11.10.2018

KL A

Mallorca muss warten

Foto: Thomas Gödde

Auch die kommenden Meister der Kreisliga A steigen nicht direkt in die Bezirksliga auf. Dafür spielen zu wenige Mannschaften im Kreis Gelsenkirchen

Der amtierende Meister hat die verkorkste Relegation und den verpassten Aufstieg abgehakt. Der VfB Kirchhellen startet einen weiteren Anlauf Richtung Bezirksliga. Die Bilanz unterstreicht die Ambitionen der Blau-Weißen eindrucksvoll: Neun Siege in neun Spielen. Acht Partien ohne Gegentor und eine Offensive, die mit 41 Treffern der Konkurrenz das Fürchten lehrt – als nächstes kommt Preußen Gladbeck zum VfB. Aber selbst für den unwahrscheinlichen Fall, dass Bartosz Maslon und Co. ihre Serie bis zum 30. Spieltag am 26. Mai 2019 fortsetzen: Zu einem Aufstieg würde das noch nicht reichen. Was das mit einem Londoner Anwalt, einem deutschen Mathematiker und Urlaubsplanungen zu tun hat, erklärt der Vorsitzende des Fußballkreises 12 Christian Fischer.


„Ich bin selbst Fußballer“, sagt Christian Fischer, „wenn ich Meister geworden bin, dann will ich kein Entscheidungsspiel mehr. Das ist doch klar.“ Der Vorsitzende des Gelsenkirchener Fußballkreises kann sich deshalb auch gut in die Lage des VfB Kirchhellen versetzen, dem in der vergangenen Saison trotz Meisterschaftsgewinn der Aufstieg in die Bezirksliga verwehrt blieb: „Das ist schon ziemlich bitter für den VfB gelaufen.“ Doch auch Fischer sind die Hände gebunden: „Natürlich wäre es wünschenswert, dass jeder Meister aufsteigen darf, aber das ist in unserem Fußballkreis aktuell leider nicht möglich.“ 

Verantwortlich dafür ist die niedrige Anzahl an gemeldeten Mannschaften. Von der dreigleisigen Kreisliga C bis zur zweigleisigen Kreisliga A spielen momentan 105 Mannschaften im Fußballkreis 12. Zum Vergleich: Im benachbarten Fußballkreis Recklinghausen spielen 149 Mannschaften, die dortigen Meister der Kreisliga A steigen direkt auf, einer der beiden Vizemeister hat über eine Relegationsrunde ebenfalls die Chance, die Bezirksliga zu erreichen.

„Die insgesamt 29 Fußballkreise in Westfalen können logischerweise nicht selbst entscheiden, wie viele Mannschaften in die Bezirksliga aufsteigen. In dieser Frage hat der Verband das Sagen. Wir mussten schon dafür kämpfen, dass jeder Fußballkreis auch wirklich einen Aufsteiger stellt“, erklärt Christian Fischer. Aktuell verfügt der Fußballkreis 12 über 1,5 Aufstiegsplätze zur Bezirksliga. Deshalb wird im Anschluss an die Saison unter den beiden Meistern der A-Kreisligen in einem Entscheidungsspiel der Aufsteiger ermittelt. Der Verlierer geht mit einem halben Aufstiegsplatz in eine zweite Relegation mit einem Vizemeister aus dem Fußballkreis Recklinghausen. Der Sieger steigt ebenfalls auf.

Streng wissenschaftlicher Schlüssel

Der Fußballverband hat diesen Modus nicht nach einer Laune ermittelt, sondern auf streng wissenschaftlicher Basis. „Das Hare-Niemeyer-Verfahren kommt dabei zum Einsatz“, sagt Fischer. Das nach dem Londoner Anwalt Thomas Hare und dem deutschen Mathematiker Horst Niemeyer benannte Quotenverfahren diente bis 2005 auch im Deutschen Bundestag zur Berechnung der Sitzverteilung. Und es soll auch in den Fußballkreisen für eine gerechte Verteilung der Aufstiegsplätze sorgen.

Mittelfristig werde sich nichts an der Lage im Kreis 12 ändern, prophezeit Christian Fischer. Auf Dauer könne es sogar zu einer Herausforderung werden, die 1,5 Aufstiegsplätze zu behalten. Fischer: „Wenn wir die Anzahl unserer Mannschaften nicht ausbauen oder zumindest konstant halten können, wird es schwer.“ Weil die Entwicklung jedoch in die entgegen gesetzte Richtung zeigt, stehe auf lange Sicht auch die bisherige Struktur der Fußballkreise zur Diskussion.

„Der VfB Kirchhellen ist gut beraten, seine Abschlussfahrt nicht direkt im Anschluss an die Saison zu buchen“, sagt Fischer. Mallorca muss warten. Denn um die Relegation kommt auch der kommende Meister nicht herum.

Autor: Felix Hoffmann

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