Gerade in der Corona-Krise führen Diskussionen um freiwillige oder unfreiwillige Gehaltsverzichte dazu, dass auch Profifußballer Existenzängste haben. RevierSport hat mit dem Finanz- und Fußball-Experten Artur J. Montanhas gesprochen.

Interview

Berater erklärt: Darum sind viele Profis nach der Karriere pleite

Fabrice Nühlen
24. Juli 2020, 08:06 Uhr
Artur J. Montanhas berät seit vielen Jahren Spieler.

Artur J. Montanhas berät seit vielen Jahren Spieler.

Gerade in der Corona-Krise führen Diskussionen um freiwillige oder unfreiwillige Gehaltsverzichte dazu, dass auch Profifußballer Existenzängste haben. RevierSport hat mit dem Finanz- und Fußball-Experten Artur J. Montanhas gesprochen.

Artur J. Montanhas gibt einen Einblick in die Seelenwelt der Profifußballer. Der 45-Jährige ist Vermögensverwalter und betreut seit knapp 20 Jahren die Finanzen von ehemaligen und aktuellen Profifußballern, national wie international. Wer sich von ihm betreuen lassen will, muss Spielregeln befolgen und Fußball-Millionär sein. RevierSport sprach exklusiv mit dem Portugiesen. Auch über die Gründe, warum viele Profisportler weltweit nach dem Karriereende pleite sind.


Artur J. Montanhas, was für Menschen sind Profifußballer?
Profifußballer sind vor allem gutmütige Menschen. Mangelnde Lebenserfahrung sorgt leider dafür, dass diese Gutmütigkeit von vielen ausgenutzt wird. Falsche Freunde und reines Profitdenken im Umfeld der Spieler macht es für den Menschen hinter dem Fußballer nicht leicht, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Dies hört sich so an, als ob Sie Mitleid mit den Fußball-Millionären hätten?
Ja, das habe ich auch. Der Fußballprofi von heute wird sehr jung in eine Welt gelassen, die mit der wahren Welt wenig zu tun hat. Ich würde mein Leben nicht mit dem eines Fußballprofis tauschen wollen. Sie fragen sich sicherlich warum? Ganz einfach: Die Probleme der Fußballprofis sind vielfältig. Eine unbeschwerte Jugend haben die Spieler nicht, weil sie sehr früh Profi werden. Das Leben findet hauptsächlich in Hotels statt. Profis sind viel auf Reisen, manche von ihnen ziehen ständig um. Unter diesen Voraussetzungen ist ein normales Privatleben kaum möglich. Am Ende ist der Fußballprofi eine Ware, mit der alle Geld verdienen wollen.

Was machen die Spieler mit dem ganzen Geld?
Viele Spieler geben einfach zu viel Geld aus. Mehrere Luxus- Fahrzeuge, Uhren und teure Kleidung gehören bei den Top-Verdienern zum Alltag. Meine Spielregeln sind folgende: Braucht ein Spieler fünf Fahrzeuge oder reichen nicht auch zwei? Reichen zwei Uhren oder müssen es zehn sein? Es wird zum Teil einfach sinnlos Geld verprasst. Die Ausgaben unter Kontrolle zu halten, ist extrem wichtig. Des Weiteren werden in der Finanz- und Lebensplanung sehr viele Fehler gemacht. Heiraten ohne Ehevertrag führt bei einer Scheidung zu einem großen Vermögensverlust bei den Spielern. Allerdings ist es auch nicht so wie viele denken, dass alle Bundesliga-Spieler Millionen verdienen. In der Bundesliga gibt es auch viele Spieler, die deutlich unter einer Million Bruttojahresgehalt liegen. In der zweiten Bundesliga verdienen viele Akteure nicht einmal 200.000 Euro im Jahr, brutto wohlgemerkt. Natürlich ist das immer noch viel Geld, aber der Spieler verdient das nur für einen Zeitraum von zehn bis zwölf Jahren. Danach beginnt das wahre Leben für die Spieler.


Welche Anlagestrategie empfehlen Sie einem Spieler?

Meine primäre Aufgabe ist es, das Vermögen des Spielers zu erhalten. Während der laufenden Karriere ist das Gehalt die höchste Rendite. Ein Fußballspieler sollte heute beispielsweise sein Vermögen in fremdgenutzte Immobilien oder Aktien anlegen. Der Vermögenserhalt steht an erster Stelle.


Wie viel muss ein Fußballer am Karriereende zusammen haben, um sorglos in den Ruhestand gehen zu können?
Profifußballer sollten begreifen, dass sie privilegierte Menschen sind. Wer sich in diesen Einkommensgrößen bewegt, sollte zehn Millionen Euro Vermögen nach dem Karriereende vorweisen und selbstverständlich keine Bankkredite haben. Das ist aber natürlich nur bei erfolgreichen, langjährigen Bundesligaspielern möglich.

Wie intensiv ist der Austausch zwischen Ihnen und ihren betreuten Spielern?
Das ist ganz unterschiedlich. Wöchentlich, monatlich aber mindestens einmal im Quartal setzen wir uns zusammen. Mir ist es wichtig, dass die Spieler verstehen, was mit ihrem Vermögen passiert.

Spielerberater verdienen doch dank der Spieler ebenfalls viel Geld. Benötigt ein Spieler wirklich einen Berater? Es gibt auch einige Profis, wie Julian Brandt oder Ahmed Kutucu, die von Familienangehörigen beraten werden.
Spielerberater sind eine wichtige Bezugsperson für die Spieler. Fußballprofis benötigen heutzutage seriöse Berater, die Wert darauf legen, dass die Spieler beim Thema Finanzen in guten Händen sind. Spielerberater, die an den Geldanlagen der Spieler mitverdienen wollen, sind nicht seriös. Die Vorgehensweise der Berater von Cristiano Ronaldo und Lionel Messi kann ich nicht nachvollziehen. Beide wurden in Spanien wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Profifußballer müssen wie jeder andere Bürger Steuern bezahlen. Ärger mit den Finanzbehörden sollte vermieden werden.

Machen sich Fußballer Sorgen wegen der Corona-Krise?
Aber klar. Niemand weiß, wie Corona unser Leben nachhaltig verändern wird. Es ist nicht vorherzusagen, ob das Gehaltsgefüge im Profifußball so bleibt. Erste Veränderungen sieht man bereits bei einigen Klubs, die nun Gehaltsobergrenzen einführen wollen. Auch die Ablösesummen verändern sich, was man am Beispiel Leroy Sané erkennen kann. Vor einem Jahr waren 120 Millionen Euro Ablöse im Gespräch und jetzt wechselt Sané für 50 Millionen Euro zu den Bayern. Corona hat und wird vieles verändern, auch im Fußballbusiness.

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Kommentieren

24.07.2020 - 17:26 - frankiboy5l

Da will ich dem echten lap zustimmen.
Vor allem dem Schlußsatz. Genau dachte ich, als ich mit dem Lesen fertig war.

24.07.2020 - 14:20 - RWO-Oldie

Da muss ich lapofgods zustimmen.
Nichtsdestotrotz hält sich mein Mitleid in Grenzen.

24.07.2020 - 13:32 - Blaubarschbube

"In jedem Kader gibt es fünf richtig blöde Spieler. Von denen würde einer auf jeden Fall unter der Brücke landen, wenn er nicht Fuß­ball spielen würde." (Hans Meyer)

Kein Wunder, dass viele nach der aktiven Karriere, oder schon vorher, Pleite sind.

24.07.2020 - 10:37 - lapofgods

Oh, mal ein echt interessantes Interview aus dem Randbereich des Fußballs ganz ohne "Gras fressen", "Eier zeigen", "Watzke/Rummenigge schießt gegen Rummenigge/Watzke" und "Ich trage RWE in meinem Herzen". Das ich das bei Rwesport noch mal erleben darf. Hätte gerne ausführlicher sein können.