2020

Die Toten des Sports 2020: Helden für die Ewigkeit

31. Dezember 2020, 11:00 Uhr
Foto: firo

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Diego Maradona und Kobe Bryant, Willi Holdorf oder Wunderhengst Totilas - zum Jahresende gedenkt die Sportwelt noch einmal ihrer 2020 verstorbenen Helden.

„Mamba Out“ und die „Hand Gottes“ im Himmel: Die Sportwelt weint im Jahr 2020 um zwei ihrer Größten. Basketball-Superstar Kobe Bryant und Fußball-Ikone Diego Maradona reißen riesige Lücken, auch wenn sie als Legenden auf ewig unsterblich bleiben werden. Der internationale Sport trauerte im Coronajahr um einige große Helden, und auch die nationale Sportszene musste schmerzhafte Verluste verkraften.

Wohl jeder deutsche Sportfan kennt die letzten Meter zur Krönung von Willi Holdorf. Nach 1500 Metern taumelt der Zehnkämpfer ins Ziel, dort bricht er völlig erschöpft zusammen, erst langsam begreift er, dass er sich nun König der Athleten nennen darf. Die Bilder der Olympischen Spiele 1964 in Tokio und Holdorfs Kampf auf der Zielgeraden sind unvergessen - und werden es auch über seinen Tod hinaus bleiben.

Am 5. Juli starb der erste deutsche Zehnkampf-Olympiasieger im Alter von 80 Jahren nach schwerer Krankheit. Holdorfs legitimer Nachfolger Niklas Kaul trauerte um „ein Vorbild, eine starke Persönlichkeit“, IOC-Präsident Thomas Bach um eine „Ikone der Leichtathletik“.

Auch der Reitsport beklagte „einen neuen Stern am Himmel“ (Edward Gal). Wunderhengst Totilas starb Mitte Dezember an den Folgen einer Kolik. Wie kein anderes Pferd vor und nach ihm zeichnete der nachtschwarze Bilderbuch-Hengst Piaffen, Passagen und Pirouetten in Vollendung ins Viereck.

Das Ableben von Maradona drei Wochen zuvor hatte eine weltweite Welle der Anteilnahme ausgelöst, vor allem in Argentinien und seiner zweiten Heimat Neapel stand das Leben für einen Augenblick still. Trotz Coronakrise zogen die Menschen in Scharen auf die Straßen, um ihrem Idol die letzte Ehre zu erweisen. Der Weltmeister von 1986 starb keine vier Wochen nach seinem 60. Geburtstag an einem Herzinfarkt.

„Ich habe einen einmaligen Gefährten verloren, die Welt eine Legende“, sagte die brasilianische Fußball-Ikone Pele: „Eines Tages spielen wir hoffentlich gemeinsam Fußball im Himmel.“

Bereits im Januar hatte sich die Welt von Kobe Bryant verabschiedet - die Ikone der LA Lakers wurde gerade einmal 41 Jahre alt. Ein Helikopterabsturz in der Nähe von Los Angeles - eine unfassbare Tragödie - rissen den fünfmaligen NBA-Champion, seine Tochter Gianna und sieben weitere Personen aus dem Leben. „Mamba Out“, sagte Superstar LeBron James in Anlehnung an Bryants Spitznamen „Black Mamba“ und schwor „nicht nur in diesem Jahr, sondern solange wir Basketball spielen, sein Erbe fortzuführen“.

Niemals vergessen werden alle Motorsportfans Sir Stirling Moss. Der für viele beste Fahrer der Formel 1, der nie Weltmeister wurde, verstarb am Ostersonntag nach langer schwerer Krankheit mit 90 Jahren. Neben dem „Champion ohne Krone“ forderte der Motorsport erneut zahlreiche Unfallopfer, allein die Rallye Dakar kostete zwei Motorradfahrer das Leben.

Im Wintersport starben Eishockey-Nationalspielerin Sophie Kratzer, Bob-Anschieber Richard Adjei, der australische Snowboard-Weltmeister Alex Pullin, die niederländische Shorttrack-Weltmeisterin Lara van Ruijven und Eiskunstläuferin Jekaterina Alexandrowskaja - alle viel zu jung, keiner von ihnen wurde 40 Jahre alt.

Das Coronavirus forderte auch im Sport unter den Älteren Menschenleben. Real Madrids langjähriger Präsident Lorenzo Sanz, Rekord-Footballer Tom Dempsey, Baseball-Hall-of-Famer Tom Seaver oder der langjährige Erfolgstrainer der DDR-Kunstturnriege, Dieter Hofmann, starben an den Folgen von COVID-19.

Der Todesfall eines ehemaligen Rappers hatte ebenfalls große Auswirkungen auf das Sportjahr 2020. Der durch Polizeigewalt in den USA herbeigeführte Tod des Afroamerikaners George Floyd löste eine nie dagewesene Protestwelle gegen Rassismus und Diskriminierung (Black Lives Matter) aus. Boykotts, Anti-Rassismus-Botschaften und -Gesten prägten in den folgenden Wochen das Bild des Sports.

Auch eine internationale Solidaritätskampagne konnte den Tod des iranischen Ringers Navid Afkari nicht verhindern. Der 27-Jährige wurde wegen angeblichen Mordes an einem Sicherheitsmitarbeiter des iranischen Regimes trotz weltweiter Proteste in seinem Heimatland hingerichtet. sid

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