1107 Spiele des Fußball-Zweitligisten VfL Bochum hatte Radioreporter Günther Pohl in Folge gesehen. Das 0:0 in Karlsruhe aber musste er aus dem Studio des Senders Radio Bochum übertragen.

Nach 1107 Spielen

VfL Bochum - die irre Serie von Günther Pohl ist gerissen

Dominik Hamers
24. Mai 2020, 16:46 Uhr
Studio statt Stadion: Für Radioreporter Günther Pohl eine neue Erfahrung. Foto: privat

Studio statt Stadion: Für Radioreporter Günther Pohl eine neue Erfahrung. Foto: privat

1107 Spiele des Fußball-Zweitligisten VfL Bochum hatte Radioreporter Günther Pohl in Folge gesehen. Das 0:0 in Karlsruhe aber musste er aus dem Studio des Senders Radio Bochum übertragen.

Nach dem Spiel rettete sich Günther Pohl mit Galgenhumor. Was sonst wäre dem 66 Jahre alten Radio-Reporter übrig geblieben, nachdem seine beachtliche Serie gerissen war. 1107 Spiele des Fußball-Zweitligisten VfL Bochum hatte er zuvor in Folge gesehen, nichts hatte ihn in den vergangenen 30 Jahren von Stadionbesuchen abhalten können. „Ich bin mit Gehstützen und Gips-Arm im Einsatz gewesen“, erinnert sich Pohl, als er nach dem 0:0 des VfL in Karlsruhe mit dieser Redaktion spricht. Das Keller-Duell bei den Badenern verfolgte der Bochumer allerdings nicht von der Presse-Tribüne. Pohl saß während der Partie in einem Studio. Dort hatte man alles für die Übertragung aufgebaut.

„In der Pause war wenigstens kein Stau vor dem WC“, scherzte er anschließend. Und so schnell wie am Sonntag sei er noch nie bei einem Auswärtsspiel gewesen: „In 15 Minuten war ich da. Selbst zu den Spielen auf Schalke bin ich damals länger gefahren.“ 


Und noch etwas Gutes hatte sein improvisierter Arbeitsplatz: „Das Frühstück im Café gegenüber war besser als die Verpflegung im Karlsruher Wildpark.“ Was Pohl im Grund seines Herzens sagen wollte, formulierte er danach klar und deutlich: „So etwas brauche ich nicht.“

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In Karlsruhe hatte man dem Reporter des Senders Radio Bochum die Akkreditierung für das Spiel verweigert. Begründet habe man diese Entscheidung mit der Auflage, dass lediglich zwei Journalisten der Auswärtsmannschaft auf die Pressetribüne dürfen. Das sieht das Hygienekonzept der Deutschen Fußball Liga (DFL) vor. Für Pohl wäre eigentlich noch ein Platz frei gewesen, doch weil auch der lokale Karlsruher Radiosender nicht ins Stadion durfte, musste Bochums Reporter ebenfalls draußen bleiben.

So kam der 66-Jährige zu einer besonderen Premiere. Zum ersten Mal in seinem Leben verfolgte er ein VfL-Spiel live im Fernsehen. „Da die Übertragung immer etwas verzögert ist, hat mir mein Handy eher den Endstand mitgeteilt als das Fernsehbild“, so Pohl, der zugab, dass die Übertragung aus „seinem“ Studio „nicht minder aufregend“ gewesen sei. „Meine Hände waren genauso feucht, als wäre ich im Stadion gewesen.“

Kurz vor dem Spiel hatte Günther Pohl Besuch bekommen. VfL-Rekordspieler Dariusz Wosz schaute sich das Studio an, wechselte - mit Maske und entsprechendem Sicherheitsabstand - ein paar Worte mit dem Bochumer Urgestein. Dann war der Reporter wieder allein. Abgeschottet, um Ruhe für die Übertragung zu haben - und auch aus Sicherheitsgründen, schließlich gehört er zur Risiko-Gruppe. Pohl mit einem Augenzwinkern: „Das Risiko, dass ich krank werde, wird viel größer, wenn ich nicht zu einem VfL-Spiel darf.“

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