Der Torwarttrainer ist seit 2005 beim VfL Bochum und hat viele Trainer und Spieler kommen und gehen gesehen. Der Saarländer begann vor fast 20 Jahren beim 1. FC Köln.

Bochum

Loyalität ist Peter Greiber sehr wichtig

20. Januar 2019, 18:52 Uhr

Foto: Tim Kramer

Der Torwarttrainer ist seit 2005 beim VfL Bochum und hat viele Trainer und Spieler kommen und gehen gesehen. Der Saarländer begann vor fast 20 Jahren beim 1. FC Köln.

Neulich hat ihm ein junger Mann geschrieben. Dass er Vater geworden ist. Peter Greiber war einst sein Trainer - in der F-Jugend des 1. FC Köln, Mitte der 90-er Jahre. Das sagt viel aus über den 50-Jährigen, der seit 2005 beim VfL Bochum für die Profi- und Nachwuchstorhüter verantwortlich ist. „Ich habe noch zu vielen meiner Torhüter Kontakt, und ich freue mich, wenn aus den Jungs etwas geworden ist, nicht nur als Fußballer”, sagt er. „In dieser Beziehung ist es mir völlig wurscht, ob einer jetzt Bundesliga oder Kreisklasse spielt.”

Peter Greiber hält sich seit jeher in der Öffentlichkeit zurück - sein Credo sind Diskretion, Loyalität, ein vernünftiges Miteinander. Torhüter trainieren oft nur zu dritt oder zu viert, es gibt fast immer eine klare Nummer eins, beim VfL ist es zurzeit Manuel Riemann. Ein Torwart-Trainer muss aber nicht nur Leistung fordern und fördern, sondern auch die Nummer zwei und drei bei Laune halten, die also, die (fast) nie spielen. „Das Wichtigste ist, dass wir in der Torwartgruppe, mich inbegriffen, respektvoll miteinander umgehen”, sagt er.

Sportlich „darf es dabei auch mal krachen. Dass Florian Kraft und Felix Dornebusch Vollgas geben, ist auch ganz wichtig für die Trainingsintensität. Davon profitiert dann auch die Nummer eins.” Derzeit gebe es bei den Wettkampf-Übungen „einen Kampf bis aufs Blut. Da will keiner verlieren“

Greiber hat viele Torhüter, Trainer und Co-Trainer kommen und gehen sehen - er blieb. Erst in Köln, Ewald Lienen und Friedhelm Funkel waren seine ersten Chefs im Profibereich ab dem Jahr 2000. „Sie haben es mir leicht gemacht, mich in dem Profigeschäft zurechtzufinden.”

Denn Greiber, der fortan Typen wie Markus Pröll, Alexander Bade, Stefan Wessels, Rein van Dujnhoven und Jaroslav Drobny trainierte, ist ein Quereinsteiger. Er war selbst ein talentierter Torwart bei kleinen Klubs im heimatlichen Saarland. Ein Angebot des 1. FC Kaiserslautern in der A-Jugend lehnte er aber ab, das Austauschjahr als Schüler in den USA ging vor. Heute, meint er, eine fast undenkbare Entscheidung.

Während des Sportstudiums, 1995, holte ihn der 1. FC Köln in sein Nachwuchsteam, Greiber stieg kontinuierlich auf. „Mit den Kleinen hat es unheimlich viel Spaß gemacht”, sagt er - und hat weiterhin ein Faible für den Nachwuchs. Mit Sören Rittmeier, der seit dieser Saison hauptamtlich als Torwart-Trainer für das Talentwerk zuständig ist, und Jan Zimmler betreut er die Keeper, von den F- bis zu den A-Junioren. Greiber hat das Konzept federführend erarbeitet, trainiert die Jungs auch selbst, soweit es der Terminplan der Profis hergibt. Die Talente erhalten damit früh eine hohe Wertschätzung. Das bindet.

Der A-Lizenz-Inhaber ist seit Anfang 2018 auch im Besitz der neu eingeführten Torwart-Trainer-Lizenz der Uefa, er zählte zu den ersten Absolventen beim DFB. Beim Lehrgang erklärte Torwart-Legende Hans Tilkowski, was einst schon Sepp Herberger allen mit auf den Weg gab: Das Spiel schnell zu machen. Mitzuspielen. So viel zum modernen Torwartspiel…

Greiber besitzt die neue Uefa-Lizenz

„Natürlich gibt es Veränderungen, zum Beispiel bei Tempo, Athletik, Taktik, bei der Spielverlagerung”, sagt Greiber. Aber: „Früher warst du ein guter Torwart, wenn Du viele Bälle gehalten hast. Das bist Du heute auch noch.”Auf eine vielseitige Ausbildung legt Greiber, der drei Lehrbücher geschrieben hat, freilich Wert. Und von jedem Trainer habe er etwas dazu gelernt. Von Marcel Koller etwa, der ihn nach Bochum holte 2005, weil er schon in Köln mit ihm harmonierte. Von Friedhelm Funkel, Huub Stevens, Peter Neururer, Gertjan Verbeek und jetzt Robin Dutt. Greiber kam mit allen gut klar, zehn Trainer waren es allein in Bochum.

Keinen will er herausheben, um andere nicht kleiner zu machen. Auch über Heiko Herrlich sagt er nichts, obwohl es in diesem einen Fall so gar nicht passte. Nach der Saison 2009/10 sollte Greiber abgelöst werden. Es kam anders: Herrlich wurde entlassen, Funkel kam - Greiber blieb.

Andreas Luthe und „Bruno“ Michael Esser machte er dann zur Nummer eins, beide spielen jetzt in der Bundesliga, für Augsburg und Hannover. Ob er stolz darauf ist? Vielleicht. Aber öffentlich sagen wird Peter Greiber das nicht. Niemals.

Autor: Ralf Ritter

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Mannschaften

Rubriken

Kommentieren