In nur einer Woche wird dem FC Ingolstadt gleich zweimal in der Nachspielzeit der Zweitliga-Aufstieg entrissen. Nach dem Drama in der Relegation fragen sich die Schanzer: Was haben wir verbrochen?

Relegation

"Es kotzt mich an": Wütende Ingolstädter fühlen sich betrogen

12. Juli 2020, 13:56 Uhr
Frust beim FC Ingolstadt, Erleichterung bei Nürnberg. Foto: firo

Frust beim FC Ingolstadt, Erleichterung bei Nürnberg. Foto: firo

In nur einer Woche wird dem FC Ingolstadt gleich zweimal in der Nachspielzeit der Zweitliga-Aufstieg entrissen. Nach dem Drama in der Relegation fragen sich die Schanzer: Was haben wir verbrochen?

Der Fußball-Gott kann kein Schanzer sein. Das bittere Relegations-Drama gegen den 1. FC Nürnberg raubte beim FC Ingolstadt allen den Glauben an Gerechtigkeit im Profi-Business. „Ich weiß nicht, was wir verbrochen haben“, haderte Torwart Marco Knaller nach dem grandiosen Comeback beim 3:1 (0:0) im Rückspiel gegen den „Club“. Bis zur praktisch letzten Aktion war der FCI nach einem Jahr zurück in der 2. Liga - dann zerstörte ein Kullertor von Nürnbergs Fabian Schleusener in der 96. Minute doch noch alles.

Nach dem Abpfiff entluden sich die Emotionen auf dem Rasen des Audi-Sportparks in wüsten Beschimpfungen und beinahe sogar in Handgreiflichkeiten. Allen voran Ingolstadts Kapitäns-Hüne Stefan Kutschke, ein Mann mit Nürnberger Vergangenheit, rastete aus. In der Geisterspiel-Atmosphäre des Corona-Spielbetriebs ist vieles zu hören, was sonst im Fan-Lärm auf den Tribünen untergeht. „Es gibt schlechte Verlierer und noch viel schlechtere Gewinner“, schnaubte Ingolstadts Marcel Gaus. Seine Zielscheibe waren die Nürnberger Profikollegen. „Zweimal wird uns der Kuchen, kurz bevor du ihn ausgepackt hast, weggenommen. Es tut einfach weh, es kotzt mich an“, sagte Gaus.

Oral: "Das hatten wir nicht verdient"

Zweimal? Ja! Erst eine Woche zuvor schien der FCI am letzten Drittliga-Spieltag schon aufgestiegen zu sein, bis die Würzburger Kickers einen fragwürdigen Elfmeter in der Nachspielzeit erhielten, diesen verwandelten und direkt hoch durften in die 2. Bundesliga. Diesmal ließ Schiedsrichter Christian Dingert länger nachspielen als angezeigt, ein vermeintliches Foul vor Schleuseners entscheidendem Treffer überprüfte er nicht selbst am Video-Bildschirm. Für Ingolstadts Vorstandschef Peter Jackwerth war das „Arroganz“.

„Brutal“ nannte Trainer Tomas Oral den doppelten Tiefschlag. „Das hatten wir nicht verdient“, sagte er nach dem unbelohnten Kraftakt beim 13. Spiel in sechs Wochen. Der 47-Jährige spürte nur noch „Leere“ in sich. 2019 stieg er mit Ingolstadt in der Relegation dramatisch ab. Jetzt verpasste er nach seiner Rückkehr zu den Oberbayern in März binnen einer Woche zweimal den Aufstieg.

Orals Vertrag läuft bis 2021. Dann soll es ein Happy-End mit den Schanzern geben. Vereinsboss Jackwerth (63) erklärte trotzig: „Wir treten nicht an, um im Mittelfeld zu landen. Das wird nächstes Jahr wieder so sein.“ Vielleicht erhört ihn der Fußball-Gott. dpa

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Rubriken

Kommentieren

12.07.2020 - 20:54 - krayerbengel

Eine Mannschaft die mit einem lausigen Punkteschnitt von 1,65 denn vierten Platz belegt hat und in beiden Religationsspielen die schlechtere Mannschaft war, hat denn Aufstieg auch nicht verdient!

12.07.2020 - 20:24 - UNVEU

3 Tore Ingolstadt und der Jubel - die Unterbrechung bei der Verletzung von Nürnbergs Torwart - kann man 5 Minuten Nachspielzeit geben --- in der Nachspielzeit wurde sich von Ingolstädter Seite schön Zeit gelassen bei den wechseln, das wird in sehr vielen Spielen in letzter Zeit dann noch zeitlich drauf gepackt - das müssten auch die Ingolstädter wissen

12.07.2020 - 19:37 - JeffdS

Fußballspiele werden von Menschen (also Schiedsrichtern) entschieden .. da sind keine höheren Mächte im Spiel .. ;-)

12.07.2020 - 18:29 - heidi kabeljau

Man sollte die blöde Auswärtstor-Regel abschaffen und durch ein Elfmeterschiessen ersetzen. Da ist zwar auch Glück nötig, aber besser als so.

12.07.2020 - 18:12 - Bacardicola

Finde auch dass 5min Nachspielzeit sehr wohlwollend waren....dann nochmals zeit draufzupacken, hatte was von spielen lassen bis das Tor fällt.

12.07.2020 - 18:01 - Freigeist

Stimmt doch. Die 5 Minuten Nachspielzeit waren doch schon zu viel, gab keine längeren Unterbrechungen. Und diese 5 Minuten waren längst um, der erneute Angriff hätte nicht mehr laufen gelassen werden dürfen. Aber so ist das, der unterklassige Gegner wird gefühlt grundsätzlich benachteiligt.

12.07.2020 - 17:00 - Kleeblättersammler

Warum dieser Verein mit den " vier Ringen " jammert, ist mir schleierhaft . Ein Spiel ist erst zu Ende, wenn abgepfiffen wird !
Allzu beliebt sind die im Süden der Republik ohnehin nicht !!

12.07.2020 - 15:48 - Außenverteidiger

Wut im Sport ist eine super Motivation. Der Charakter stimmt. Jetzt gilt's die wütenden Spieler in der neuen Saison zu entfesseln. Ein tolles Spiel, sympathisch viel Druck und keine Gnade. Das perfekte Spiel bietet den finalen KO: Letzte Aktion und ein totaler Knock Out auf der einen Seite, während der Gegner in völliger Exstase in Jubel ausbricht. Danach wird sich nicht überflüssig die Hand gegeben oder sonst ein ehrenloser Mist. Entweder feiern oder trauern. Heiko Herrlich ist das schön.

12.07.2020 - 15:41 - lapofgods

Dieser Kommentar wurde entfernt.

12.07.2020 - 15:39 - rolbot

Von insgesamt vier Halbzeiten hatte Ingolstadt drei Schlechte. Da muß man nicht jammern und hat letztlich den Aufstieg auch nicht verdient.

12.07.2020 - 14:34 - cash23

ich kann die wut verstehen man muss mal überlegen da leistet man über 34 spielttage eine super leistung wird 3 und dann spielt man gegen einen verein der sportlich schlechter gespielt hat der abgestiegen ist und solche vereine egal welcher das ist haben die möglichkeit dann doch die klasse zu halten.. sorry aber das ist für mich persönlich der größte scheiß den sie die DFL hat ausgedacht

Beitrag wurde gemeldet

12.07.2020 - 14:31 - iapofgod

Letztlich ist das ganze Leben ein Betrug. Das Gejammere von Ingolstadt ist lächerlich. Der Trainer Oral hat schon bei früheren Vereinen z. B. FSV Frankfurt in aller Öffentlichkeit wie ein Schlosshund geheult. Das tut er dauernd.

Dieser Beitrag wurde von der Redaktion überprüft und nicht als Verstoß eingestuft.