BVB - Schalke

Deutsche Geisterspiel-Premiere - Willi Landgraf war dabei

11. März 2020, 07:00 Uhr
Beim damaligen Duell zwischen Aachen und Nürnberg wurde das Geisterspiel mitunter wörtlich genommen. Foto: firo

Beim damaligen Duell zwischen Aachen und Nürnberg wurde das Geisterspiel mitunter wörtlich genommen. Foto: firo

Es ist amtlich: Sowohl das Rhein-Derby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln als auch das Revier-Derby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 werden unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen. Doch ein Geisterspiel gab es schon einmal: im Jahr 2004.

Am 26. Januar 2004 fand das erste Geisterspiel - bei einem Geisterspiel wird lediglich Spielern, Betreuern, Vereinsoffiziellen sowie Medienvertretern Zutritt zum Stadion gewährt, die Zuschauerränge bleiben leer - der Geschichte im deutschen Profifußball statt. Das Zweitliga-Duell Alemannia Aachen gegen 1. FC Nürnberg wurde ohne Zuschauer ausgetragen. Der Grund: Beim ersten Aufeinandertreffen wurde Gäste-Trainer Wolfgang Wolf von einem Wurfgeschoss am Kopf getroffen.

Willi Landgraf (51), Rekord-Spieler der 2. Bundesliga und aktuell Trainer in der Schalker Knappenschmiede, war damals mit dabei. Wir haben mit dem gebürtigen Bottroper, der einst für Alemannia Aachen spielte, gesprochen.

Willi Landgraf, welche Erinnerungen haben Sie an das Geisterspiel von 2004?
Für uns war das natürlich auch eine gänzlich neue Situation. Aber die Motivation war groß. Das erste Spiel wurde ja aufgrund dieses Becherwurfs abgebrochen. Wir mussten dann eine Zeit lang auf die Spiel-Wiederholung warten, waren im Trainingslager in der Türkei in Belek und im gleichen Hotel war auch der 1. FC Nürnberg. Wir haben überhaupt nicht mit denen gesprochen. Das war auch nochmal eine besondere Konstellation.

Am Samstag steigt nun das Revierderby zwischen Dortmund und Schalke vor leeren Rängen. Kann man sich da irgendwie vom Kopf her vorbereiten?
Wir haben damals auch ab und an unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert. Deshalb konnten wir damit schon umgehen. Klar ist aber auch, dass man sich innerlich ein wenig darauf einstellen muss. Es ist ja schon wie ein Trainingsspiel, man hört alles. Das ist völlig ungewohnt. Aber trotzdem: die Motivation bleibt die gleiche. Man spielt für seinen Verein, für die Fans, um wichtige Punkte, um Prämien. Das alles bleibt ja bestehen.

Wie ist das mit der Kommunikation auf dem Rasen?
Wie bei einem Trainingsspiel. Man kann schon lauter über die andere Seite rufen, dann versteht dich dein Mitspieler endlich auch mal (lacht): Wir hatten ja trotzdem ein Flutlichtspiel. Das war von Vorteil.

Stichwort Vorteil: Gibt es diesem bei einem Geisterspiel für das Heimteam überhaupt noch?
Puh, das ist wirklich schwer zu sagen. Ich glaube, dass es in ein, zwei Spielen nichts ausmacht und der Heimvorteil weiterhin bestehen bleibt. Auf Dauer vor leeren Rängen zu spielen, wäre aber sicherlich kein Vorteil.

Macht das Spiel ohne Zuschauer überhaupt noch Spaß?
Das Spiel bleibt gleich. Aber man ist ja Profi geworden, um vor großen Kulissen zu spielen. Der Spaßfaktor leidet natürlich bei einer Geisterkulisse. Das sollten schon die absoluten Ausnahmen bleiben. Doch wie gesagt: das aktuelle Thema mit dem Coronavirus kann überhaupt nicht mit unserer Situation vergleichen. Bei uns war es eben eine Ausnahme. Bei dem Corona-Thema weiß niemand so richtig, wie es weiter gehen wird.

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