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Kabinen dicht in Essen: Klartext vom ETB und dem FC Kray

Daniel Ferlings
25. Oktober 2020, 19:31 Uhr
Foto: Michael Gohl

Foto: Michael Gohl

Durch einen 1:0-Heimsieg im Derby gegen den FC Kray in der Oberliga Niederrhein konnte der ETB Schwarz-Weiß Essen die dritte Englische Woche erfolgreich abrunden. Doch für die jeweiligen Verantwortlichen beider Vereine wurde das Derby schnell zum Nebenschauplatz.

Die Stadt Essen hat im Zuge der wachsenden Corona-Infektionen neue Maßnahmen beschlossen, die auch den Essener Sportbetrieb betreffen. Diese gelten ab Montag, dem 26.10. Unter anderem hat die Stadt entschieden, dass Kabinen gesperrt werden sollen und kontaktintensive Übungen zu vermeiden sind. 


Für ETB-Geschäftsführer Dominik Lortz sind die neuen Vorgaben nur schwer nachzuvollziehen: „Wir haben alle im Verein informiert, dass in dieser Woche die Kabinen gesperrt sind und diese nicht genutzt werden dürfen. Das ist jedoch schwer zu gewährleisten, weil gerade im Leistungsbereich der U17 und U19 sowie Oberliga viele Spieler aus den umliegenden Städten angereist kommen.“ 

Dabei spricht er aus Erfahrung, denn die neue Kabinen-Regelung wurde bereits am vergangenen Wochenende getestet: „In der F- und E-Jugend haben wir das ganze bereits getestet. Eine nicht nutzbare Kabine fällt da nicht so schwer ins Gewicht. Dort können die Spieler schnell abreisen, wenn ihre Eltern mit vor Ort sind. Aber mit den anderen Mannschaften spielen wir im Jugendbereich in der Niederrheinliga. Da kann man die Taktik doch nicht auf dem Spielfeld besprechen. Das ist unmöglich.“ 

Auch das kontaktintensive Übungen vermieden werden sollen, sieht Lortz für den Spielbetrieb kritisch: „Abschlussspiele entfallen meistens dadurch. In der Vorbereitung wäre das noch zu kompensieren. Aber auf lange Sicht ist das nicht umsetzbar. Aus meiner Sicht muss man dann überlegen, ob man überhaupt noch weiter Fußball spielen sollte.“ 


Er sieht in den neuen Regelungen sogar eine Gefahr für die Gesundheit der Spieler: „Durch das Schließen der Kabinen wird die Erkältungswelle erhöht. Auch in der Oberliga können die Spieler doch nicht auswärts eine Stunde anreisen und nirgendwo duschen. Ich habe dem Kreisfußballausschuss geschrieben, dass ich das für einen schwerwiegenden Fehler der Stadt Essen halte. Daher werde ich versuchen, bei der Stadt einen Sonderantrag für die Niederrheinliga und die Oberliga zu stellen.“

Auch Mario Salogga, Sportlicher Leiter beim FC Kray, findet deutliche Worte zu den neuen Maßnahmen: „Der Spielbetrieb ist jetzt nicht weiter fortsetzbar. Wir haben Spieler in der ersten Mannschaft, die weite Strecken auf sich nehmen. Wie soll man dies bei den jetzigen Temperaturen gewährleisten, wenn die Spieler geschwitzt und nass vom Regen sind. Das ist unverantwortlich und es kann so nicht weitergehen.“ 

Salogga sieht zudem massive Einschränkungen im Trainingsbetrieb: „Wir werden sehr stark eingegrenzt. Als nächstes spielen wir in Kleve im Niederrheinpokal. Wie sollen wir uns darauf vorbereiten, wenn kein richtiger Kontaktsport erlaubt ist?“

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26.10.2020 - 08:44 - Außenverteidiger

@jenny: Ja, kann man. Unsere Nation kann mit den preußischen Tugenden die Pandemie besser meistern, als alle anderen. Wir haben aus dieser Zeit das Sozialsystem und mit der nötigen Disziplin bzw Distanz werden überflüssige Gespräche und Kontakte reduziert. Dadurch reduzieren sich die Übertragungen und es bleibt mehr Raum für den Sport usw. Weiterhin waren wir Meister der Organisation. Mit der richtigen Kontrolle und Statistiken, ist eine Überprüfung möglich. Frag sich nur, ob das Personal und der Wähler noch bereit sind, für ihren Wohlstand zu kämpfen.

26.10.2020 - 08:41 - Außenverteidiger

Will man den Jugendspielern nicht Flexibilität, Handlungsschnelligkeit und kreative Lösungen beibringen? Jetzt müssen die Erwachsenen mal eine total flexible Situation annehmen und offen für Neues sein. :)
Nach den zehn Etb Geboten, werden die Punkte 3, 5, 6, 8, 9 und 10 besonders gefördert. Eine extrem lehrreiche Zeit. Alle Vereine haben jetzt die Möglichkeit sich weiter zu entwickeln. Viele Vereine sind weltoffen und bauen Brücken. Schauen wir mal über die Brücke nach Afrika. Ein extrem flexibler Kontinent. Wie wird dort in Krisen Fußball gespielt? Achja, viele haben noch nicht einmal einen richtigen Fußballplatz. Sind die Spieler dort nicht auch Menschen? Also einfach mal seine Sprüche in Taten umsetzen. :P

Allerdings scheint ein reicher Staat in der Pandemie zunehmend wichtig zu werden, weil die Bürger entweder Geld und/oder Sicherheit wollen. Das Gegenteil von Flexibilität und individueller Entfaltung.

26.10.2020 - 08:14 - jr_lenny

Verständlich diese Aussagen. Auf diesem Niveau ist ein Spielbetrieb ohne Kabinen/Besprechungsräumen und vereinzelt Training ohne Kontakt nur schwer möglich. Allerdings bin ich der Meinung, dass der Fokus auf den Kinder und Jugendfußball gesetzt werden muss. Hier schon Anlagen zu sperren und den Trainingsbetrieb für Kinder zu verbieten halte ich für überzogen. Wenn der Spielbetrieb eingestellt wird ok, könnte man nachvollziehen. Dennoch sollte mal den Kindern die Möglichkeit geben unter freiem Himmel (zur Not auch wieder ohne Körperkontakt) Sport zu treiben. Ich würde mir eine sachliche Analyse der Politik wünschen und die tatsächlichen Zahlen zu überprüfen. Wie viele Kinder sind aktuell infiziert? Wie viele Infizierungen sind auf den Sport im freien zurückzuführen? Ich hoffe, dass die Personen die das entscheiden diese Dinge berücksichtigen (sofern man sowas überhaupt differenzieren kann).