Die Regionalliga hat ein Strukturproblem. Das zeigte sich im Fall der SG Wattenscheid, doch auch im Fall der Drittliga-Aufsteiger gibt es Klärungsbedarf. Siehe Rödinghausen. Ein Kommentar

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Kommentar: In der Regionalliga besteht großer Klärungsbedarf

14. Februar 2020, 08:49 Uhr

Foto: Gero Helm

Die Regionalliga hat ein Strukturproblem. Das zeigte sich im Fall der SG Wattenscheid, doch auch im Fall der Drittliga-Aufsteiger gibt es Klärungsbedarf. Siehe Rödinghausen. Ein Kommentar

Man sollte mit dem Begriff Wettbewerbsverzerrung vorsichtig sein. Doch das, was in dieser Saison in der Regionalliga West passiert, kommt dem schon nahe. Zunächst musste die SG Wattenscheid Insolvenz anmelden und zog sich aus dem Spielbetrieb zurück. Die Konsequenz: Alle Spiele wurden annulliert. Gut zum Beispiel für Verl, die verloren gegen die SGW und bekamen keinen Punktabzug. Schlecht zum Beispiel für RWE, die besiegten die Wattenscheider und verloren die Zähler wieder. Zum ersten Mal wurde abseits des Sports in den Wettbewerb eingegriffen.


Und jetzt meldet sich der SV Rödinghausen und erklärt, dass der Klub keine Drittligalizenz beantragen werden. Das ehrt den Verein, dass er diese Weitsicht hat, dass dieser Sprung derzeit zu groß wäre. Das ändert aber nichts daran, dass die Mannschaft von nun an deutlich entspannter und ohne große Ambitionen in die Spiele gehen wird. So eine Leistung wie in Essen beim 2:0 vor wenigen Wochen darf man in den Duellen gegen Verl, RWO oder Abstiegskandidaten nicht erwarten. Hier sind alle die Vereine im Vorteil, die nun noch gegen den SVR antreten müssen. Bei Rödinghausen geht es für die Spieler nur noch darum, sich nun für andere Vereine in Stellung zu bringen. Zumindest für die Topspieler, die bereits jetzt im Fokus der Konkurrenz stehen. 


Zwei Vereine. Zwei unterschiedliche Ausgangslagen. Zwei Probleme.

Nummer eins: Die Regionalliga hat ein Strukturproblem. Und das nicht nur aufgrund der absurden Aufstiegsregel, wo Jahr für Jahr Meister noch in eine Relegation müssen, um dann am Ende trotz einer tollen Saison vielleicht doch nicht aufzusteigen. 


Denn beim Thema Lizenz gibt es aberwitzige Bedingungen, unter denen man an den Start gehen kann. Eine vergleichsweise kleine Bürgschaft reicht, große Hürden muss kein Verein nehmen. Daher kann es eben passieren, dass ein Verein dann mal ein paar Monate später blank ziehen muss - siehe in Wattenscheid. Echte Kontrollen sind hier Fehlanzeige. Hier muss der Verband eingreifen. 

Denn sonst ist die Regionalliga nicht nur formell eine Amateurliga, in der sich zwar teure Zweitvertretungen tummeln und große Traditionsvereine, die so schnell wie möglich aus dieser Liga wieder raus wollen. Aber auch Oberliga-Aufsteiger, die nicht gemacht sind für so eine Liga. Teams mit Feierabendfußballern, die nach einem kurzen Intermezzo schnell wieder von der Viertligalandkarte verschwinden. Dazu kommen gestandene Regionalligaklubs, die allerdings den nächsten Schritt nicht gehen können, sei die Arbeit auch noch so gut. 

Da kommen wir zu Problem Nummer zwei: Wer aufsteigen will, der muss beim Sprung in die 3. Liga etliche Nachweise erbringen, die im Fall von Rödinghausen nicht zu realisieren sind. Die Hürden sind zu hoch, daher muss der SVR Vernunft walten lassen und auf den Aufstieg verzichten. Mit dem Geschmäckle, von nun an mit deutlich weniger Anspannung in die Partien zu gehen. 

Bleibt nur zu hoffen, dass sich nicht noch ein Verein meldet, der kein Geld mehr hat oder der nicht aufsteigen will. Diese Regionalliga-Spielzeit hat jetzt schon genug Nebenschauplätze, die keiner braucht.

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14.02.2020 - 13:50 - Lokutus

Grundsatzproblem:
Unterschiedliche Verwaltungsapparate ! Landesverbände, DFB, DFL
Keine einheitlichen Zulassungsprüfungen und kontrollen,
entweder zu Hohe Anforderungen oder zu wenig Mindeststandards
Die Kluft zwischen Regio und 3. Liga ist einfach zu gross. Dazu kommt, dass sich im Regio Bereich viel zu viele Vereine tummeln, weil zuviele Regionalligen vorhanden sind.
Strukturelle Probleme (zu wenig Sponsorengelder, weil zuviele Vereine im Umfeld), keine vorhandenen Stadien in verschiedenen Regionen, weniger Einnahmen aus Werbung zusätzlich noch, weil Firmen in einer Liga, in der der Meister nicht generell aufsteigt, weniger Interesse haben zu investieren.
usw usw usw
Der Fisch stinkt vom Kopf her, die Verbände müssen unbedingt Lösungen finden !

14.02.2020 - 13:43 - soso

Sportlich ist es schade für den SV R.

Aber selbst die selbsternannten GROSSEN RW Clubs tun sich mit der 3. Liga keinen Gefallen.
Da spielen Kicker, die sich selbst überschätzen und bis mittags schlafen.

Letztlich werden beide ohne ihre Sponsoren wie Stauder und IFM in 8 Jahren pleite sein.

14.02.2020 - 13:18 - Du schöner RWE

Dann wäre es schön, wenn auch von Seiten einigen RWO-Fans mal ein wenig mehr Sachlichkeit bei der Diskussion einkehren würde. Mit Franki ist dies schlechterdings nicht möglich.

14.02.2020 - 12:32 - fan2001FBU

@außenverteidiger:
"Bei manchen Aussagen wundere ich mich nicht über die Strukturschwache Stadt Oberhausen. Wie sollen bei solchen Aussagen die richtigen Volksvertreter gewählt werden?"

Ich lebe in Oberhausen und meine, dass die Stadt Oberhausen nicht strukturschwach ist.
Es wird sehr viel getan in Oberhausen und die meisten hier kennen das Centro und waren auch schon dort.

14.02.2020 - 12:23 - 1955

Die Regionalliga ist überflüssig! Die hier spielenden kleinen Vereine, wie z.B. Rödinghausen etc., gehören in die Oberliga und die größten Vereine (RWE, Aachen etc.) in die 3.Liga! Die zweiten Bundesligisten gehören in eine eigene Liga. Wer aus der Oberliga Meister wird oder aufsteigen möchte, muss sich schon vor Saisonstart nach Vorgabe der 3. Liga bewerben.

14.02.2020 - 12:09 - Anton Leopold

@Außenverteidiger
Ich muss heute und morgen umfängliche Fachartikel fertig stellen zu teilweise brutal langweiligen Themen und freue mich über die kurzweilige Abwechselung.

14.02.2020 - 12:06 - Außenverteidiger

Danke vor allem für deine Zeit Anton. :) Bei manchen Aussagen wundere ich mich nicht über die Strukturschwache Stadt Oberhausen. Wie sollen bei solchen Aussagen die richtigen Volksvertreter gewählt werden?

14.02.2020 - 12:00 - Anton Leopold

Gern geschehen.

14.02.2020 - 11:55 - Frankiboy51

Danke Herr Professor.
Entschuldigen sie bitte das Stöckchen.

14.02.2020 - 11:46 - Anton Leopold

Ich zitiere Außenverteidiger: Alle Menschen sind gegen Populismus und Diskriminierung, lehnen aber die Mittel ab, um diese Werkzeuge zu bekämpfen.

Die Mittel heißen Sachkenntnis und Strukturverständnis. Es trifft zu, dass die Verfassungsreform während der GroKo 2005-2009 hinsichtlich der Bund-Länder-Kompetenzen etwas mehr Klarheit geschaffen hat, die Intransparenz hinsichtlich der Urheberschaft einer politischen Entscheidung im Hinblick auf praktische Folgen des Zusammenlebens ist geblieben. Ob der Bund, das Land, die Kommune oder eine andere Körperschaft des öffentlichen Rechts aufgrund eigener Satzungshoheit für eine Folge veranwortlich ist, kann ein Normalsterblicher nicht wirklich durchschauen. Die letzte Reform hat das kaum beseitigt.

Und genauso verhält es sich mit der völlig missglückten Regionalligareform nach Einführung der Dritten Profiliga. Nicht nur, aber vor allem die aktuelle Saison offenbart irreguläre Zustände, die man schlicht als sportswidrig bezeichnen muss. Hier muss die Frage nach den Ursachen nicht nur erlaubt sein, sie sollte sich jeder stellen, dem sein Verein am Herzen liegt.

Was ist Populismus? Ein Satz wie "Wir sind hier doch nicht in Thüringen." Genau das ist aufgrund der offenbarten Unterkomplexität Populismus.

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14.02.2020 - 11:45 - Außenverteidiger

Weil wir beim Sommermärchen die enge Verzahnung gesehen haben. Gleichzeitig werden während der WM/EM Gesetze im Schatten der Öffentlichkeit durchgeboxt. Thüringen ist die Konsequenz aus jahrelangem Versagen. Sowas passiert überall, wenn man sein Rückgrat verliert. Dann kommen eben andere Kräfte und viele ziehen mit, weil sie einen Aufräumer erwarten. Denke jeder würde solch einen beim DFB und in den Verbänden begrüßen. Auf Strecke wirds allerdings kritisch.

Dieser Beitrag wurde von der Redaktion überprüft und nicht als Verstoß eingestuft.

14.02.2020 - 11:17 - Frankiboy51

Warum wird hier in dieser Sport Publikation dermaßen populistisch Provoziert mit den Sätzen: "... zeigt dieselben Strukturprobleme wie die Politik: Es herrscht aufgrund eines Zuständigkeitswirrwarrs große Intransparenz hinsichtlich Verantwortlichkeit. "
Wir sind hier doch nicht in Thüringen.
@R2O, außer ,,,,,,,, und ... bitte ich ebenso, Bing auszuprobieren und den korrekten Namen des Vorstandvorsitzenden des RWO zu suchen und zu merken.

14.02.2020 - 10:31 - Ronaldo20

Was für ein Schwachsinn Es gibt nun mal die Pflicht gesunde Vorraussetzungen zu schaffen egal welche Liga
Wenn ich kein geeignetes Stadion habe und nur 400-700 Zuschauer weiß jeder das keine 3 Liga geht da hat Herr Sommer recht ich wusste das .RL wird auch schwer
Wenn nur 50 Zuschauer nach Essen kommen kann ich auch kein geeignetes Stadion anmieten.
Und das ist DFL gefragt vor der Saison muß der Verein nachweisen können das im Falle auch die Gegebenheiten auch da sind
Ich kann auch kein Ferrari kaufen wenn ich kein Geld für Benzin habe
Wenn ich keine Sicherheit habe kriege auch kein Kredit bei der Bank
Es ist Unsportlich gegen über den Spielern und Zuschauer sagen wir wollen aufsteigen wissen aber genau es geht überhaupt nicht wirtschaftlich
Das muss vor dem ersten Spieltag geklärt sein ob es vom Umfeld geht jetzt ist das eine sauerrei für jeden Verein

14.02.2020 - 10:26 - Anton Leopold

@Außenverteidiger
Ich hatte das eigentlich gelöscht, aber gut. Mir hat ein Mitarbeiter der DFL von den Verhandlungen der damaligen Strukturreform erzählt. Zweifel an seinen Ausführungen habe ich nicht, weil mir noch ein paar weitere Informationen vorliegen, die in dieselbe Richtung deuten. Die Zustände beim DfB sind schon unprofessionell, die Zustände in den Regional-Verbänden spotten jeder Beschreibung. Es ist, wie Du sagst: Wenn dort kein Geld für Hauptamtliche zur Verfügung gestellt wird, die über die nötige Sachkenntnis und Fachkompetenz verfügen, bleibt es wie es ist. Wem nutzt es, ist die richtige Frage.

14.02.2020 - 10:00 - Außenverteidiger

Kern der Botschaft war, die Verantwortlichen ins Licht zu holen.

Beitrag wurde gemeldet

14.02.2020 - 09:30 - Außenverteidiger

Anton: Bin zum ersten Mal einer anderen Meinung. Zur DFL gibt's 100 % Zustimmung und für sie ist die Welt wie geschaffen. Kenne eigentlich kein gerechtes und funktionierendes System innerhalb eines System. Erinnert mich an die Rolle des Militärs in der Sowjetunion oder den Usa. Mega Summen für die Großen und die kleinen Spieler sind am Limit.

Die Verantwortlichen gibt's schon. Sie werden komischerweise von keinem Journalisten erwähnt oder langfristig zur Rede gestellt. Der DFB hat klare, wenn auch zu milde, Auflagen für seine dritte Liga. Die vierte Liga unterliegt den Landesverbänden und wir reden zurecht über Strukturprobleme. Denke wir beide würden schon über Marktversagen sprechen. Da hilft nur der Regelhüter...

Habe mal beim FVN e.V. nachgesehen. Dort heißt der Präsident Peter Frymuth und im FLVW Gundolf Walaschewski. Diese Präsidenten könnten erst einmal die Zuständigkeitsfrage beantworten und stehen für die Regio West in der Verantwortung. Meine Vermutungen über das Ehrenamt, ähnlich zur Politik, die handelnden Personen wollen sich eher Sonnen. Betrachtet man die Arbeitsprozesse, können die Aufgaben ausschließlich hauptamtlich ausgeführt werden. Regelhüter werden in unserem Land komplett falsch und immer zu gering ausgerüstet. Wenn man die Nutznießer betrachtet, ein Schelm wer böses dabei denkt. Letztendlich müssten DFL und DFB dafür sorgen, dass die Millionen nicht nur punktuell in den Sport fließen, sondern auch für einen fairen Wettbewerb bereit stehen. Sprich, hauptamtliche Mitarbeiter bei Landesverbänden und eine Stelle von mir aus bei großen Kreisverbänden. Bringt sogar den Effekt von ehrlichen Arbeitsplätzen. Dadurch könnten Lizenzprüfer eingestellt werden. Bei meinen Vereinen stand schon im Februar der Etat für die kommende Saison. Ausgerechnet durch die Kassierer. Alle Vereine sind gesund gewesen und haben eine tolle Jugendarbeit gemacht. Die Unterlagen kann doch jeder einreichen.

Dieser Beitrag wurde von der Redaktion überprüft und nicht als Verstoß eingestuft.

14.02.2020 - 08:31 - Nordend

Da beißt sich die Katze doch in den Schwanz. Auf der einen Seite wird kritisiert, dass die Eintrittsschranken für die Regionalliga West zu gering seien. Auf der anderen Seite seien die Eintrittsschranken für die (teurere) 3. Liga zu hoch :)

Natürlich hat die Dritte Liga dieselben Sorgen um die wirtschaftliche Leistubgsfähigkeit der Vereine und anscheinend läuft die Lizensierung dort besser als in Liga 4.

Die Lizensierung der 3. Liga aber als Problem der 4. Liga darzustellen, wird keinen Fubktionnär zur Reform bewegen können :)

14.02.2020 - 08:30 - Anton Leopold

Man sollte aus dem Klärungsbedarf nicht auf eine baldige Klärung schließen. Der Fußball zeigt dieselben Strukturprobleme wie die Politik: Es herrscht aufgrund eines Zuständigkeitswirrwarrs große Intransparenz hinsichtlich Verantwortlichkeit. Klarheit fehlt, wessen Entscheidung letztlich kausal für die Existenz eines Problems ist.
Aus Sicht der Profiligen gibt es keinen Handlungsbedarf. Der Profifußball hat sich abgeschottet und genießt es.
Professionelle Strukturen gibt es auf sämtlichen Verbandsebenen nicht, weder beim DfB, noch bei den Regionalverbänden. Nötig wäre eine sofortige Reform, nötig wären Lizensierungsverfahren, nötig wäre ein vorgezogener Termin zur Lizenzbeantragung, z.B. die Winterpause. Das alles wird sich aufgrund des Regionalproporzes, der amateurhaften Strukturen bei sämtlichen Verbänden und aufgrund des - kurzsichtigen - Egoismus der Profiligen nicht ändern.
Für Vereine wie RWE und RWO und Aachen ist es dringend geboten, mit aller Kraft aus diesen Strukturen zu fliehen.