Predrag Stevanovic hatte sich bei Schalke 04 und Werder Bremen den Traum vom Profi-Fußballer erfüllt. Leider haben den 29-Jährigen viele Verletzungen zurückgeworfen. Mit RevierSport sprach Stevanovic über seine Karriere.

Interview

Die unglaubliche Leidensgeschichte des Predrag Stevanovic

Fabrice Nühlen
13. Juni 2020, 11:34 Uhr
Die Karriere des Predrag Stevanovic war von Verletzungen geprägt. Nun will er seinen Trainerschein machen. Foto: Gero Helm

Die Karriere des Predrag Stevanovic war von Verletzungen geprägt. Nun will er seinen Trainerschein machen. Foto: Gero Helm

Predrag Stevanovic hatte sich bei Schalke 04 und Werder Bremen den Traum vom Profi-Fußballer erfüllt. Leider haben den 29-Jährigen viele Verletzungen zurückgeworfen. Mit RevierSport sprach Stevanovic über seine Karriere.

Predrag Stevanovic galt als großes Talent und bestritt für Werder Bremen insgesamt drei Bundesliga-Spiele. Viele Verletzungen haben eine größere Karriere des ehemaligen Junioren-Nationalspieler Serbiens verhindert. Zwischen 2009 und 2014 fiel der heute 29-Jährige über 1000 Tage verletzt aus (Kreuzbandriss, Innenbandriss, Außenbandriss) und verpasste in seiner Zeit bei Schalke 04 und Werder Bremen insgesamt 120 Pflichtspiele. Mittlerweile arbeitet der gebürtige Essener an seinem Trainerschein. RevierSport hat mit Predrag Stevanovic ein Interview über seine bewegte Karriere geführt.

Predrag Stevanovic, in der Jugend haben Sie von 1997 bis 2002 bei Rot-Weiss Essen gespielt. Was haben Sie für Erinnerungen an diese Zeit?
Das ist natürlich schon ziemlich lange her. Mir war damals nicht bewusst, was Rot-Weiss Essen für ein großer Verein ist. Wir hatten damals einen guten Jahrgang und waren erfolgreich. Es hat Spaß gemacht.

Mit elf Jahren folgte dann der Wechsel zum FC Schalke 04. Sie haben sämtliche Jugendmannschaften durchlaufen und sind in der Regionalliga West für die Reserve der Knappen zum Einsatz gekommen. Dazu gehörten Sie auch zum erweiterten Profikader. Wie sehr hat Sie diese Zeit geprägt?
Auf Schalke ging es richtig los. Da blieb nicht viel Zeit für andere Aktivitäten. Es war dennoch eine tolle Zeit und ich konnte viel lernen. Ich habe viel geopfert und bin bei S04 Profi geworden. Joel Matip war der einzige aus meinem Jahrgang, der richtig durchgestartet ist. Unter Chef-Trainer Felix Magath habe ich damals nicht die Chance bekommen und mich deshalb zu einem Wechsel nach Bremen entschieden.

Bei Werder Bremen haben Sie im Januar 2011 einen Vertrag bis 2014 unterschrieben. Ihr Bundesliga-Debüt feierten Sie am 29.04.2011, als Sie im Spiel gegen den VfL Wolfsburg für Torsten Frings eingewechselt wurden. Was war das für ein Gefühl?
Interessant war, dass Wolfsburg damals ausgerechnet Felix Magath als Trainer hatte. Ich war zwar nervös, habe mich aber gut gefühlt. Auf den Moment hatte ich mein ganzes Leben lang hingearbeitet. Als ich dann eingewechselt wurde, hat sich dieser Traum erfüllt.

Leider war Ihre Zeit in Bremen von Verletzungen geprägt. Sie haben bei Werder 762 Tage verletzt gefehlt, weshalb Sie nur drei Bundesliga-Partien bestreiten konnten. Daraufhin wurde Ihr Vertrag nicht verlängert und Sie waren vereinslos. Haben die Verletzungen eine große Bundesliga-Karriere verhindert?
Wer weiß, wie es ohne die Verletzungen gelaufen wäre. Natürlich hätte die Karriere einen ganz anderen Weg nehmen können. Insgesamt war es psychisch nicht einfach. Als Profi muss man robust sein aufgrund der hohen täglichen Belastung. Ich bin aber an meinen Verletzungen nicht zerbrochen.

Welcher Trainer hat Sie in der Zeit auf Schalke und bei Werder Bremen am meisten gefördert und gab es einen Mitspieler, der Sie besonders beeindruckt hat?
Zu der ersten Frage: Ganz klar Norbert Elgert. Wir haben zwei Jahre in der U19 von Schalke zusammengearbeitet. Er ist ein toller Trainer. Bei den Profis hatte ich Felix Magath. Er war ein harter Kerl und hat nicht viel geredet. Thomas Schaaf hatte ich in meiner Zeit bei Werder Bremen. Er war ein guter Trainer, aber eher zurückhaltend. In meiner Karriere habe ich mit vielen tollen Spielern zusammengespielt: Kevin De Bruyne, Claudio Pizarro, Naldo, Ivan Rakitic, Marcelo Bordon und Mladen Krstajic sind nur einige Beispiele. Da ist es schwer, einen hervorzuheben.

Nachdem Sie über ein Jahr vereinslos waren, wechselten Sie zu der Reserve-Mannschaft der Stuttgarter Kickers. Danach bestritten Sie mehrere Regionalliga-Spiele bei Wattenscheid, bis der Wechsel nach Vogelheim zu Trainer Sascha Hense in die Bezirksliga folgte. Wie haben Sie die letzten Jahre in Ihrer Karriere wahrgenommen?
Die lange Verletzungshistorie hat die Vereinssuche immens erschwert. Bei den Stuttgarter Kickers wurde ich von Trainer Horst Steffen verpflichtet. Er wollte mich aufbauen und unterstützen. Nach seiner Entlassung wurde ich wenig beachtet. In Wattenscheid wurde ich immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen, weshalb ich mich zu einem Wechsel in die Bezirksliga entschieden habe. Leider wurde ich im ersten Spiel in Steele derart gefoult und an der Schulter verletzt, dass ich wieder lange ausgefallen bin. Aktuell trainiere ich nur noch sporadisch bei der dritten Mannschaft von Vogelheim. Ich habe eine kleine Tochter und kümmere mich neben meinem Job intensiv um meine Familie. Dazu habe ich im Februar mit der Erwerbung der B-Lizenz begonnen. Der Lehrgang wurde aber durch Corona unterbrochen. Als Trainer kann ich hoffentlich mein Wissen weitergeben. 

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