3. Liga

MSV-Kaderanalyse, Teil 2: Schlechte Karten für Pepic und Co.

Fabian Kleintges-Topoll
04. Mai 2021, 07:00 Uhr
Foto: firo

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Am Mittwoch kann der MSV Duisburg mit einem Heimsieg gegen die kleinen Bayern den Klassenerhalt fast schon unter Dach und Fach bringen. RevierSport wirft einen Blick auf die restlichen auslaufenden Verträge und wagt eine Prognose. Die Kaderanalyse, Teil 2. 

Darius Ghindovean wurde im Ligaendspurt vor einem Jahr von Torsten Lieberknecht durch die personell angespannte Lage ins kalte Wasser geworfen. Das 19-jährige Eigengewächs aus Rumänien überzeugte damals mit unbekümmerten Auftritten. Die aktuelle Saison verläuft dagegen enttäuschend. In den vergangenen zwölf Spielen stand Ghindovean sogar elf Mal nicht im Kader. RS-Prognose: Die Zeichen stehen auf Trennung.

Leroy-Jacques Mickels brauchte nach seinem Wechsel aus Velbert zum MSV keine Eingewöhnungszeit im Profifußball und entwickelte sich schnell zu einer offensiven Waffe. Seine Form konnte der Linksaußen, der durch eine Oberschenkelzerrung Ende 2020 für zwei Monate außer Gefecht gesetzt wurde, nicht bestätigen. Gegen Wiesbaden und Dresden durfte der Flügelflitzer und einstige Edeljoker wieder von Beginn an ran und sorgte direkt für viel Schwung. RS-Prognose: Mickels hat eine weitere Chance verdient

Mirnes Pepic sollte den nach St. Pauli abgewanderten Lukas Daschner in der Offensive ersetzen. Der Sommer-Neuzugang hatte keinen guten Start an der Wedau. Nach der Corona-Quarantäne zog sich der Mittefeldmann eine Muskelverletzung zu. Bei Viktoria Köln durfte er mal wieder von Beginn an ran und erwischte im Sportpark Höhenberg einen schlechten Tag. Seit diesem 13. März spielt Pepic keine Rolle mehr. RS-Prognose: Die Option für ein weiteres Jahr wird nicht gezogen.

Connor Krempicki hat mit seiner Präsenz auf dem Platz entscheidenden Anteil am Aufschwung unter Pavel Dotchev. Der Ex-Uerdinger überzeugte mit guten Auftritten im offensiven Mittelfeld. Das Problem bleibt sein Abschluss, an dem Krempicki unbedingt arbeiten muss. RS-Prognose: Der MSV zieht die Option und verlängert um ein weiteres Jahr mit dem gebürtigen Gelsenkirchener.

David Tomic besitzt wie Krempicki eine Option für weitere zwölf Monate im MSV-Dress. Der Neuzugang vom VfB Stuttgart II kam jedoch selten über den Status des Last-Minute-Jokers hinaus. Sternstunden wie bei seinem Treffer in Köln oder dem Assist bei der Aufholjagd gegen Türkgücü München blieben die Ausnahme. RS-Prognose: Tomic wird die Zebras wieder verlassen.

Federico Palacios integrierte sich nach seinem Winterwechsel aus Regensburg schnell ins bis dato niedergeschlagene Team. Nach zwei Treffern in acht Partien erlitt der 26-Jährige gegen 1860 München einen Muskelbündelriss und wird im schlimmsten Fall nie mehr für die Meidericher auflaufen. RS-Prognose: ungewiss. Palacios, der seine Zukunft Mitte April noch offen ließ, könnte nach Regensburg zurückkehren. Durch die Verletzung ist aber auch eine fortgesetzte Leihe nicht ganz ausgeschlossen.

Moritz Stoppelkamp hat nach seiner schwerwiegenden Virus-Erkrankung längst zu alter Stärke zurückgefunden. Der Kapitän geht voran und ist die Duisburger Lebensversicherung im Abstiegskampf. Man dürfte sich kaum ausmalen, wo die Mannschaft ohne den ehemaligen Bundesligaspieler stehen würde. RS-Prognose: Die Option für ein weiteres Jahr greift. Der 34-Jährige gehört zur Duisburger Achse, wird die jungen Spieler weiter führen und seinen Heimatklub vor seinem Karriereende nicht mehr verlassen.

Ahmet Engin erlebte beim MSV schon viele Höhen und Tiefen. Mit sieben Scorerpunkten zählt das Eigengewächs zu den torgefährlichsten Duisburgern. RS-Prognose: Der Rechtsaußen aus der eigenen Jugend, der im März sein 250. Pflichtspiel im MSV-Trikot bestritt, spielt auch in der kommenden Saison unter Dotchev eine tragende Rolle.

Sinan Karweina war seit seinem Wechsel aus Lotte nie mehr als ein Ergänzungsspieler. Der quirlige Offensivmann hat es unter Dotchev ebenfalls schwer. In zehn der letzten zwölf Partien fand der 22-Jährige keine Berücksichtigung. Gerade mal ein Saisontreffer sprang in dieser Spielzeit heraus. RS-Prognose: Karweina wird wohl woanders ein neues Kapitel aufschlagen müssen.

Cem Sabanci ist der größte Pechvogel. Kaum ein Duisburger musste eine größere Leidenszeit mitmachen. Der Mittelstürmer schaffte 2019 den Sprung in den Profikader und riss sich in der Sommervorbereitung das Kreuzband. Nachdem der junge Angreifer nach über einem halben Jahr zurückkehrte, erfuhr er dasselbe Schicksal ohne gegnerische Einwirkung noch einmal. Schwere Verletzungen kosteten schon anderen Talenten die große Karriere. Hinter Sabancis fußballerischer Zukunft steht demnach ein dickes Fragezeichen. Ob es für den Profitraum reichen wird, ist fraglich. RS-Prognose: Beim MSV wird es eher nichts mehr.

Aziz Bouhaddouz schlug nach seinem Winterwechsel aus Sandhausen sofort ein. Vier Tore und fünf Assists seit dem 20. Februar sprechen für sich. Der 34-Jährige nahm auf und neben dem Platz sofort eine Schlüsselrolle ein. RS-Prognose: Der marokkanische WM-Teilnehmer von 2018 kann für die Zebras in der 3. Liga weiter enorm wichtig werden. Ivo Grlic wird alles dafür tun, den Angreifer nach einem starken halben Jahr zu halten.

Vincent Vermeij spielte 2019/2020 eine bärenstarke Saison und konnte daran auch in der Hinrunde (sieben Treffer) anknüpfen. Mitte Januar bremste den großgewachsenen Niederländer ein Bänderriss im Knie aus. Seit Mitte April ist der Stürmer zurück und kämpft sich über Kurzeinsätze langsam wieder Richtung Startelf. RS-Prognose: Einem weiteren Engagement an der Wedau steht nichts im Wege.

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04.05.2021 - 13:56 - lapofgods

Ghindovean und Karweina sind U23 - das könnte ihnen einen neuen Vertrag bescheren. Wenn sie denn wollen. Für besonders sinnvoll hielte ich das aus beiden Perspektiven nicht. Tomic könnte das - trotz vieler früher Einwechslungen (Last Minute Joker war er eher selten) - als jetzt Ü23 den Platz kosten.

Pepic sollte sicher so eine Art Königstransfer sein, aber leider ist er aus verschiedenen Gründen komplett gescheitert. Schade.

Palacios wollte ja eher nicht bleiben und höherklassig spielen. Der hat noch ein Jahr Vertrag in Regensburg, da ist eine Leihe ohne Vertragsverlängerung dort nicht möglich. Nur eine Verpflichtung nach Vertragsauflösung. Stehen würde der uns sicher gut.

Ob Vermeij bleiben will wenn es gescheite Angebote aus Holland geben sollte? Vor seiner Verletzung galt der eigentlich als ähnlich sicherer Abgang wie Weinkauf.

Krempicki stand bei Lieberknecht, Lettieri und Dotchev (fast) immer in der Startelf, wenn er gesund war. Allem Geunke zum Trotz wird man den sicher halten wollen. Bei Mickels bin ich mir da nicht so sicher. Einerseits manchmal ungemein attraktiv, anderseits hmmmmm ....

Bouhaddouz ist ein Muss, Engin & Stoppelkamp eigentlich auch. Solange Stoppelkamp danach nicht wieder in ein langes, extratiefes Leistungsloch (Zweitligasaison 2018/19 und Kalenderjahr 2020) fällt. Zum Durchschleppen für gelegentliche Geniestreiche ist der zu teuer. Der muss schon regelmäßig seine überragende Klasse auf den Platz bringen.

Ob bei Ademi, Volkmer, Fleckstein oder Bretschneider was passiert, die zwar alle noch Vertrag bis 2022 haben, aber bislang nur bestenfalls kleine Bäume ausgerissen haben?