3. Liga

KFC-Legende über Chaos: "Es war eine Frage der Zeit - leider"

13. Januar 2021, 13:19 Uhr
Matthias Herget bestritt 238 Spiele für Bayer Uerdingen. Foto: Michael Gohl

Matthias Herget bestritt 238 Spiele für Bayer Uerdingen. Foto: Michael Gohl

Fußball-Drittligist KFC Uerdingen droht nach dem angekündigten Rückzug von Präsident und Investor Mikhail Ponomarev der Absturz in den Amateurfußball. Für eine Bayer-Uerdingen-Legende kommt das Chaos beim Bayer-Nachfolgerverein nicht überraschend.

Das ist bitter! Dem KFC Uerdingen droht das Aus im Profifußball. Das ist das Ergebnis einer virtuellen Mitglieder-Informationsveranstaltung, die der Verein am Dienstagabend abgehalten hatte. Kurzum: Nach dem angekündigten Rückzug von Boss Mikhail Ponomarev im Sommer 2021 steht kein neuer Investor parat, um den KFC zu übernehmen. Sollte dieser in den nächsten Wochen, Monaten nicht gefunden werden, heißt die Zukunft für den KFC wohl Regionalliga oder gar Neuanfang in der Oberliga.

Dass es in Krefeld zu solch einer Situation kommt, wundert Matthias Herget nicht. Die Legende des KFC-Vorgänger-Vereins Bayer Uerdingen, die mit 238 Pflichtspielen (35 Tore) die Nummer neun unter den Rekordspielern des Vereins ist und 1985 DFB-Pokalsieger mit den Krefeldern wurde, hatte da schon vor Jahren eine leise Vorahnung. "Es war alles nur eine Frage der Zeit - leider. Es war klar, dass das mal alles vor die Wand gefahren wird. Wenn man sich in die Hände eines Investors begibt und der sportliche Erfolg plötzlich ausbleibt, dann passiert so etwas. Der Investor denkt nur noch an sein Geld und fragt sich, was ihm der Aufwand überhaupt noch für einen Ertrag bringt. Ponomarev hat für sich entschieden, dass das alles keinen Sinn mehr macht. Was mit dem KFC passiert, steht für ihn an zweiter Stelle. Erst wird das Geld gezählt", sagt der 65-jährige Herget im RevierSport-Gespräch.

Herget: Sportliche Kompetenz hat einfach gefehlt

Seit März 2015 ist Ponomarev beim KFC. Nach rund sechs Jahren will er sich verabschieden. Immerhin mit zwei Aufstiegen. Dass der dritte, der ersehnte Sprung in die 2. Bundesliga, in der auch der Verein aufgrund der TV-Gelder ein wenig Geld verdienen könnte, bisher ausblieb,, hat laut Herget Gründe, die im sportlichen Umfeld des Vereins liegen.

"Das, was mir einfach gefehlt hat, war die sportliche Kompetenz. Ich habe die Entscheidung mit Stefan Effenberg auch begrüßt. Stefan hat auf jeden Fall die Kompetenzen, er weiß, wie der Fußball funktioniert. Doch leider scheint er in seiner Arbeit nicht frei gewesen zu sein. Bei Investoren ist es leider oft der Fall, dass sie alles beherrschen und bestimmen wollen. Da ist ein Manager, ein Sportdirektor oft nur ausführendes Organ", sagt Herget und erzählt weiter: "Um aus der Regionalliga aufzusteigen, braucht man viel Geld. Das hatte der KFC und hat es auch geschafft, hoch zu gehen. Doch in die 2. Bundesliga zu kommen, ist noch einmal etwas anderes. Da reicht es nicht, sich nur mit Altprofis zu schmücken und auf Teufel komm raus den Aufstieg zu erzwingen. Da müssen schon ein sportlicher Plan, eine Kaderstruktur zu sehen sein. Das war beim KFC nicht der Fall. Scheinbar hat Ponomarev viel Geld und auch leider die Lust verloren."

Zukunft kann nicht in der Oberliga liegen

Laut Herget wäre für den KFC Uerdingen ein Absturz bis in die Oberliga fatal, aber wohl kaum noch zu verhindern. Doch Jahre sollte der Krefelder Traditionsklub nicht in der Fünftklassigkeit verbringen.

"Ich bin da eher Realist und denke, dass der Absturz jetzt kommt. Das tut mir auch weh. Ich weiß aber auch, dass die Oberliga auf Dauer keinen Sinn machen würde. Ich hoffe, dass die Stadt dem Verein endlich unter die Arme greift, von Investoren befreit und aus dem KFC Uerdingen einen seriösen, soliden professionellen Fußballklub macht. Es kann ja nicht sein, dass der Verein in Duisburg, in Düsseldorf oder sonst wo spielt. Es gibt gar keine Strukturen. Das alles muss aufgebaut werden und sich ändern. So blöd es sich auch anhört: ein Neuanfang ist auch immer eine Chance", betont der 39-malige deutsche Nationalspieler Matthias Herget.

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15.01.2021 - 00:56 - DerOekonom

Ich habe den Matthias Herget als einen meiner Lieblingsspieler vom RWE in bester Erinnerung. Mein fußballerisches Vorbild. Das erklärt auch seinen wirklich guten Beitrag zum Thema. Soll wieder mehr zum RWE kommen, da hat er auch jede Menge Fans. Wenn auch nicht die Erfolge wie in Uerdingen gehabt.

Drücke aber auch dem Verein die Daumen und hoffe, dass sie eine Lösung außerhalb von Ponomarev finden. Evtl. hilft ja die GmbH in die Pleite zu schicken und mit neuen Leuten, frischem Geld und eine Liga tiefer neu an zu fangen. Auch das würde schwer genug wie wir an Lotte, Fortuna Köln oder Münster sehen. Nur sollte RWE es dieses Jahr wirklich schaffen, wird es in der Regionalliga dann etwas fad.

14.01.2021 - 13:02 - Superlöwe

Jetzt wo alles den Bach runter geht, sollte man daran denken den Zoo deutlich zu vergrößern!

13.01.2021 - 23:54 - Bierchen

# RWE-Oldie
Dem ist nichts hinzuzufügen!

Kurzer knackiger Kommentar zu 5 Jahre Sterbebegleitung eines gescheiterten Verein.
Diese Zumutung war von Anfang an eine Katastrophe.

13.01.2021 - 17:14 - krötenmann

@KR

Es war doch Regionalligafussball in der Grotenburg möglich und das zu einer Zeit wo Uerdingen nur Oberliga gespielt hat, also hat die Stadt ihre Schuldigkeit getan gehabt.

Wenn jetzt ein Investor kommt und mit seinem Geld 3. Liga Fussball ermöglicht, dann muss direkt reagiert werden und das Stadion umgebaut werden? Was wäre wenn dieser Investor nach 2 Jahren wieder abgesprungen wäre, wie hätte man das dem Steuerzahler dann erklärt?

Oder muss jede Stadt dessen Verein 3000 Zuschauer zu Heimspielen zieht, das Stadion immer auf 3. bzw. 2 Liga Fussballtauglichkeit halten auch wenn der Verein nur Oberliga oder Regionalliga spielt? Was ist das für eine Wunschvorstellung?

Der KFC Uerdingen hat 750 Mitglieder, das ist ein Witz, zu Heimspielen kommen 3000 Zuschauer, welche Argumente gibt es dann da ein Stadion für mehrere Millionen Euro 3. Liga tauglich zu machen?

Wenn dann ein Investor kommt und das Ziel 2 Bundesliga ausgibt, dann muss man sich zusammensetzen und einen 5 - 10 Jahresplan zusammen mit der Stadt entwickeln um die Infrastruktur 3 Liga tauglich aufzubauen, so etwas geht nicht von heute auf morgen.

Die Stadion GmbH wäre ein Zeichen gewesen, dass sich alle beteiligten für einen nachhaltigen und langfristigen Aufbau einsetzen, doch leider war auf Ponomarev kein Verlass und er wollte schnelle Rendite oder garnix.

Unterm Strich muss man sagen die Stadt hat für diesen Verein mehr getan als wie sie hätte machen müssen.

750 Mitglieder, 3000 Zuschauer und dafür soll die Stadt 20 - 30 mio. für Stadion und Infrastruktur alleine durch Steuergelder bereitstellen, das kann doch nicht dein ernst sein.

13.01.2021 - 17:07 - nico_r

Ponomarev wollte "auf Teufel komm raus" in die 2.Liga. Er hatte nie Interesse daran, Strukturen aufzubauen. Es sollte schnell, dass große Geld, fließen. Dazu brauchte er noch Ja-Sager, am Besten, ohne Sachverstand, wie Weinhart. Halt Amateure auf der ganzen Linie. Strüver hat vorab das sinkende Schiff verlassen.

13.01.2021 - 16:38 - moers47441

KR, da du ja selbst weißt, dass der KFC bzw dessen Besitzer eine Stadiongesellschaft wollte und dann abgesprungen ist, stellt sich hier schon die Frage, wieso du die ganze Zeit lügst. Wäre der Clubbesitzer nicht abgesprungen, wäre man wohl schon längst fertig mit dem Umbau, aber dadurch hat sich halt zwangsläufig alles in die Länge gezogen.
Der KFC wollte am Ende keinen Cent in die Infrastruktur stecken, obwohl man über Jahrzehnte zum Spottpreis ein Spielstätte bekommen hat.
Immerhin ist das Stadion nun die nächsten 10-20 Jahre oberliga-/regionalligatauglich. Wer mehr will, der muss halt selbst investieren, aber dafür fehlte ja dem Pumpikov das Kleingeld ??

Nun gut, mit Lügen und Unsinn lässt es sich als Fan natürlich besser leben, schließlich sind dann immer die anderen schuldig und nicht der, an den man seine Seele verkauft hat. :)

13.01.2021 - 16:19 - KR

@krötenmann, eine Stadt die ein Stadion unterhält und hierfür Stadionmiete kassiert ist verpflichtet das Stadion in Ordnung zu halten. Dies ist über Jahre nicht geschehen.Eine Stadt sollte sich aber sehr wohl an ihre Zusagen halten. Das MP überhaupt über eine Stadiongesellschaft nachgefacht hat, obwohl für das Stadion allein der Eigentümer und somit die Stadt Krefeld verantwortlich ist, zeigt das er über sein ohnehin schon weitgehendes Engagement bereit war eine Lösung zu finden. Wenn aber die Stadt meint dem Investor den Großteil der Kosten für ihr Stadion aufhalsen zu müssen darf man sich nicht wundern wenn dieser wieder Aussteigt.Und so zieht es sich wir ein roter Faden durch. Die Kosten für die Grotenburg würden heute deutlich moderater ausfallen wäre die Stadt ihrer Verantwortung nachgekommen.Informiere Dich mal bevor Du meinen Kommentar als Unsinn bezeichnest.

13.01.2021 - 15:07 - krötenmann

Was ein Unsinn.

Keine Stadt der Welt ist dazu verpflichtet in ein Stadion zu investieren wenn ein Verein aufsteigt.

Dennoch wollte die Stadt eine Stadion GmbH gründen die nun mal beide Seiten dazu verpflichtet längerfristig in die Infrastruktur zu investieren und die Grotenburg so 3. Liga tauglich macht.

Wer hat noch gleich bei der Stadion GmbH einen Rückzieher gemacht?

13.01.2021 - 14:18 - KR

Nein Herr Herget, es war eben nicht eine Frage der Zeit.Der KFC hat die sportlichen Vorraussetzungen dafür geschaffen das es so nicht hätte enden müssen. Aber wenn die Stadt ihre Hausaufgaben nicht macht, das Stadion nicht fristgerecht saniert, die Gelder nicht bereitgestellt werden ,kein Trainingsgelände zur Verfügung stellt sondern ganz im Gegenteil den vorhandenen Kunstrasenplatz vor dem Stadion sogar noch zugunsten des Zoos verkleinern will, wenn mehrere Anfragen zur künftig anfallenden Stadion Miete seitens der Stadt unbeantwortet bleiben wie zuletzt im Dezember 2020 dann muss man sich nicht wundern das ein noch so engagierter Investor nicht mehr will und sich unter solchen Umständen auch kein neuer findet. Die Stadt alles getan um eine Rückkehr des Profifußballs in Krefeld zu verhindern.Lieber investiert man in den 0 Punkte Eishockeyclub

13.01.2021 - 13:43 - nico_r

Gibt doch Porschefahrer unter den PFC Fans. Was ist Überdummdings. Ist dir dein Verein nicht dein Matchbox Porsche wert? Im PFC Forum suchen sie jetzt nach Millionären, die man ansprechen könnte.. Ich lache mich schlapp. Besser als jede Komödie.

13.01.2021 - 13:36 - JollyJumper

Na dann mal los Mr. Herget, nicht nur quatschen sondern auch mal machen :)

und ja RWO Oldie, das hatten wir in der Tat im Gegensatz zu vielen anderen Regionalligisten ;) dann geht es jetzt halt wieder von vorne los :D

13.01.2021 - 13:35 - RWO-Oldie

Immerhin hatten die KFC-Fans 5 Jahre Spaß inkl. Damoklesschwert im Rücken.
Aber das es kein nachhaltiges Agieren beim KFC war, dass konnte jeder Blinde sehen.