Ausgang ungewiss

DFB-Ethik-Komission berät über Fall Tönnies

14. August 2019, 14:55 Uhr

Foto: firo

Nach den Äußerungen über Afrikaner von Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies berät die DFB-Ethik-Kommission am Donnerstag über den Fall. Am Nachmittag soll es eine Erklärung der Ethikhüter geben.

Zwei Wochen nach den Äußerungen des Schalker Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies über Afrikaner beschäftigt sich die Ethik-Kommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mit dem Fall. Das aus vier Mitgliedern bestehende Gremium kommt am Donnerstag (10.30 Uhr) in Frankfurt/Main zusammen, um sich mit den Aussagen des 63 Jahre alten Fleischfabrikanten und den möglichen Auswirkungen zu beschäftigen. 


Eine Erklärung kündigte der Kommissionsvorsitzende Nikolaus Schneider für Donnerstagnachmittag an. Dem Vernehmen nach will die Kommission Tönnies zuvor anhören. Neben Schneider, dem ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, gehören Rechtsanwalt Bernd Knobloch, Rechtsanwältin Anja Martin und Betrugsermittlerin Birgit Galley dem unabhängigen Gremium an, das beim DFB-Bundestag 2016 in Erfurt gegründet wurde. Es soll in allen Fällen, „die der Integrität und dem Ansehen des DFB und seiner Mitgliedsverbände schaden, insbesondere bei illegalen und unethischen Verhaltensweisen, Ermittlungen aufnehmen“, heißt es auf der DFB-Homepage. 

Die Ethik-Kommission ist berechtigt, Untersuchungen einzuleiten und bei hinreichendem Tatverdacht Anklage bei der Ethik-Kammer des Sportgerichts einzureichen. Tönnies hatte als Festredner beim „Tag des Handwerks“ in Paderborn Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert. Stattdessen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren, so Tönnies. „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren.“ 

Für seinen Aussagen hatte er sich später entschuldigt und sie selbst als „töricht“ bezeichnet. Gleichwohl waren die Tönnies-Aussagen danach bundesweit diskutiert worden. Einige Vertreter aus Gesellschaft, Politik und Sport kritisierten sie scharf als „rassistisch“ und forderten den Schalker Clubchef, der dem Aufsichtsrat seit 1994 angehört und seit 2001 dessen Vorsitzender ist, zum Rücktritt auf.


 Andere, darunter vor allem Trainer und Funktionäre aus der Bundesliga, plädierten für einen milderen Umgang mit Tönnies, der zuvor öffentlich nicht durch ähnliche Äußerungen aufgefallen war. Ihr Motto: Jeder hat eine zweite Chance verdient, wenn er sein Fehlverhalten eingesteht, ehrliche Reue zeigt und sich entschuldigt. 

Die ersten Konsequenz zog der Schalker Ehrenrat in der vergangenen Woche nach Anhörung des Betroffenen. Das Ergebnis klang wie ein Kompromiss: Tönnies lässt sein Amt im Aufsichtsrat des Revierclubs für drei Monate ruhen. Rassismus-Vorwürfe gegen Tönnies stufte der Ehrenrat als „unbegründet“ ein. Allerdings habe der Unternehmer „gegen das in der Vereinssatzung und im Leitbild verankerte Diskriminierungsverbot verstoßen“, erläuterte der Ehrenrat. dpa

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