Jedes Jahr das gleiche Spiel: Ab Spieltag 20 beginnt in den europäischen Top-Ligen das Mitfiebern, welche Mannschaft das Meisterrennen für sich entscheidet. Barcelona oder Real? Liverpool oder City? 

19.02.2019

Finale Phase in der Bundesliga

Ist die Meisterschaft schon entschieden?

@marvin_ronsdorf / unsplash.com

Jedes Jahr das gleiche Spiel: Ab Spieltag 20 beginnt in den europäischen Top-Ligen das Mitfiebern, welche Mannschaft das Meisterrennen für sich entscheidet. Barcelona oder Real? Liverpool oder City? 

In der Vergangenheit war die Bundesliga dahingehend eher langweilig. Zu oft haben die Bayern gefühlt schon Ostern die Schale gen Himmel gestreckt. Die aktuelle Spielzeit scheint die Karten allerdings etwas anders zu mischen. Ligaprimus ist aktuell Borussia Dortmund, welches mit seiner offensiv ausgerichteten Spielweise und Ausnahmetalenten in der Hinrunde ganz Europa fasziniert hat. Die Bayern scheinen allerdings langsam zu ihrer alten Form zurückzufinden. Zeitgleich erlebt der BVB sein erstes Tief. Das zwischenzeitliche 10 Punkte-Polster ist auf 3 geschmolzen. Zumal das direkte Duell mit dem FCB noch aussteht. Rückschläge im DFB-Pokal und der Champions-League lassen Fans und Experten schon grübeln, ob Dortmund vermutlich alles verspielt. Machen es am Ende wieder die Bayern? Eines dürften die kommenden Spieltage deshalb auf jeden Fall werden: Spannend!

Die aktuelle Tabellensituation

Die Bayern überraschten letzten Sommer etwas, als man sich entschied neben dem ablösefreien Transfer von Leon Goretzka und dem Rückkehrer Serge Gnabry keinerlei weitere Transfers zu tätigen. Eher ungewohnt, ist man doch jedes Jahr mindestens eine Star-Verpflichtung im Süden gewöhnt. Nach dem Start in die laufende Saison mit Neu-Trainer Nico Kovac zeigte sich allerdings recht bald, dass der FCB es in der Spielzeit 2018/2019 wahrscheinlich nicht ganz so leicht haben würde. Profitiert haben von dieser „Formschwäche“ die anderen Mannschaften. Allen voran hat besonders der BVB vor dem Hintergrund des Formtiefs der Bayern fleißig Punkte gesammelt. Dass es einer gewissen Findungsphase mit einem neuen Coach bedarf ist kein Argument für die Bayern, denn auch die Borussia aus Dortmund hat seit letztem Sommer mit Lucien Favre einen neuen Übungsleiter mit einer ganz eigenen Spielphilosophie.

Wie sieht die Situation in der Tabelle zum aktuellen Zeitpunkt aus? Nach 21 Spielen ist die Borussia aus Dortmund auf Platz 1. Das jedoch mit lediglich 3 Punkten Vorsprung. Die 53 Punkte stammen aus 15 Siegen und 4 Unentschieden. Nach dem jüngsten Rückschlag mit einem Remis gegen den Tabellenletzten 1. FC Nürnberg scheint die Borussia ihren zwischenzeitlichen 10 Punkte Vorsprung komplett zu verspielen. 

Verloren hat der BVB in dieser Saison trotzdem erst einmal – und das überraschend gegen Fortuna Düsseldorf. Auf Platz 2 – bei den Bayern – sieht die Bilanz etwas durchwachsener aus. Hier sind es in den letzten 22 Spieltagen gleich vier Niederlagen und 3 Spiele mit nur einem Zähler. Allerdings haben die Bayern immerhin 15 Siege geschafft. Heißt im Klartext: Der FC Bayern München liegt mit 48 Punkten nur noch 3 Zähler hinter der Borussia. Allerdings bleibt auch die Frage offen, ob Bayern wirklich konstant weiter punktet. Ex-BVB-Coach Jürgen Klopp brachte es in einem Sky Interview vergangene Woche auf den Punkt:


Ich habe aber das Gefühl, dass fünf Punkte mehr wert sind als früher. Ich habe nicht den Eindruck, die Bayern werden die nächsten 15 Bundesliga-Spiele einfach so gewinnen.
Jürgen Klopp

Allerdings waren es zu dem Zeitpunkt des Interviews auch noch 5 Punkte, nun sind es 3.


Mit Borussia Mönchengladbach und RB Leipzig liegen rein rechnerisch noch zwei weitere Teams in Schlagdistanz zum Tabellenersten. Allerdings muss sich die Nummer vier der Tabelle – Leipzig – schon sehr weit strecken, um mit den 41 Punkten den Sprung ganz nach vorn zu schaffen. Zu Mönchengladbach ist die Differenz mit 5 Punkten aus Bayern-Sicht auch relativ komfortabel.

Wie stehen die Prognosen?

Bis zum Ende der laufenden Bundesliga-Saison sind aber noch einige Spieltage zu absolvieren. Die Klubs haben bisher etwa zwei Drittel der Saison hinter sich. Und an den kommenden Spieltagen kann zudem noch sehr viel passieren, weshalb es ratsam ist den Bundesligatrend stets im Auge zu behalten. Entscheidend im letzten Drittel der Saison sind natürlich auch Faktoren wie Verletzungspech, Rot-Sperren und auch die Anordnung des Spielplans. 

Die Europa-League-Plätze

Vor allem die Situation um das internationale Geschäft ist an Spannung kaum zu überbieten. So stark Frankfurt, die Hertha und auch Bremen aktuell spielen, im internationalen Geschäft wären sie stand jetzt nicht. Mit Wolfsburg und Leverkusen befinden sich auf diesen Plätzen zwei bärenstarke Anwärter, die es zu verdrängen gilt. Aktuell kämpfen 6 Teams um 2 Plätze. In den kommenden Wochen kommt es hierzu zudem des Öfteren zum direkten Vergleich. Es bleibt wohl ähnlich wie im Tabellenkeller bis zum Schluss spannend.

Die Champions League-Plätze

Wie schon zu Anfangs erwähnt scheint die Top 4 und somit die Qualifikation der Champions League relativ sicher zu sein. Bayern und Dortmund werden vermutlich bis zum Ende um Platz 1 kämpfen, während Gladbach und Leipzig Platz 3 und 4 unter sich ausmachen. Ein überraschendes Szenario, was allerdings auch noch möglich ist, wäre das Eingreifen von Gladbach in den Titelkampf. Bayern und Dortmund müssten mehrmals verlieren und Gladbach konstant punkten.

Der Tabellenkeller

In der Tabelle ganz andere Probleme haben die Schlusslichter: Neben dem FC Nürnberg, der mit 13 Punkten und 13 Niederlagen und der jüngsten Trainerentlassung akut abstiegsgefährdet ist, kämpft Hannover 96 (14 Punkte) mit dem VFB Stuttgart (15 Punkte) um den Relegationsplatz. Hier bleibt es ganz sicher bis Saisonende spannend. Nürnberg hat durch das Unentschieden gegen Dortmund womöglich neue Kraft getankt. Wie schnell diese jedoch verpuffen kann hat man am Beispiel Hannover gesehen. Nach dem 2:0 Sieg der Doll-Truppe im direkten Duell gegen Nürnberg folgte eine 0:3-Klatsche gegen Hoffenheim. 

Die kommenden Spieltage im Fokus

Einige sehr interessante Entwicklungen werden sich wahrscheinlich nach den kommenden Spieltagen ablesen lassen. Der BVB hat zum Beispiel einen gemischten Terminplan:


• Leverkusen (H)
• Augsburg (A)
• Stuttgart (H)
• Hertha (A)
• Wolfsburg (A)

Die Spiele gegen Leverkusen, Hertha und Wolfsburg sind anspruchsvoll. Gegen Augsburg und Stuttgart sind die Punkte dagegen fest einkalkuliert. Und genau hier liegt vermutlich die Gefahr - vor allem, wenn man sich an die einzige Niederlage gegen Düsseldorf erinnert.

Auf der anderen Seite stehen die Bayern bald Gegnern gegenüber, die stets für Überraschungen gut sind. Der Fahrplan der Bayern im Vergleich:


• Hertha BSC (H)
• Borussia Mönchengladbach (A)
• Wolfsburg (H)
• Mainz (H)
• Freiburg (A)

Der Showdown findet ohne jeden Zweifel am 28. Spieltag im direkten Duell in der Allianz-Arena statt.
Spektakulär und vor allem knapp ging es im Hinspiel zu. Das direkte Aufeinandertreffen wird sicherlich auch ein Duell Favre gegen Kovac.

Stärken und Schwächen - was spricht für welches Team

Welche Mannschaft am Ende die Meisterschale in den Händen halten wird, ist letztlich eine Frage von: Form, Konstanz und auch etwas Glück.


Fortuna spielt insofern eine Rolle, dass das Fehlen von Schlüsselspielern Punkte kosten können. Kein Beispiel trifft es aktuell besser als das von Borussia Dortmund und seinem derzeit verletzten Kapitän Marco Reus. Der laut Statistiken aktuell beste Spieler der Liga fehlt den Schwarzgelben natürlich. Spieler dieser Kategorie haben nun einmal die Fähigkeiten Spiele zu entscheiden, und genau dieser Faktor fehlt den Borussen momentan in der Abwesenheit ihres Kapitäns. Und gerade für die kommenden Schlüsselspiele wird es für beide Mannschaften extrem wichtig sein aus dem Vollen zu schöpfen. 

Bei den Bayern lichtet sich so langsam das Lazarett. Coman, Neuer und Martinez sind wieder zurück. Auf Robben und Tolisso darf man in den kommenden Wochen auch hoffen. Ribery fehlte lediglich wegen der Geburt seines 5 Kindes, reiste aber nach Liverpool nach. Boateng hadert aktuell noch an einer Grippe und fällt für den Kracher an der Anfield Road aus.

Bei Dortmund dagegen scheint die Lage aktuell zumindest etwas brisanter zu sein. War die Borussia zu anfangs noch von Verletzungspech verschont gewesen, fallen aktuell so viele Spieler aus, dass sogar in der Champions League eine bisher nie dagewesene 4er-Kette auf dem Platz stand – mit einem aussagekräftigen Ergebnis. Ob es nur daran liegt sei mal dahingestellt. Aber ohne einen Abwehr-Chef Manuel Akanji, den Spielmacher Marco Reus oder einem eiskalten Torjäger Paco Alcacer fehlen wichtige Komponenten im Spiel von Lucien Favre.

Formkurve

Anders bei der Form – sprich den Stärken und Schwächen. Letztere hat Dortmund über weite Strecken der bisherigen Saison nicht erkennen lassen. Allerdings haben die letzten Wackler gezeigt, dass mit einigen taktischen Kniffen die Abwehr der Dortmunder zu knacken ist. 


Allerdings haben nicht nur die Dortmunder Schwachstellen in den hinteren Reihen. Dass es in den letzten Spielen bei den Bayern nach vorn recht gut geklappt hat, darf nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, wie viele Gegentore der FCB in dieser Saison hat  wegstecken müssen. Die Mannschaft hat nach den anfänglichen Schwierigkeiten viel richtig gemacht. Aber gerade in der Abwehr gibt es noch Potenzial für Verbesserungen. 

Nicht aus den Augen verloren werden darf natürlich auch Borussia Mönchengladbach. Hier ist die Heimstärke ein wichtiger Punkt. Aber auch offensiv hat sich das Team bisher sehr stark präsentiert – was für die Position in der Tabelle ein wesentlicher Punkt ist. In Kombination mit der Abwehr wird so eine recht kompakte Mannschaft auf dem Rasen stehen und darauf lauern, dass eine der beiden anderen Mannschaften sich zu Fehlern verleiten lässt.

Tanz auf drei Hochzeiten?

Während Dortmund bereits aus dem DFP Pokal ausgeschieden ist und gegen Tottenham vermutlich keinen 0:3-Rückstand mehr drehen wird, ist Bayern im DFB-Pokal bereits einen Runde weiter und hat auch gegen Liverpool noch alle Chancen auf ein Weiterkommen. Interessant vor allem die Tatsache, dass die Bayern vor dem direkten Duell am 6 April noch unter der Woche zu Hause das Viertelfinale im DFB-Pokal bestreiten, während Dortmund deutlich länger regenerieren kann.

Fazit: Das Meisterschaftsrennen ist und bleibt offen

Seitens der Bayern läuft es inzwischen wieder deutlich besser. Wirklich überragend sind die Leistungen der Mannschaft allerdings noch nicht. Finden Hummel und Boateng wieder zur alten Stabilität? Ist Neuer fit für die wichtigen Spiele? 


Aber auch der BVB zeigte in den letzten Spielen erstmals Nerven. Man sei endlich in der Realität gelandet, meinte Matthias Sammer noch vor kurzem. Der Punktverlust gegen den Tabellenletzten Nürnberg ist der Höhepunkt der aktuellen Misere. Ob es sich nur um eine kurzfristige Formdelle handelt oder der Mannschaft komplett die Puste ausgeht bleibt abzuwarten. Vor allem die Reaktion der jungen und neu zusammengewürfelten Mannschaft in der ersten Krise der Saison wird entscheidend sein. Übernehmen Reus, Delaney und Witsel Verantwortung? Können die jungen Sancho, Hakimi und Zagadou mit so einem Druck umgehen? Es wäre schon etwas dramatisch wenn der BVB binnen 14 Tagen alle drei Wettbewerbe verspielen würde und am Ende ohne Titel dasteht.

Interessant wird in jedem Fall auch, welche beiden Clubs sich für das internationale Geschäft qualifizieren und welches der drei Keller-Teams in die Relegation „darf“.

Alles in allem ist genau das passiert, was sich viele Fans seit Jahren erhoffen. Es ist wieder Spannung vorhanden!

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