacht hatte, immer noch regelmäßig am Leben in der Öffentlichkeit teilgenommen – auch auf Schalke hat man ihn immer wieder noch gesehen. Als die Schalker Eurofighter am 21. Mai 2017 ihr Jubiläumsspiel zum Gewinn des Uefa-Pokals in der Arena austrugen, saß Assauer mit damals 73 Jahren am Spielfeldrand – es waren bewegende Momente. Das geht heute nicht mehr.
Wenn seine Tochter Bettina Michel heute zu den Schalker Spielen in die Arena geht,dann stellt sie fest: „Ein komisches Gefühl, wenn ich nach rechts gucke. Da hat Papa die ganzen Jahre gesessen.”

Bettina Michel hatte sich von Anfang an entschieden, mit der Erkrankung ihres Vaters offen umzugehen. Sie hatte gespürt, dass Rudi Assauer dies gut tun würde. Andere Weggefährten konnten das nicht. Ingo Anderbrügge räumt an diesem Abend im Fußballmuseum ein, dass er zu Anfang der Erkrankung nicht gewusst habe, wie er sich Assauer gegenüber nun verhalten sollte. Er hat deswegen, anders als frühere Mitspieler wie Olaf Thon, Mike Büskens oder Andreas Müller, auch nicht beim Dokumentarfilm von Regisseur Don Schubert als Gesprächspartner zur Verfügung gestanden: „Ich habe mich gefragt: Was sagst du da?” Erst später habe er Assauer dann einmal in Herten besucht. Heute spricht der 54 Jahre alte Ex-Profi wieder gerne über das, was er mit dem langjährigen Schalke-Manager verbindet.

Und deswegen gibt es zahlreiche Anekdoten an diesem Abend vor knapp 150 Zuhörern im Fußballmuseum, die daran erinnern, wie Rudi Assauer über Jahrzehnte wirklich war: Einer der größten Macher der Bundesliga.

Anderbrügge erzählt von einem Mann, dem das gegebene Wort genauso wichtig war wie ein geschriebener Vertrag – auf dessen Zusage man sich in jeder Lage habe verlassen können. Einmal, erinnert sich Anderbrügge, sei er mit dem Mannschaftsrat bei Assauer vorstellig geworden, um eine Prämie für ein Weiterkommen im DFB-Pokal gegen Bayern München auszuhandeln. „Wir wollten vorher wissen, was es gibt, aber er hat nur gesagt: Spielt erstmal, und dann schauen wir mal, wenn ihr euch gut präsentiert habt.”

Einfach ein Macher

Die Spieler waren mit diesem wenig konkreten Agreement nicht so glücklich – aber vier Wochen darauf hatte jeder von ihnen eine Sonderzahlung auf dem Konto, obwohl das Pokalspiel gegen die Bayern verloren gegangen war.

„Rudi Assauer hat das später nie mehr angesprochen”, erinnert sich Anderbrügge. Assauer hat es einfach gemacht.

Autor: Manfred Hendriock

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