Er arbeitet und lebt zwar in Ungarn, hat das Ruhrgebiet aber immer im Blick: Michael Boris befindet sich aktuell mit MTK Budapest auf Aufstiegskurs.

Seit 10 Spielen ohne Niederlage

Im Ausland: Boris ist auf Aufstiegskurs

11. Oktober 2019, 11:29 Uhr

Foto: Michael Ketzer

Er arbeitet und lebt zwar in Ungarn, hat das Ruhrgebiet aber immer im Blick: Michael Boris befindet sich aktuell mit MTK Budapest auf Aufstiegskurs.

Der 44-jährige gebürtige Bottroper arbeitet seit Sommer 2019 in Budapest - mal wieder, muss man sagen. Denn zwischen Juli 2016 und Februar 2019 war er Trainer der ungarischen U21-Nationalmannschaft. Dann verschlug es ihn für vier Monate nach Japan als Co-Trainer zu Tokyo Verdy. "Es war eine spannende und gute Erfahrung. Aber als das Angebot von MTK kam, musste ich nicht lange überlegen. Ich habe mich in Budapest immer sauwohl gefühlt. Die Stadt, die Menschen, das alles liegt mir. Ich liebe Ungarn", sagt der in Bottrop-Kirchhellen aufgewachsene Fußballlehrer.

1800 Zuschauer besuchen im Schnitt die MTK-Heimspiele

Und in Budapest lieben die Fans Michael Boris. 1800 Besucher kommen im Schnitt zu den MTK-Spielen ins Új Hidegkuti Nándor Stadion. Die Zuschauer dürften zumindest in dieser Saison ihr Kommen nicht bereut haben. Boris liegt mit MTK auf Aufstiegskurs in die erste ungarische Liga. Aktuell stehen aus elf Spielen 24 Punkte zu Buche - macht: Platz eins. Die ersten beiden Teams steigen in die Eliteliga Ungarns auf. "Wir haben eine junge Mannschaft und versuchen immer wieder U17- und U19-Spieler aus unserer Akademie in den Profikader zu integrieren. Die Aufgabe macht mir sehr viel Spaß. Wir müssen nicht aufsteigen. Aber wenn uns die Rückkehr in die 1. Liga gelingt, wäre es natürlich umso schöner", erzählt Boris im Gespräch mit RevierSport. 


Boris ergänzt: "Wir haben einige U18-, U19- und U21-Nationalspieler im Kader. Unser jüngster Spieler mit regelmäßigen Einsatzzeiten ist Mihaly Kata und erst 17 Jahre alt. Fast 50 Prozent der bisher absolvierten Spielminuten standen immer Spieler auf dem Platz, die unter 21 Jahre alt sind. Ich glaube, dass man da nicht mehr viel zu der Philosophie des Klubs erzählen muss."

Boris bildet viele U-Nationalspieler aus

Und der Jugendstil geht voll auf: Seit zehn Spielen ist Michael Boris' Mannschaft ungeschlagen. Die letzten fünf Begegnungen wurden allesamt gewonnen. Im Pokal ist MTK Budapest auch eine Runde weiter gekommen. "Es macht zurzeit einfach Spaß", grinst Boris. Er kann nach zwölf Pflichtspielen 2,25 Punkte pro Partie vorweisen - ein Top-Wert!

Boris drückt RWE die Daumen, trauert mit Wattenscheid und ist auf Effenberg gespannt

Obwohl sich der 44-jährige Fußballlehrer in Ungarn pudelwohl fühlt, verfolgt er den Fußball in der Heimat intensiv. Vor allem die Geschehnisse im Ruhrgebiet und bei seinen Ex-Klubs interessieren Boris sehr. "Durch RevierSport bin ich täglich im Thema. Ich lese eigentlich alles. Vor allem drücke ich als bekennender Fan des Klubs natürlich Rot-Weiss Essen die Daumen. Wenn ich durch meine rot-weisse Brille schaue, dann sehe ich am Ende der Saison natürlich den ersehnten Aufstieg. Aber ich mahne auch zur Ruhe und Geduld. Jörn Nowak, der mein Spieler in Siegen war, macht hervorragende Arbeit. Er hat das Auge für Spieler, die zu Rot-Weiss passen. Christian Titz ist ein guter Trainer und hat einen starken Kader zur Verfügung. Trotzdem: Das alles braucht seine gewisse Zeit, bis es so funktioniert wie es sich die Beteiligten wünschen. Und man sollte Rödinghausen und Verl keinesfalls unterschätzen. Sie haben auch Ambitionen."

Eine erfolgreiche Zukunft wünschen sich auch die Fans des KFC Uerdingen. Boris war der erste Trainer unter Präsident Mikhail Ponomarev. Jetzt ist Boris auf Manager Stefan Effenberg gespannt. "Er ist natürlich ein großer Name und hat ein riesiges Netzwerk. Ich bin sehr gespannt, was er beim KFC bewegen kann. Das werde ich mit großem Interesse weiter verfolgen."

Derweil steht die SG Wattenscheid 09 vor dem Abgrund. Auch Boris leidet mit. Boris: "Wattenscheid war meine zweite Station im Herrenbereich. Ich habe bei der SG in der zweiten Mannschaft gespielt. Es war immer ein familiärer und sympathischer Klub. Mir blutet einfach das Herz, wenn solche Traditionsklubs von der Bildfläche verschwinden. Ich hoffe noch auf ein Wunder."

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