Am Wochenende setzten mehrere Profis aus der Fußball-Bundesliga - auch von Schalke 04 und Borussia Dortmund - ein Zeichen gegen Rassismus und Polizeigewalt. Der DFB prüft den Sachverhalt. 

"Justice for George Floyd"

Protest: Sancho und McKennie könnte Strafe drohen

01. Juni 2020, 11:48 Uhr
Weston McKennie von Schalke 04 trug am Samstag eine Armbinde als Botschaft gegen Rassismus. Foto: fir

Weston McKennie von Schalke 04 trug am Samstag eine Armbinde als Botschaft gegen Rassismus. Foto: fir

Am Wochenende setzten mehrere Profis aus der Fußball-Bundesliga - auch von Schalke 04 und Borussia Dortmund - ein Zeichen gegen Rassismus und Polizeigewalt. Der DFB prüft den Sachverhalt. 

Weston McKennie von Schalke 04, Gladbachs Marcus Thuram, die BVB-Stars Jadon Sancho und Achraf Hakimi - sie alle sendeten am Wochenende eine Botschaft gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA.


Dort war der dunkelhäutige George Floyd bei einem Polizeieinsatz in Minneapolis ums Leben gekommen. Ein weißer Polizist hatte ihm minutenlang das Knie auf den Hals gedrückt, ehe er nach Hilferufen das Bewusstsein verlor. Floyd wurde im Krankenhaus für tot erklärt.

Der Vorfall hat massive Proteste und Ausschreitungen in den USA nach sich gezogen. Zahlreiche US-Sportstars wie der Basketballer LeBron James nutzten daraufhin ihre Reichweite, um Zeichen gegen institutionellen Rassismus in den Vereinigten Staaten zu setzen. 

DFL untersagt politische Botschaften auf Ausrüstung

So auch in der Bundesliga. Sancho zog nach seinem ersten Tor beim 6:1 gegen den SC Paderborn am Sonntag sein Trikot aus und präsentierte ein T-Shirt mit der Aufschrift "Justice for George Floyd". Dasselbe Statement war einen Tag zuvor bei Schalkes McKennie auf einer Armbinde zu lesen.

Trotz der ehrenwerten Absicht könnte den Spielern eine Strafe seitens des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) drohen. Denn politische Mitteilungen auf Ausrüstungsgegenständen sind nach den Richtlinien von DFL und DFB nicht erlaubt. "Der Kontrollausschuss des DFB wird sich im Laufe der nächsten Tage dieser Angelegenheit annehmen und den Sachverhalt prüfen", sagte der Vorsitzende des Gremiums, Anton Nachreiner, am Sonntag der dpa.

Ob es aber tatsächlich zu Konsequenzen wie einer Geldstrafe oder einer Sperre kommt, scheint zweifelhaft. Bei einem vergleichbaren Vorfall mit dem früheren Köln-Stürmer Anthony Ujah vor sechs Jahren hatte sich der DFB milde gezeigt. 

Schalke-Sportvorstand Schneider stellt sich hinter McKennie

Zumal die Spieler für ihre Aktion Lob und Zuspruch von vielen Seiten erhielten. Schalkes Sportchef Jochen Schneider etwa stärkte McKennie bereits den Rücken. "Wir als Schalke 04 unterstützen die Haltung unseres Spielers zu einhundert Prozent. Der gewaltsame Tod des US-Bürgers George Floyd hat die Menschen weltweit schockiert", sagte Schneider am Sonntag gegenüber der Bild. "Unser Spieler Weston McKennie hat gestern ein klares Zeichen gegen diese unfassbare Tat und gegen Rassismus gesetzt."

McKennie selbst veröffentlichte Fotos in den Sozialen Medien, die ihn mit der Armbinde zeigen. "Meine Plattform nutzen zu können, um auf ein Problem aufmerksam zu machen, das schon seit langem besteht, fühlt sich gut an!!!", schrieb der US-Amerikaner dazu.

Auch Sancho bezog am Sonntagabend Stellung. "Erfreut über den ersten Hattrick meiner Karriere. Es ist ein bittersüßer Moment, da heute auf der Welt wichtigere Dinge passieren, die wir verändern müssen", betonte er in einem Instagram-Post. "Wir sollten keine Angst haben, für das einzutreten, was richtig ist. Wir müssen zusammenkommen und für Gerechtigkeit kämpfen. Wir sind zusammen stärker!"

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Rubriken

Kommentieren

01.06.2020 - 21:37 - Außenverteidiger

Ja, dann muss das Grundrecht auf dem T-Shirt abgedruckt werden. Hier wird eine Straftat im Ausland kritisiert. Sprich in die Innenpolitik eines anderen Landes eingegriffen. Da wir keine Kolonialmacht mehr sind, ist die Botschaft leider politisch. Jedes Land, auch wenn es unangenehm ist, hat seinen eigenen Umgang mit Straftaten. In manchen Ländern sind Dinge, erlaubt, die hier verboten sind. Diesen Umstand zu akzeptieren ist schwer, aber tolerante Bürger sollten sowas hinbekommen. Wir haben eigene Probleme. Die zu lösen ist mega wichtig.

Beitrag wurde gemeldet

01.06.2020 - 19:28 - goli60

Das Einfordern von Menschenrechten ist keine politische Botschaft. Es ist ein GRUNDRECHT.

Dieser Beitrag wurde von der Redaktion überprüft und nicht als Verstoß eingestuft.

01.06.2020 - 19:16 - zivilpolizei

Politische Statements etc sind nicht erlaubt und auch im Regelwerk festgelegt.

Das sollte man als Fussballprofi wissen. Offensichtlich möchten sich aber so manche Profis gerne über so manche Regeln hinwegsetzen.

Eine Strafe wird es sicherlich bei weiteren Verstößen geben in Zukunft.

01.06.2020 - 17:38 - Kuk

Die BL wird gerade in diesen Zeiten besonders und auchweltweit beobachtet.
McKennie und Sancho fordern "Justice" (Gerechtigkeit).
Gerechtigkeit zu fordern bewerte ich nicht als politische Botschaft.
Die Gerechtigkeit des Einzelnen stellt in meinen Augen eher ein Menschenrecht dar.
DFB und DFL sollten nicht über die Mindesstrafe bzw. einer eher symbolischen Strafe hinausgehen.

01.06.2020 - 17:26 - Kuk

DFB bzw. DFL sind wohl gezwungen, ihre Regeln durchzusetzen.
Welches Strafmaß ist vorgesehen ? Verwarnung, Geldstrafe, Sperre ?
Welche Strafen wurden von Verbandsseite eigentlich für das Salutieren im letzten Jahr ausgesprochen ?

01.06.2020 - 16:45 - Außenverteidiger

@FB51: Jeden Spieltag oder wonach richtet sich der Zwang für einen Trauerflor? Nach ausgewählten Ländern? Nach Klickzahlen in sozialen Medien? Haben wir nicht Medien und Politiker um Missstände aufzudecken? Wozu braucht man einen liberalen Fußball? Im Moment setzt sich der stärkere Marktteilnehmer in der DFL durch? Wie sollen sich die Teilnehmer von solch einem System, gegen ein ähnliches System erheben? Gerade die Spieler provozieren ohne Ende von dem kranken Markt. Aber woanders protestieren sie dagegen? Ist für mich unlogisch. Rheinmetall setzt sich doch auvh nicht gegen Panzer aus Asien ein, während sie selber welche produzieren.

01.06.2020 - 15:35 - das ailton

aussenverteidiger hat eindeutig recht.
tja eine echte zwickmühle. definitiv ist sie botschaft die sie ausgedrückt haben gut und lobenswert ABER es ist halt eine politische botschaft.
der nächste der eine unpassende politische botschaft vertritt wird dann bestraft.
in einer demokratie gilt halt stets der gleichheitsgrundsatz.
die Strafe sollte hoch ausfallen und werbewirksam präsentiert werden.
zwei fliegen mit einer klappe.

01.06.2020 - 15:35 - frankiboy5l

Der DFB gehört abgesetzt oder ihm sollte zumindest die Gemeinnützigkeit entzogen werden.
Er hat sich nicht an die Spitze des Antirassismus gesetzt und den DFL Vereinen für den Spieltag einen angebrachten Trauerflor vorgeschrieben.

01.06.2020 - 13:19 - Außenverteidiger

DFB und DFL sind in der Pflicht, geltende Regeln durchzusetzen, damit alle gleich behandelt werden. Wem diese Regeln missfallen, muss sich für eine Regeländerung einsetzen. So einfach ist die Geschichte. Welcher Sachverhalt dahinter steckt, ist zweitrangig.
Ich möchte festhalten, dass hier über die DFL und DFB geschrieben wird. Die DFL, sprich die Vereine, haben sich auf diese Regel geeinigt. Hier fallen die Arbeitgeber Borussia und Schalke in einen Topf. Indirekt, haben sich die Spieler gegen die Abmachungen ihrer Arbeitgeber gerichtet. Jetzt darf jeder selbst entscheiden, ob und was gut daran ist.
Der Fußball ist ein ähnlich freier Markt, wie die US Wirtschaft. Dahinter stecken viel größere Interessen. Den DFB würde ich nicht vorschieben. Hat die DFL clever eingefädelt. Die wirtschaftliche Verantwortung in ihren Bereich gezogen, welche die Masse weniger interessiert und lukrativer ist. Die Sportgerichtsbarkeit bei dem Verband gelassen. Letztere ist unangenehm, wie man jetzt sieht. So kann man sich aus der Verantwortung ziehen. Denkt mal drüber nach.

01.06.2020 - 12:25 - easybyter

Da wird der DFB durchgreifen, es kann nicht sein, dass sich die Spieler hier für eine Sache einsetzen. Bestechen, um eine WM nach Deutschland zu holen ist ok, aber keine Solidaritätsbekundungen für eine gerechte Sache, da macht der DFB nicht mit. Das ist so ein mieser Verein. Mir wird da echt übel.

01.06.2020 - 12:22 - hoelwil

Strafen sind hier nach Fifa Reglement Pflicht. Wenn jetzt keine Strafen kommen eskaliert das ganze doch. Nicht unbedingt in der BL aber in den unteren Klassen. Wir habens doch schon schwierig genug in verschiedenen Kreisklassen des WFV. Keiner der Spieler hat sich gegen die Gewaltexzesse geäussert.Für die sind Plünderungen und Ausschreitungen scheinbar ok. Aber das ist zu kurz gedacht. Denn es muss nur ein Polizist massiv angegriffen werden, dann fällt ein Schuss und dann gibts ein Massaker. Das will niemand , aber passieren kanns trotzdem. Der DFB hat hier keine Wahl, wenn er jetzt nicht mit der vollen Härte reagiert , ist der Respekt weg und dann leiden alle Spieler darunter. Schalkes Vorstand liegt hier mit seiner wenig durchdachten Analyse, genau wie BMGs Marco Rose völlig daneben. Was aber im Gesamtkontext bei Schalke zu allen anderen schlechten Entscheidungen passt.Hier gilt die Regel: Wenn wir was falsch machen, dann aber bitte auch alles. Vielleicht konzentriert sich Mc Kennie auch mal auf das wofür er bezahlt wird.

Beitrag wurde gemeldet

01.06.2020 - 12:08 - IchDankeSie1907

Typisch Fußballverband! Millionenteure Fernsehwerbung gegen Rassismus im Fernsehen bezahlen und wenn ein Spieler ein Zeichen gegen Rassismus setzt, dann wird er bestraft. Aber was solls, die Bonzen in den Fußballverbänden dieser Welt scheinen alle gleich zu sein, einfach nur unsportlich.
Korrupt sind natürlich nur einige.

Dieser Beitrag wurde von der Redaktion überprüft und nicht als Verstoß eingestuft.