22.10.2018

3:6-Heimpackung

Fan-Frust bei den Moskitos Essen

Foto: Michael Gohl

Beim 4:5 in Leipzig und 3:6 daheim gegen Erfurt offenbaren die Moskitos Probleme mit der Teamchemie. Dennoch ist die Fan-Kritik überzogen.

Drei Siege in Serie holten die Wohnbau Moskitos zuletzt, der etwas holprige Saisonstart schien abgehakt – und dann sowas. Auf ein ärgerliches 4:5 bei den Icefighters Leipzig am Freitag folgte eine 3:6-Heimpackung von den als Außenseiter angereisten Black Dragons Erfurt. 


Eine ähnlich schwache Leistung wie die Spieler auf dem Eis boten aber auch Teile der 1051 Zuschauer in der Eissporthalle West. Mit gellenden Pfiffen wurde das Team in die Kabine verabschiedet, zuvor hallten vereinzelt zynische Gesänge und Jubelrufe bei Erfurter Toren durch die Halle – es schien, als wäre der gesamte Verein in seiner Entwicklung weit zurückgefallen. 

Cheftrainer Frank Gentges zeigte nach der Partie zwar Verständnis und befand die Unmutsbekundungen als „gerechtfertigt.“ Die Reaktionen waren dennoch bedenklich. Klar: Für einen Klub wie den ESC ist ein Heimsieg gegen Erfurt Pflicht. Und wenn er verliert, darf er sich auf keinen Fall so präsentieren. Allerdings traten die Moskitos mit grundveränderten Reihen auf, mit Kapitän Stephan Kreuzmann  und Förderlizenzspieler Julian Lautenschlager, fehlten den Mücken wichtige Stützen in Sachen Mentalität und Kreativität. Nicht zu vergessen: Erfurt kann ebenfalls Hockey spielen, das bekamen auch die Hannover Scorpions oder die Saale Bulls, beide von ähnlichem Format wie Essen, in dieser Saison zu spüren. 

Trainer Gentges: "Vier, fünf Leute spielen nicht für dieses Team" 

Noch vor genau einem Jahr, im vergangenen Oktober, steckten die Mücken ohne Heimsieg im Tabellenkeller, die Playoff-Ränge schienen in unerreichbarer Ferne. Wütende Zuschauer damals? Fehlanzeige. Aktuell ist es gerade mal ein einziger Zähler, der die Gentges-Truppe von den K.o.-Rängen trennt – ergebnistechnisch wäre selbst der Ausdruck „Mini-Krise“ übertrieben. Fest steht: Den Moskitos fliegt die Erwartungshaltung, die Verpflichtungen von Spielern wie Aaron McLeod im Sommer weckte, momentan um die Ohren. 

Bedenklich war jedoch auch, was Trainer Gentges nach der Partie über die Situation in der Kabine offenbarte. Zwar übernahm er die Verantwortung und wollte nichts von einer „Söldner-Truppe“ wissen, als welche die Grün-Violetten in den sozialen Medien gleich mehrfach abgekanzelt wurden. Gentges berichtete aber auch von „zwei Lagern“ im Team: „Wir haben Spieler, die arbeiten brutal. Aber auch vier, fünf Leute, die spielen nicht für dieses Team“, schilderte Gentges, der etwas ratlos feststellte: „Wenn nicht alle Spieler Charakter zeigen, dann wirst du in dieser Liga nichts gewinnen.“ 

Freitag zum Spitzenreiter nach Holland

Fehlenden Kampfgeist konnte man den Moskitos, mit wenigen Ausnahmen, weder gegen Erfurt, noch gegen Leipzig vorwerfen. Problematisch ist vielmehr die teils uninspirierte, teils glücklose Offensiv-Abteilung. Wie schon zum Saisonbeginn. Dabei keimte nach den letzten Erfolgserlebnissen das Gefühl auf, dass der ESC-Zug endlich ins Rollen gerät. Auch Gentges hatte einen „deutlichen“ Fortschritt erkannt. Nun sei die Mannschaft aber wieder zurück ins alte Muster gefallen. Aufgeben will der Coach die Grün-Violetten aber keineswegs – auch nicht die aktuellen Problemfälle. „Im Training gibt ja auch jeder alles. Wir müssen jetzt viel analysieren und reden.“ 

Dafür haben die Essener bis Freitag Zeit. Dann treten sie beim Über-Team Tilburg Trappers an. Eine ausgezeichnete Gelegenheit, die Wogen am Westbahnhof wieder zu glätten.

Autor: Erik Asmussen

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