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Geisterspiele nicht das größte Problem: Bundesliga in Sorge vor Saison-Stopp

16. Oktober 2020, 12:52 Uhr
Foto: firo

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Die Bundesliga durfte sich nur kurz über halbwegs volle Stadien freuen, der Trend Richtung Geisterspiele ist unverkennbar. Und die Corona-Rekordzahlen lassen noch Schlimmeres befürchten. Die Angst vor einem Saison-Stopp geht um. 

Christian Streich liebt den Fußball, doch in der wieder verschärften Coronakrise sind für den dienstältesten Bundesliga-Trainer andere Dinge wichtiger. „Wenn du Angst haben musst, dass die Schulen wieder schließen, dann macht mir das richtig Sorgen“, sagte der Coach des SC Freiburg nachdenklich: „Wenn die Kinder nichts lernen können und die ganze Zeit unter dem Druck stehen, dann sind das verloren Monate oder gar Jahre.“

Angesichts der Rekordzahlen an Corona-Erkrankten wird das Leben der Menschen verstärkt eingeschränkt, das spürt auch der Profifußball. Am kommenden Wochenende sind aufgrund besorgniserregender Inzidenz-Zahlen in den Heimspielorten Augsburg, Bielefeld, Köln, Mainz, Freiburg, Mönchengladbach und Gelsenkirchen gar keine oder maximal 300 Zuschauer zugelassen. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis überall der Fan wieder ausgesperrt wird. Doch die Ängste der Klub-Bosse geht über Geisterspiele hinaus, ein Saison-Stopp wie im Frühjahr soll mit aller Macht verhindert werden.

„Wenn die Saison nicht zu Ende gespielt werden könnte“, sagte Geschäftsführer Michael Preetz von Hertha BSC, „wäre das für alle ein existenzielles Problem.“ Für alle - also auch für die neureiche Hertha, für Branchenprimus Bayern München und für die börsennotierte Borussia aus Dortmund. Die Zukunft des Fußballs stehe „wirklich auf tönernen Füßen“, hatte unlängst Bayerns Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge gesagt. Ohne Zuschauereinnahmen erwarten die Münchner Mindereinnahmen von 100 Millionen Euro. Eine durch die Gesundheitsbehörden verordnete Zwangspause käme aber ungleich teurer.

Damit es so weit nicht kommt, beteuern Verantwortliche wie Preetz, dass das Hygienekonzept der Deutschen Fußball Liga (DFL) „wunderbar funktioniert und gut greift“. Der Hertha-Manager ist daher auch „positiv gestimmt, dass wir die Saison spielen und sie auch beenden können.“

Wie weit entfernt die aktuelle Lage aber vom Optimalfall ist, zeigen die Probleme der Bundesligaklubs nach der Länderspielpause. Viele Nationalspieler konnten nicht sofort wieder ins Training integriert werden, weil sie von den enormen Strapazen erst erholen und sich nach ihrer Rückreise aus einem Risikogebiet erst testen lassen mussten.

Bei Herthas Neuzugang Matteo Guendouzi fiel der Test positiv aus, der Franzose musste sich in zehntägige Quarantäne begeben. Auch zwei namentlich nicht genannte Hoffenheim-Profis sind nach der Rückkehr von Länderspielen infiziert. Zweitligist 1. FC Nürnberg musste wegen eines Coronafalls unter der Woche gar mit dem Training aussetzen.

BVB-Sportdirektor Michael Zorc spricht von einer „schwierigen Zeit“, doch es bringe auch nichts, sich permanent über die Situation zu beklagen. „Wir sind aufgerufen, das Bestmögliche aus der Situation zu machen“, sagte Zorc.

Der Profifußball sieht sich in dieser Zeit auch als Anker für die Menschen. Trainer Julian Nagelsmann zum Beispiel hofft, dass die Saison „normal weiterlaufen“ werde, weil es „auch für die Gesellschaft eine gute Sache“ sei. Er verfolge mit Interesse die neuen Verordnungen, verriet Nagelsmann: „Aktuell entwickelt sich das in die falsche Richtung, und dann gibt es eben Maßnahmen.“

Streich trifft die zweite Welle nicht unvorbereitet. „Ich bin nicht überrascht, dass wir im Oktober da stehen, wo wir jetzt stehen“, sagte er. Einen Ausblick in die Zukunft wagte der 55-Jährige aber nicht.  sid

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17.10.2020 - 12:16 - Rudi 1904

Vielleicht kann dieser Sch...Virus diese irrsinnigen Millionenzahlen mit Ablöse und Gehälter eindämmen ( das ist nämlich der Grund, warum der Profifußball auf tönernden Beinen steht). Wenn man schon die Zuschauereinnahmen nicht mehr braucht, warum wundern sich einige Herren noch, das sich viele Menschen vom Profifußball abwenden ?!

16.10.2020 - 17:37 - E.W.

Wenn der Virus angeblich axh so harmlos ist, warum ist er dann überhaupt öffentlich aufgefallen ?
Wenn der harmlos ist, hätte China und Korea den Virus doch prima verschweigen können.
.
Wenn der Virus so total harmlos ist, warum sitzen die Doof-Länder wie wie Brasilien, USA, England, Israel wellenmässig total im Dreck. Krankenhäuser in der Welle überfüllt, Feldlazarette, 100-300 % in der Welle mehr Tote als normal. Hotels werden zu Krankenhäusern. Trump wird wegen Covid gerade abgewählt. Notstand in Wisconsin.
In EU-Tschechien ist die ärztliche Versorgung der Bevölkerung zur Zeit nicht mehr gegeben.
Darüber wird in den Medien gar nicht berichtet.

16.10.2020 - 16:35 - Distanzierter

@Webcam:

Zitat:"Egal, ob Corona-ängstliche Lauterbacherianer oder regierungskritische Skeptiker"
Du hast die braun gefärbten Schafe und Covidioten vergessen.

Zitat: "Und lasst die restlichen 99 % des Lebens, die, wie man inzwischen weiß, völlig risikofrei und ohne Infektionen weitergehen können, weitergehen."
Das und deine bisherigen Beiträge hier zeigen, zu welcher Gruppe du gehörst.

Beitrag wurde gemeldet

16.10.2020 - 15:53 - mazeppa

Es kommt so oder so ein Abbruch. Spätestens Weihnachten ist der Profi-Fußball bis auf Weiteres vorbei. Diese Profi-Mannschaften, die man für "Brot und Spiele" vorhielt , haben jetzt schon ihren Sinn verloren, wenn nur noch eine Handvoll Zuschauer in die Stadien reindürfen, wenn überhaupt. Fußball vor leeren Ränden ist direkt eine Realsatire, wenn 22 Fußballer gegen den Ball treten. Jeder Bolzplatz wäre hierfür ausreichend. Die leeren Stadien sind ein Menetekel für einen untergehenden Sport, der vor über 125 Jahren begann und nun zu Ende geht. Man sieht daran, dass nichts ewig ist. Ewig singen nur die Wälder. Dem Volk traut man es noch nicht so deutlich zu sagen, der klügere Teil von ihm weiß es ohnehin, wie überhaupt viele weitere schmerzhafte Wahrheiten, die auf das Volk zukommen.

Man ließ die Vereine noch weiter spielen ohne Zuschauer, weil Verträge zu erfüllen sind, Wettfirmen ihre Umsätze machen und letztlich die Zwangs-TV-Gebühren verteilt werden müssen. Auch Sportblätter wie RS hatten noch eine Galgenfrist zwecks Berichterstattung, wobei fast 90% der Themen sich um "Corona, Quarantäne, Spielverschiebung, Ansteckung etc." drehte, was kaum noch etwas mit Fußball an sich gemein hatte.

In Zeiten, in denen die Leute in Kurzarbeit und demnach ganz arbeitslos sind, ist der Niedergang des Profi-Fußballs eher nur eine Randnotiz. Viele Firmen sind in Wahrheit schon lange Pleite, weil die Konkursordnung bis zum Frühjahr 2021 ausgesetzt ist. Es sind mehr Firmen pleite, als man denken kann, nur ist es im Augenblick noch nicht sichtbar.
Die Kurzarbeiter glauben, sie könnten demnächst wieder anfangen wie vor Corona. Das ist ein Trugschluss. Sie werden meistens in Hartz IV landen.

Der Fußball hatte seine Zeit - und nun geht sie zu Ende. Je eher man das begreift, umso besser für alle. Im Grunde wissen es ohnehin die meisten. Wir erleben die letzten Zuckungen.

Dieser Beitrag wurde von der Redaktion überprüft und nicht als Verstoß eingestuft.

16.10.2020 - 15:35 - Kuk

Ich erwarte kein Saison-Abbruch, aber bei einem Lockdown eine Unterbrechung ...

16.10.2020 - 15:34 - Kuk

Die Urlauber (siehe Ischgl) und Karnevalisten (siehe Heinsberg) sind auch als Superspreade bekannt geworden.
... auch in geschlossenen Räumen ...

16.10.2020 - 14:58 - Webcam

Egal, ob Corona-ängstliche Lauterbacherianer oder regierungskritische Skeptiker:

Inzwischen haben doch wirklich alle Bevölkerungsteile die Nase voll von ineffizientem Aktionismus, Augenwischerei, Merkel-Nachfolgekampf und Symbolpolitik.

Alle wollen endlich effiziente Infektionsschutzmaßnahmen anstelle von Augenwischerei und sinnfreier Verbieteritis.

Alle.

Macht den Superspreadern in geschlossenen Räumen wie bei Familienfeiern, bei Coronaparties, in Heimen und bei miesen Arbeitsbedingungen endlich ein Ende.

Und lasst die restlichen 99 % des Lebens, die, wie man inzwischen weiß, völlig risikofrei und ohne Infektionen weitergehen können, weitergehen.

Ende der Durchsage.