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Essener SG-Trainer: RWE wird von der Krise profitieren, Schalke nicht

26. Dezember 2020, 10:00 Uhr
Foto: RevierSport

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Die Essener SG 99/06 führt die Kreisliga A1-Gruppe an. RevierSport hat sich mit ESG-Coach Nico Scholz über die anhaltende Corona-Pause, aber auch die Auswirkungen der Krise auf den Fußball unterhalten. Der Trainer liefert interessante Antworten.

Die ESG 99/06 steht nach neun Spielen und 25 Punkten auf dem ersten Tabellenplatz. Nur einmal - beim 2:2-Remis gegen den VfB Frohnhausen II - musste der Klub von der Hubertusburg Punkte abgeben. Kein Wunder, dass Trainer Nico Scholz auch das A-Wort "Aufstieg" in den Mund nimmt.


Nico Scholz, die Saison wurde nun erneut unterbrochen. Was war bisher Ihr Moment der Hinrunde?
Ich glaube, auch wenn es unser einziger Punktverlust war, ist das Abendspiel gegen den VfB Frohnhausen II in besonderer Erinnerung geblieben. Wir haben die letzten 35 Minuten in Unterzahl gespielt und waren im Rückstand. Am Ende stand es 2:2-Unentschieden. Da hat man einfach den starken Charakter und die gute Mentalität der Mannschaft gesehen. Das hat mir imponiert.

Was wünschen Sie sich für das Fußballjahr 2021?
Ich wünsche mir, dass die Voraussetzungen wieder da sind, dass wir alle auf den Fußballplatz rauskommen. Freunde sehen, Bierchen trinken, bisschen coachen und gemeinsam Spaß haben. Ich finde, dass es aktuell ganz besonders für die Kinder sehr hart ist. Man fragt sich schon, warum die Kids in der Schule gemeinsam die Zeit verbringen können und am Nachmittag kein Sport treiben dürfen? Und das noch im Freien. Aber letztendlich müssen wir die Entscheidungen der Politik akzeptieren und respektieren. Sportlich gesehen wünsche ich mir für unsere tolle Mannschaft, die charakterlich einwandfrei ist, dass wir weiter oben bleiben. Natürlich wollen wir aufsteigen, aber wir müssen schon auf dem Boden bleiben. Wir haben noch, hoffentlich, eine lange Saison vor uns und sehr schwere Spiele. 

Auch die Amateurfußballer- und -trainer sind verrückt nach diesem Sport. Wie erleben Sie diese unfreiwillig lange Fußballpause?
Ich habe im März ein neues Hüftgelenk erhalten (lacht). Deshalb hätte ich sowieso pausieren müssen. Ich bin in der relativ guten Position, arbeiten zu können. Es ist einfach schade, die Leute nicht zu sehen, die einem immer ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Jeder Verein, jede Mannschaft hat diese zwei, drei verrückten Hunde im Team, die immer super drauf sind und diese Laune auf einen selbst transportieren können. Man sieht diese Leute und egal, wie schlecht der Tag war: man lacht einfach mit. Das fehlt einem schon.

Glauben Sie, dass nach der Pause die Begeisterung für den Fußball noch überall vorhanden ist? Oder schadet die Krise dem Fußball allgemein?
Ich glaube, dass so ein Verein wie zum Beispiel Rot-Weiss Essen davon profitieren wird. RWE spielt sportlich eine super Saison und man merkt in der Stadt, dass RWE wieder "in" und Gesprächsthema ist. Der Verein ist auch noch nicht so mega professionalisiert wie die da ganz oben. Es ist noch etwas zum Anfassen, etwas sehr Emotionales. Und da denke ich schon, dass die Fans an die Hafenstraße strömen werden. Mein Lieblingsklub, der FC Schalke, scheint mittlerweile die Lachnummer in Deutschland zu sein. Früher hat man über den Hamburger SV gespottet, jetzt ist es Schalke. Es ist beliebig geworden. Der Profifußball setzt keine Emotionen mehr frei. Natürlich hat das aber auch etwas mit dem Misserfolg auf Schalke zu tun. Allgemein denke ich, dass die Menschen so langsam diese Klubs wie Schalke, Dortmund und andere ein wenig satt haben. Die Amateure dagegen könnten von der Krise profitieren. Denn jeder sehnt sich nach dieser Gemeinschaft auf der Sportanlage und den Unterhaltungen, dem Miteinander. 

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26.12.2020 - 18:56 - Klaus Thaler

„ Allgemein denke ich, dass die Menschen so langsam diese Klubs wie Schalke, Dortmund und andere ein wenig satt haben.“

Da sprechen Sie mir und vermutlich Millionen Fußballfans aus dem Herzen. Chapeau

26.12.2020 - 14:51 - derdereuchversteht07

Manchmal braucht es keinen Experten, sondern eine Person die scheinbar mit offenen Augen mitten im Leben steht.
Diese Sichtweise ist bei den oberen Zehntausend noch nicht angekommen.
Und ob das jemals der Fall sein wird kann man in Frage stellen.

26.12.2020 - 12:20 - Tiger_HP

Wahre Worte!

26.12.2020 - 11:27 - fussballnurmi123

Interessante Sichtweise, besonders im letzten Absatz. Ich glaube, da ist etwas dran!