Elgert redet nach S04-Derbyniederlage Klartext

26.08.2018

Schalke

Elgert redet nach S04-Derbyniederlage Klartext

Foto: Thorsten Tillmann

Schalkes U19-Trainer Norbert Elgert stand nach dem Ende des Derbys noch lange auf dem Parkplatz vor der VELTINS-Arena und diskutierte. Das 1:4 gegen den BVB schmerzt.

Denn es war keine normale Niederlage. Die Klatsche tat doppelt weh. Denn alle Zuschauer – unter ihnen auch Schalkes Sportdirektor Axel Schuster - hatten gesehen, was Norbert Elgert nach Abpfiff schonungslos aussprach. Zwischen dem BVB und den Königsblauen lagen leistungsmäßig Welten.

„Ich rede ja schon seit zwei Jahren darüber. Jeder weiß, vor zwei Jahren war ich fast nicht mehr hier. Das ist der Grund. Ich habe es kommen sehen, dass wir eventuell mit der Knappenschmiede in der Spitze irgendwann nicht mehr mithalten werden. Das ist jetzt eingetreten“, kam die Entwicklung für den extrem ehrgeizigen Erfolgstrainer nicht überraschend.

Elgert sprach seiner stark ersatzgeschwächten Mannschaft den Willen und Einsatz nicht ab, aber der Erzrivale sei derzeit personell einfach besser bestückt. „Das tut mir persönlich weh – auch für die Jungs, dass es uns nicht gelungen ist, das zu verhindern“, sagte Elgert. „Denn das ist ja nicht zufällig so. Sagen wir mal so: Dortmund und der 1. FC Köln spielen momentan in einer anderen Liga als wir.“ Elgert ergänzte: „Wir hatten gegen Rödinghausen Schwierigkeiten, waren gegen den 1. FC Köln schwach. Was du brauchst, sind schnelle Beine und ein schneller Kopf. Da war Dortmund uns einfach individuell überlegen.“

Elgert mahnte Veränderungen an

Elgert mahnte Veränderungen an, ohne in die Tiefe gehen zu wollen: „Das habe ich vor zwei Jahren schon gesagt, dass wir höllisch aufpassen müssen, um den Anschluss nicht zu verlieren, um auch in Zukunft spitze zu sein. Es war der Zeitpunkt, an dem ich gesagt habe, es ist für mich ein guter Zeitpunkt zu gehen.“

Daran – und das ist eine gute Nachricht für alle Schalker – denkt er aber derzeit nicht. „Daran habe ich – nicht, dass man mich falsch versteht - im Moment null Gedanken. Es ist jetzt eine Riesenherausforderung, wieder an die Spitze zu kommen. Aber ich habe das Gefühl, es kann ein bisschen dauern.“

Der Markt – auch für die Talente - ist längst international geworden, hier scheint Schalke Nachholbedarf zu haben. Elgert: „Wir müssen definitiv nicht nur in Sportplätze investieren. Sportplätze verhindern keine Tore und erzielen auch keine. Das ist schön, dass wir das endlich machen. Aber wir brauchen perspektivisch auch deutlich mehr Qualität. Von unten nach oben aber natürlich auch von auswärts dazu geholt.“

Elgert redet Klartext

Die Tabelle sei daher in der derzeitigen Situation uninteressant. „Wir schauen erst mal nicht auf die Tabelle, wir wollen in allen vier Wettbewerben wettbewerbsfähig werden und uns verbessern. In den letzten sieben Jahren waren wir fünfmal auf Platz eins und zweimal auf Platz zwei. So etwas wie aktuell passiert, aber es war vorhersehbar. Und das ärgert mich, dass wir es gemeinsam nicht geschafft haben, das zu verhindern.“

Dazu sei nun viel Arbeit und Geduld erforderlich: „Ich rede Klartext und rede nicht um den heißen Brei herum. Wir sind im Moment mit Schalke nicht konkurrenzfähig. Aber wir werden da wieder hinkommen. Da bin ich sicher. Es kann aber ein, zwei Jahre dauern. Das ist jetzt unsere gemeinsame Aufgabe – und da gehe ich auch vorweg.“

Autor: Stefan Bunse

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29.08.2018 - 10:02 - Lokutus

Herr Elgert macht es sich hier meiner Meinung nach etwas zu einfach ! WENN er schon anprangert, dass seit zwei Jahren Probleme bestehen, dann hatte man auch genug Zeit, um reagieren können. Man war wohl von den damals aktuellen Erfolgen geblendet. Und zu sagen, andere investieren mehr ist ebenfalls nicht unbedingt richtig, wenn man weiss, was U19 Spieler auf Schalke verdienen können. Das ist nicht viel weniger als in Lüdenscheid oder im Rheinland. Gerade Köln steht für einen etwas ruhigeren, gesetzteren Stil, was neue Verpflichtungen angeht. Wenn man von unten nach oben mehr selbst entwickeln würde wäre der Bedarf an externen Spielern gar nicht so groß.

27.08.2018 - 14:16 - Gladbeck04

Die Aussage, dass Dortmund und Köln "in einer anderen Liga" spielen, lässt aufhorchen. Während diese Einschätzung in Bezug auf Dortmund mit Blick auf deren Investitionsvolumen und Aggressivität auf dem Nachwuchsspielermarkt durchaus erklärbar ist, verwundert sie in Bezug auf den aktuellen Zweitligisten aus Köln schon sehr. Die Kölner sind meines Wissens im finanziellen Bereich kein "Big-Player", der andauernd nationale und internationale Top-Talente einkauft. Vielmehr scheint dort über viele Jahre, sowohl im Scouting als auch in der Ausbildung einiges richtig gemacht worden zu sein, wofür auch die Stärke ihrer B-Jugend spricht.

26.08.2018 - 16:33 - Lackschuh

Nicht so einfach über 7 Jahre oben dabei zu sein und das hat man ja sogar geschafft - jetzige Durststrecke würde ich nicht nur an Fehlern festmachen! Die Verantwortlichen haben es aber für mein Gefühl im Griff und demzufolge ist das mit der genannten Geduld OK. Die anderen Clubs arbeiten zudem auch gut. International dürfte passend sein und da hat man womöglich den Schalter nicht pünktlich umgelegt - Fehler???

26.08.2018 - 15:40 - paulchen

Etwas mehr inhaltliche Kritik wäre schon hilfreich. Woran hapert es denn? Mieses Scouting? Das scheint doch das wahrscheinlichste Problem zu sein.

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