RL West

Mittelfeld und Angriff: RWE in der RS-Einzelkritik (Teil 2)

Fabrice Nühlen
03. Januar 2021, 11:00 Uhr
Der überragende Mann in der RWE-Offensive: Simon Engelmann.  Foto: Thorsten Tillmann.

Der überragende Mann in der RWE-Offensive: Simon Engelmann. Foto: Thorsten Tillmann.

Fußball-Regionalligist Rot-Weiss Essen konnte die Fans in der Hinrunde begeistern. In Teil zwei der RevierSport-Bewertung wurde für die Mittelfeldspieler und Angreifer ein Zeugnis erstellt.


Mittelfeld/ offensive Mittelfeldspieler:
Amara Condé (23) (17 Spiele, 1 Tor, 878 Minuten): Für den Senkrechtstarter der letzten Saison verlief die Hinrunde, zumindest im Liga-Betrieb, nicht nach Plan. In den ersten sieben Spielen stand der Mittelfeldmotor noch in der Startelf, musste dann aber gegen Preußen Münster (1:0) aufgrund muskulärer Probleme passen. Da sein Stellvertreter Cedric Harenbrock einen guten Job machte, verlor Condé seinen Stammplatz und fand sich zum Ende der Hinrunde nur auf der Bank wieder. Der Hauptgrund dafür: Weil Kehl-Gómez und Grote gesetzt sind, fiel die Wahl zwischen Condé und Harenbrock. Harenbrock ist torgefährlicher und an mehr Offensiv-Aktionen beteiligt. Trotzdem bleibt Amara Condé vom Potenzial her ganz klar ein Spieler für die Startelf. Das Jahr endete dann aber doch positiv für den 23-Jährigen: Im DFB-Pokal gegen Fortuna Düsseldorf (3:2) bekam er die Chance in der Startelf und rechtfertigte seine Nominierung mit einer überragenden Leistung. Der Lohn: Die Auszeichnung zum Man of the Match!

Felix Backszat (31) (10 Spiele, kein Tor, 308 Minuten): Felix Backszat hat sich sicherlich mehr erhofft vom ersten halben Jahr in Essen. Er kam als absoluter Leistungsträger vom Regionalliga-Meister SV Rödinghausen, stand in der Hinrunde aber nur dreimal in der Startelf. Zu Beginn wirkte er nicht fit und schwerfällig. Trotzdem hatte Backszat mit seinem Schuss, in der Nachspielzeit beim BVB II (1:1) , großen Anteil am wichtigen Ausgleichstreffer. Das Tor wurde, weil abgefälscht, nachträglich als Eigentor gewertet. Eine Knieverletzung, zwischenzeitliche Quarantäne und die starke Konkurrenz verhinderten mehr Einsatzzeit. Das zentrale Mittelfeld ist das Prunkstück der Essener. Backszat wird um seinen Platz kämpfen müssen. Er bleibt aber eine sehr gute Alternative!

Jan-Lucas Dorow (27)
(8 Spiele, 1 Tor, 178 Minuten): Während Dorow in der vergangenen Saison noch zum Stammpersonal gehörte, war er in der Hinrunde der laufenden Spielzeit nur zweite Wahl. Durch einen schwachen Auftritt beim TVD Velbert (2:0) im August, konnte er keinen nachhaltigen Eindruck bei Trainer Christian Neidhart hinterlassen. In der Liga stand er nur einmal in der Startelf: Beim 3:2-Sieg gegen Wegberg-Beeck, kurz vor Weihnachten. Der 27-Jährige hat eine gute Technik, ist aber vor dem Tor nicht effektiv. Er lässt zu viele Chancen liegen. An seinem Abschluss muss er dringend arbeiten. In dieser Kategorie ist ihm Cedric Harenbrock mehrere Schritte voraus.

Jan Neuwirt (22) (5 Spiele, kein Tor, 61 Minuten): Der 22-Jährige gehört bei RWE nicht zur ersten Garde. Der Defensiv-Allrounder muss um seinen Platz im 18er-Kader kämpfen. In den letzten acht Partien gehörte Neuwirt zum Aufgebot und wurde viermal eingewechselt. Wenn er auf dem Platz steht, macht er einen abgeklärten und spielstarken Eindruck. Sein Pech ist, dass er auf seiner Position gegen Dennis Grote klar das Nachsehen hat. Sollte sich kein Spieler im Mittelfeld verletzen, wird Neuwirt voraussichtlich auch in der Rückrunde nur zu wenigen Kurzeinsätzen kommen.

Jonas Hildebrandt (24) (4 Spiele, kein Tor, 53 Minuten): Die Hinrunde war für Hildebrandt eine einzige Enttäuschung. Als er im Januar von Hansa Rostock verpflichtet wurde, spürte er direkt das Vertrauen von Ex-Trainer Christian Titz und gehörte nahezu immer zur Startelf. Mittlerweile hat sich aber das Blatt gewendet und der 24-Jährige findet kaum Berücksichtigung. In den letzten zwölf (!) Regionalliga-Partien gehörte er nicht mehr zum Spieltagskader. Eine unbefriedigende Situation für den drittliga-erfahrenen Spieler. Dass er aber da ist, wenn er gebraucht wird, bewies der Sechser bei seinen beiden Kurzeinsätzen im DFB-Pokal. Hildebrandt wurde eingewechselt und hatte mit seiner körperbetonten Spielweise einen Anteil am Weiterkommen. Insbesondere gegen Fortuna Düsseldorf (3:2) machte er nach seiner Einwechselung eine starke Partie.


Cedric Harenbrock (22) (14 Spiele, 5 Tore, 991 Minuten): Harenbrock ist die positive Überraschung der Hinrunde. Wer hätte das vor dem Saisonstart gedacht? Mit zwei Kreuzbandrissen in seinen ersten Jahren bei Rot-Weiss Essen und mangelnder Spielpraxis, hatte der Youngster auch zu Beginn unter Trainer Neidhart einen schweren Stand. In den ersten vier Liga-Partien stand er nicht im 18er-Kader. Das sollte sich Anfang Oktober ändern: Der 22-Jährige wurde gegen die U23 von Fortuna Düsseldorf eingewechselt und erzielte prompt den Treffer zum 2:0. Fortan gehörte Harenbrock, trotz namhafter Konkurrenz, in 12 von 15 Spielen zur rot-weissen Startelf. Das Vertrauen des Trainers rechtfertigte der offensive Mittelfeldspieler mit fünf Saisontoren und vier Vorlagen. Mit seinem Offensivdrang, der starken Technik und seinem Spielverständnis ist Harenbrock eine Bereicherung für das Spiel von RWE und aktuell völlig zurecht Stammspieler.

Angriff:
Isaiah Young (22) (14 Spiele, 1 Tor, 793 Minuten): Zwischen Genie und Wahnsinn: So könnte man die ersten Monate von Isaiah Young bei Rot-Weiss Essen beschreiben. Im Oktober wurde der US-Boy von Werder Bremen II verpflichtet und stand in den folgenden 14 Spielen neunmal in der Startelf. Ein Tor und drei Vorlagen konnte er beisteuern. Young ist ein extrem schneller und dribbelstarker Spieler. Eine Art Spielertyp, der die Herzen der Fans höherschlagen lässt. Er geht ins Risiko und sucht immer wieder die Eins gegen Eins-Situationen. Sein Manko ist aber ganz klar der Torabschluss. Viel zu häufig trifft der Flügelflitzer vor dem gegnerischen Tor die falschen Entscheidungen und hat so schon einige Hochkaräter vergeben. Wenn er aber in dieser Kategorie besser wäre, würde er sicher nicht in der Regionalliga spielen. Ein guter Transfer!

Joshua Endres (23)
(18 Spiele, kein Tor, 860 Minuten): Der offensive Außenspieler hat eine schwierige Hinrunde hinter sich. In 18 Liga-Spielen erzielte Endres nicht ein einziges Tor. Dabei war der Start unter Trainer Christian Neidhart vielversprechend. Im Niederrheinpokalhalbfinale beim TVD Velbert (2:0) und im Härtetest vor dem Saisonstart beim FC Emmen (1:0) erzielte der 23-Jährige jeweils ein Tor. Mittlerweile sind seine Auftritte aber unglücklich. Zwar ist Endres läuferisch stark und auch an vielen Offensiv-Aktionen (fünf Vorlagen) beteiligt, aber ihm fehlt die Körperlichkeit und Abschlussstärke. In der Hinrunde vergab der Rechtsaußen schon ein Dutzend hochkarätiger Torchancen. Joshua Endres hat Potenzial, konnte sich aber mit den Leistungen der Hinrunde, nicht für einen Stammplatz empfehlen.

Simon Engelmann (31) (20 Spiele, 18 Tore, 1692 Minuten): Engelmann ist der Königstransfer der Essener. Der zweifache Regionalliga-Torschützenkönig kam mit einer hohen Erwartungshaltung aus Rödinghausen und stellte direkt im ersten Halbjahr seine enorme Qualität unter Beweis. 24 Pflichtspiele, 24 Tore. Das ist eine Hausnummer. Seine 18 Liga-Treffer sind der Bestwert in dieser Saison. Dazu traf der Vollblutstürmer in beiden DFB-Pokal-Duellen gegen Arminia Bielefeld (1:0) und Fortuna Düsseldorf (3:2) jeweils zum 1:0. Der Familienvater ist eiskalt vor dem gegnerischen Tor und strahlt eine enorme Ruhe aus. Dazu wird seine Technik oft unterschätzt. Der 31-Jährige ist kein Filigrantechniker, aber durch seine Erfahrung und Cleverness schwer vom Ball zu trennen. Simon Engelmann ist und bleibt in der Regionalliga ein Phänomen.

Marcel Platzek (30) (15 Spiele, 3 Tore, 345 Minuten): In der Liga stand Marcel Platzek nur zweimal in der Startelf, konnte aber in beiden Spielen (Ahlen, Homberg) ein Tor zum Sieg beisteuern. Auch im Niederrheinpokal war „Platzo“ bei seinem Startelfeinsatz erfolgreich und traf doppelt beim 5:0-Erfolg in Wermelskirchen. Dass er sich mit seiner Rolle als zweiter Stürmer hinter Regionalliga-Bomber Simon Engelmann identifiziert, betonte er nach dem Wermelskirchen-Spiel: „Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich ein absoluter Teamplayer bin.“ Eine Sache stellte der Essener „Fußballgott“ in seinen Einsätzen immer unter Beweis: Wenn er gebraucht wird, ist er da. Platzek ist mit seiner Einstellung ein Vorbild!

Oguzhan Kefkir (29)
(19 Spiele, 3 Tore, 1425 Minuten): Mit drei Toren und sechs Vorlagen gehört Kefkir zu den erfolgreichsten Scorern in der Hinrunde (Liga). Nach starken Spielen zu Beginn der Saison gegen Dortmund II (1:1), Lippstadt (3:0), Düsseldorf II (2:0) und Bonn (1:0), fiel der Linksaußen in ein kleines Loch und konnte in den folgenden Spielen nicht mehr an seine Normalform anknüpfen. Gegen Ende der Hinrunde wurde Kefkir wieder besser. Seine Bilanz in den letzten vier Liga-Spielen: zwei Tore und zwei Vorlagen. Dazu der wichtige Treffer zum 3:1 im DFB-Pokal gegen Fortuna Düsseldorf. Der 29-Jährige ist ein ständiger Aktivposten in der RWE-Offensive. Falls Kefkir seine Form von den ersten und letzten Spielen hält, ist er auf dem linken Flügel gesetzt.

Torwart: Luca-Christian Fenzl (ohne Einsatz): Keine Bewertung
Abwehr: David Sauerland (ohne Einsatz): Keine Bewertung
Mittelfeld: Felix Schlüsselburg (ohne Einsatz): Keine Bewertung
Angriff: Maximilian Pronichev (1 Spiel, 15 Minuten): Keine Bewertung
Noel Futkeu (2 Spiele, 26 Minuten): Keine Bewertung
Ayodele Adetula (2 Spiele, 31 Minuten, dann Wechsel nach Oldenburg): Keine Bewertung

Anmerkung:
Feldspieler, die in drei oder weniger Liga-Spielen zum Einsatz gekommen sind, erhielten keine RS-Bewertung. Es wurden nur Regionalliga-Partien in der Statistik berücksichtigt!


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Kommentieren

03.01.2021 - 15:20 - Außenverteidiger

@IchDankeSie: Geht leider nicht im Berufsfeld Profifußball. Im Wettbewerb um den höchsten Verdienst, können nicht alle Spieler zufrieden sein. Gleichzeitig wäre es töricht, als Vereinsverantwortlicher Zufriedenheit ohne Zielerreichung zuzulassen.

03.01.2021 - 14:49 - IchDankeSie1907

Es sollte dieses Jahr nicht Einzelkritik sondern Einzellob heißen. Es war ein gutes Jahr fußballerisch. Es ist zwar noch nichts gewonnen, aber wir sind ausnahmsweise mal auf einem guten Weg. Es fühlt sich gut an.

03.01.2021 - 14:30 - Außenverteidiger

:D Hoffen wir mal, dass die Losfee Hannawald psychisch stabil bleibt und nicht wieder abschmiert. :P

03.01.2021 - 14:14 - Red-Whitesnake

Natürlich, ein Krimi schon am frühen Abend.
Ich beobachte Sven Hannawald jetzt schon bei der Skifliegerei im Ersten.
Nachher soll er vernünftig Kugeln ziehen.
14 sind arschkalt und 2 schön warm.
Vorbereitungen sind eigentlich abgeschlossen;-)))

Beitrag wurde gemeldet

03.01.2021 - 13:55 - Außenverteidiger

:D Reviersport bombt wichtige RWE Nachrichten auf mein Handy. Der Vibrationsalarm ist martialisch schön und die kurze Kommentierung, aus menschlicher Sicht, erfolgt umgehend.

Seid ihr nicht alle richtig heiß auf die Auslosung? Extra eine Flasche Sekt gekauft, schließlich müssen die Damen am rot weissen Glück partizipieren. Solidarität der höchsten Stufe.

Dieser Beitrag wurde von der Redaktion überprüft und nicht als Verstoß eingestuft.

03.01.2021 - 13:34 - Red-Whitesnake

Könnte man Wetten auf den ersten Schreiber platzieren, dann hätte ich jetzt nen kleinen Gewinn kassiert. Für nen 1 Euro hätte ich 1,25 bekommen :-)))
AV... Vorbereitung für die Auslosung abgeschlossen?
Kühlschrank mit ST.Auder und Schnellbindern aufgeladen? :-))))))

Wir müssen das Glück auch erzwingen. ;-)

03.01.2021 - 13:24 - Außenverteidiger

Wo Licht ist, stinkt der Schatten. In diesem Fall wollen wir der Truppe eine geisteskranke, brutale und menschliche Gier für die Rückrunde wünschen. Überleben als Verein durch den Aufstieg und Geld im Pokal zu verdienen sind ethisch saubere Ziele.

Wichtig: Jeder Fan sieht, die Ergebnisse mit und ohne einen Torjäger. Romantische Zustände an der Hafenstraße.