Der Rückzug ist für Lucas und RWE richtig

11.02.2019

Kommentar

Der Rückzug ist für Lucas und RWE richtig

Foto: Mark Bohla

Fußball-Regionalligist Rot-Weiss Essen und Jürgen Lucas trennen sich nach dem Saisonende. Der Sportchef macht Platz für einen Weg, der unumgänglich ist. Ein Kommentar.

Jürgen Lucas sah den Zeitpunkt gekommen, sich einer enormen Last zu entledigen. Einer Last, die er elf Jahre lang sehr gerne auf seinen Schultern trug. Rot-Weiss Essen ist für Lucas mehr als nur ein Hobby, das er zu einem zweiten Beruf machte. Der 49-Jährige ist ein waschechter Essener, der sich mit harter und erfolgreicher Arbeit über den Amateurfußball an die Spitze des größten Vereins der Stadt arbeitete. Seit der Saison 2016/17 ist er der Sportchef des Viertligisten. Diese Tätigkeit übt er seitdem parallel zu seinem Hauptberuf aus. Eine intensive Konstellation, die mit dem Anspruchsdenken des Traditionsvereins nicht mehr zu vereinbaren ist. Das weiß auch Lucas. Er macht deshalb Platz für einen Nachfolger, der sich mit voller Kraft der anspruchsvollen Aufgabe widmen muss, den Deutschen Meister von 1955 endlich aus der Versenkung zu holen. 


Der Rücktritt von Lucas ist für beide Seiten der richtige Schritt. Es ehrt den ehemaligen U19-Trainer, dass er dies selbst erkannt hat. Möglicherweise hat ihn auch die zuletzt intensive und oftmals überzogene Kritik an seiner Person zu diesem Entschluss bewogen. Warum soll sich jemand, der RWE so viel gegeben hat, das noch über Jahre antun? Dieser Gedanke dürfte dem Sportchef zuletzt wohl häufiger durch den Kopf gegangen sein. Gleiches dürfte für seinen Sohn Nico Lucas gelten. Ein RWE-Eigengewächs, das sich zu einem soliden Regionalliga-Spieler entwickelt hat. Die Konstellation Vater/Sohn innerhalb eines Vereins hat vielen Kritikern einen Nährboden gegeben. Eine faire und objektive Betrachtung seiner Leistung wird Lucas junior wohl nur bei einem anderen Verein zu erwarten haben.

Rot-Weiss Essen bleibt weit hinter den Möglichkeiten zurück

Doch die Kritik aus dem RWE-Umfeld war freilich nicht immer unbegründet. Auch Lucas ist es nicht gelungen, die Erwartungen zu erfüllen. Rot-Weiss Essen dümpelt seit gefühlt einem Jahrzehnt in der Regionalliga herum. Nicht viele Vereine in Deutschland machen so wenig aus ihren Möglichkeiten wie RWE. Und die Fans müssen mit ansehen, wie andere Klubs mit deutlich geringeren Möglichkeiten Jahr für Jahr erfolgreicher Fußball spielen. Rot-Weiß Oberhausen, aktuell Tabellendritter, landet regelmäßig vor dem Nachbarn aus Essen. Wattenscheid 09, ein Klub, der seine Spieler vor einiger Zeit mit "REWE"-Gutscheinen bezahlte, der sich in diesem Winter mit einer Crowdfunding-Aktion vor dem Untergang bewahrte, liegt in der Tabelle fast auf Augenhöhe.

Der Nachfolger von Lucas muss die Gründe für dieses sportliche Desaster finden. Anders lassen sich die Ergebnisse der letzten Jahre nicht beurteilen. Rot-Weiss Essen hat nach wie vor ein gigantisches Zuschauerpotenzial, ein vom DFB anerkanntes Nachwuchsleistungszentrum und einen Etat, der zwar nicht mit dem von Viktoria Köln zu vergleichen ist, aber ausreichen sollte, um zumindest ganz oben in der Regionalliga mitzumischen. Denn nur das kann der Anspruch dieses Klubs sein. Der Geduldsfaden der Fans ist längst gerissen. 

An der Hafenstraße müssen aber zunächst die Hausaufgaben gemacht werden, bevor von der Rückkehr in den Profifußball geträumt werden kann. Beginnen wird der neue Sportchef mit dem Essener Trainerteam. Karsten Neitzel kam im April 2018 mit einer durchaus respektablen Vita zu den Rot-Weissen. Neitzel kennt das Ruhrgebiet aus Bochumer Zeiten, hat Erfahrungen im Profibereich gesammelt und weiß, was nötig ist, um in der Regionalliga erfolgreich zu sein. Bei RWE hat dies aber noch nicht den erhofften Erfolg gebracht. Die Bilanz des 51-Jährigen ist nicht zufriedenstellend. Verletzungspech kann keine Ausrede dafür sein, dass RWE 15 Punkte hinter der Viktoria liegt. Neitzel muss ab sofort einen besseren Job machen, sonst wird es für ihn eng.


RWE beförderte gescheiterte Jugendtrainer

Gleiches wird für seine Assistenten gelten. Neben Torwart-Trainer Manuel Lenz sind das Carsten Wolters und Lars Fleischer. Ex-Profi Wolters scheiterte in der Saison 2016/17 als Trainer der U19. Damals hatte er auch parallel das Amt des Co-Trainers der ersten Mannschaft inne. Da der ehemalige Duisburger eine talentierte Essener A-Jugend letztlich zum Abstieg dirigierte, wurde er von dieser Aufgabe entbunden. Als Konsequenz saß er künftig nur noch auf der Trainerbank der ersten Mannschaft. Ähnlich erging es Lars Fleischer. Der 24-Jährige fuhr in der Hinrunde die B-Jugend vor die Wand, holte zwei Punkte in neun Bundesliga-Spielen. Die Konsequenz: Nach seinem Aus bei der U17 stieg auch er in den Trainerstab der ersten Mannschaft auf. Bei Rot-Weiss Essen wird Misserfolg belohnt. Langfristige Verträge dürfen nicht die Grundlage für eine Jobgarantie beim Aushängeschild des Vereins sein. 

Aber: Dies ist sicher nicht das einzige Problem der Essener. Der Lucas-Nachfolger wird in Bergeborbeck alles auf den Prüfstein stellen müssen. Von der ersten Mannschaft bis hin zum Jugendbereich. Verbrannte Erde hat Jürgen Lucas nicht hinterlassen. Ganz im Gegenteil. Der Manager-Job bei Rot-Weiss Essen ist trotz des enormen Drucks eine reizvolle Aufgabe. Das angesprochene Potenzial ist groß, die Basis hat auch Lucas geschaffen. Veränderungen sind aber unumgänglich.

Fakt ist aber auch, dass der nächste Schuss der Essener Verantwortlichen um Welling-Nachfolger Marcus Uhlig sitzen muss. Der neue Mann muss sportliche Erfolge liefern. Uwe Harttgen und Andreas Winkler sind als RWE-Manager kolossal gescheitert, Jürgen Lucas hat den Klub anschließend stabilisiert. Er war aufgrund seiner beruflichen Doppelbelastung aber nur eine sinnvolle Übergangslösung. Das hat Lucas eingesehen. Es ist ein feiner Zug eines Mannes, dem Rot-Weiss Essen viel zu verdanken hat.

Autor: Martin Herms

Kommentieren

12.02.2019 - 17:17 - willi-glueck

@Ronaldo20

"Beleidigungen kommen von Leuten die keine Ahnung haben"

ALSO VON DIR!

Siehe:
11.02.2019 - 19:48 - Ronaldo20

Dieser Kommentar wurde entfernt.

12.02.2019 - 16:51 - Ronaldo20

Bewiesen ist das Herr Lucas mehr Zustimmung bekommen hat als nur schlechtes er wird RWE fehlen und Beleidigungen kommen von Leuten die keine Ahnung haben

12.02.2019 - 15:00 - Bierchen

# Ronaldo 20
Welches Geistes Kind Du bist hast Du mit Deinem von REVIERSPORT gelöschten Kommentar eindrucksvoll bewiesen. Unglaublich!

Und wenn ein JL sich 1000x "für den Verein aufgeopfert hat" und "seine ganze Freizeit für den den RWE geopfert hat" ist das ganz toll aber es heißt nicht, daß man ihn nicht kritisieren darf(weil er ja "Opfer" gebracht hat). Das ist nichts besonderes und macht im Übrigen fast jeder Ehrenamtler. Und wenn der Verein sportlich stagniert darf man das durchaus dem sportlichen Leiter ankreiden, in welcher Beschäftigungsform er auch immer steht. JL hätte ja auch nach einem Jahr sagen können, daß er das Amt in Teilzeit nicht adäquat ausfüllen kann . Hat er aber nicht getan und stattdessen gesagt, "Nee, ich kann das Leute" und hat weiter gewurschtelt. Und daran wird ein sportlicher Leiter nun mal gemessen.

12.02.2019 - 14:58 - Armin Dahl

Ob eine externe Lösung ratsam ist,wage ich zu bezweifeln. Dies ist wieder mit einem finanziellen Kraftakt ver-
bunden, das Geld kann man mit Sicherheit an anderen Stellen besser gebrauchen. Die Erfolgsaussichten wür-
den sich auch nicht verbessern. Die kostengünstigste Lösung wäre meiner Meinung nach, den Posten an KN
zu übergeben, er verfügt über das entsprechende Wissen und ist im Thema.Den Rudi gibt es ja leider nicht
mehr( er ruhe in Frieden), aber solch ein Typ müsste her, zwar unbequem aber kompetent. Können nur hoffen,
daß der richtige Weg für unseren RWE gefunden wird, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber in Sachen Hoff-
nung sind wir ja alle bestens erprobt.

12.02.2019 - 14:11 - Armin Dahl

Ich verfolge schon sehr lange dieses Forum. Was JL betrifft, große Anerkennung und Dank für unermüdlichen Einsatz in Sachen RWE. Ich hoffe nur, daß er dem RWE erhalten bleibt in einer anderen Funktion. Denkbar wäre
im Jugendbereich oder als Verstärkung für Waldi und Frank Kurth im Aufsichtsrat. Das Geätze gegen die Person
JL und Sohn ist in meinen Augen absoluter Nonsens. Es ist immer einfach gegen einen Einzelnen zu schiessen,
aber das ist viel zu einfach. Mir gefällt der sportliche Verlauf auch nicht. Auch die Vertragssituation für die neue
Saison ist nicht zufriedenstellend, da die Baustellen uns erhalten bleiben. Ein Problem unseres RWE ist schon
seit Längerem der Umstand ,daß wir keinen echten Zehner seit Tokat/Avci mehr haben, da brauch man sich auch
nicht wundern,daß im Sturm nur ein laues Lüftchen weht. Wenn man keinen Kreativspieler im Mittelfeld hat,
da kann im Sturm der Messias stehen und bewirkt nichts. Vielleicht sollten einige hier vorher mal überlegen,
bevor sie los poltern. Es muß an verschiedenen kleinen Schrauben gestellt werden, nur das geht nicht von
jetzt auf gleich. Mir gefällt die Stagnation auch nicht, ich habe auch schon andere Zeiten erlebt, da war der
RWE eine Macht sportlich und die Verwaltung marode, wo das hingeführt hat, wissen wir alle. Nochmals
danke an JL und der Hinweis : Es geht nur gemeinsam, Nur der RWE

12.02.2019 - 10:19 - Gregor

„Fakt ist aber auch, dass der nächste Schuss sitzen muss.“

Au man, diesen abgedroschenen Satz habe ich hier bei jedem Wechsel, sei es beim Trainer, sportlichen Leiter oder Vorstandsvorsitzenden gelesen. Fakt ist, das bisher kein Schuss gesessen hat und der Verein nur auf der Stelle tritt.

12.02.2019 - 08:48 - Ronaldo20

Ray Danke und nochmals Danke. Sie haben alles gesagt

12.02.2019 - 06:40 - Ray

Manche Kernasis können sich nicht mal bei einer Trennung ehrenhaft verhalten. Jürgen Lukas hat für eine Aufwandsentschädigung seine ganze Freizeit für den Verein aufgeopfert, enige seine Vorgänger haben dafüt sechsstellige Summen mit nach Hause genommen. Die Verpflichtungen für diese Saison waren alle gut gewesen. Da gab es wirklich keinen echten schlechten bei. Das in unserem Verein sich kaum noch Leute finden, auch ehemalige, die sich bei solchen Kommentaren einbringen wollen, kann ich gut verstehen.

11.02.2019 - 20:23 - willi-glueck

@Ronaldo20

"Ich beleidi keinen..."

lassen wir das mal die Redaktion entscheiden. Beitrag vom 11.02.2019 - 19:48 - Ronaldo20 gemeldet.
"Bierchen Sie sind das letzt..."

11.02.2019 - 20:12 - Ronaldo20

Ich beleidi keinen Es ist ünwürdig einen Herrn Lucas so zu behandeln der seine ganze Freizeit für RWE geopfert hat Da lobe ich mir den Kommentar von Herr Wunderlich so behandelt man Leute die für RWE hervorragende Arbeit geleistet hat Hut ab Herr Lucas

11.02.2019 - 19:59 - willi-glueck

@Ronaldo20

du kannst auch nur beleidigen, oder?
Was ist so falsch an Bierchens Bericht?
Es soll eine Spitzenmannschaft zusammengestellt werden, soll der Nachfolger von J.L. etwa die Verantwortung dafür übernehmen, was J.L. bis zum 01.07. noch macht?
Eigentlich wäre es logisch den Nachfolger als bald zu präsentieren und seine Arbeit sofort aufnimmt.
Alles andere ist wieder nur gewurschtel.r

https://www.reviersport.de/artikel/die-hintergruende-des-lucas-abschieds/

11.02.2019 - 19:48 - Ronaldo20

Dieser Kommentar wurde entfernt.

11.02.2019 - 19:01 - Bierchen

Bitte eine SOFORTIGE TRENNUNG damit ein Nachfolger genug Zeit hat "eine Spitzenmannschaft aufzustellen das im Kampf um den Drittliga- Aufstieg so gut wie möglich ist(O-Ton Uhlig)".

Und bitte KEINE SPIELERBERATER MEHR INS HAUS LASSEN die uns für teuer Geld unsportliche Rasenzertrampler andrehen wollen. Besser selber scouten und ein Crowd- Scouting System entwickeln da die super RWE- Fans auch etwas Ahnung vom Fußball haben und sich auf den Fußballplätzen Europas und der Welt bewegen. Super Talente gibt es überall auf der Welt. Video nach Essen schicken und dann gegebenenfalls den Spieler selber beobachten oder zum Probetraining einladen. Paralell dazu könnte man selber eine Spielerberateragentur gründen und Talente unter Vertrag nehmen auch wenn sie dann doch nicht bei RWE spielen. Halt einfach mal was anders machen, neue Ideen entwickeln wenn absoluter sportlicher Stillstand herrscht. Billiger wäre es auch noch.

11.02.2019 - 18:55 - faser1966

Danke Jürgen, dass du den Weg freigemacht hast. Ich hoffe auf einen Minijob vom Uli.
Nein im Ernst, Danke Jürgen, aber wir brauchen auf dieser Position einen ausgebuchsten Profi, sont wird es nie was.

11.02.2019 - 17:17 - thokau

Gedanken muß man sich machen, da Er sicher realistisch einschätzen kann, was wirklich möglich ist!

11.02.2019 - 16:33 - Baby

Ich hoffe es ist möglich ihn wieder in die Jugendarbeit einzubinden. Da hat er unbestritten wohl seine größten Leistungen erbracht.

11.02.2019 - 16:30 - thokau

Genau, zukünftig wieder noch mehr Geld für Leute ausgeben, die alle nicht gegen den Ball treten und somit nicht wirklich zum sportlichen Erfolg beitragen!
Wir befinden uns nicht in der Gelddruckmaschine Bundesliga, wir befinden uns in der Pleitemaschine Amateurfußball und aus der kommt man unter den gegebenheiten nur mit den Wernzes und Ponomarevs raus oder wenn man das Geld nicht in Strukturen steckt sondern jeden erbärmlichen Cent in die Mannschaft!
Der Dank muß Jürgen Lucas gelten, der sich die Sache in den letzten Jahren angetan hat und nicht sich die Taschen voll gemacht hat, wie Andere!!!

11.02.2019 - 16:25 - Baby

Das finde ich auch. Weder in die eine noch die andere Richtung reißerisch, dafür aber treffend und wertschätzend der Person gegenüber. Letztendlich muss aufgrund der Ergebnisse auch kein Heiligenschein vergeben werden, aber das Geleistete anerkennen ist mehr als notwendig.

11.02.2019 - 16:23 - Lokutus

schliesse mich RWEshooter an. Ein ausgewogener Bericht. Lucas war da, als man ihn brauchte, hat sehr viel investiert, natürlich auch Fehler gemacht, aber die muss man auch zugestehen können.
Jetzt war es halt Zeit für was neues, ! Manche Dinge lagen bestimmt auch nicht immer so in seiner Verantwortung, wie es draussen gerne dargestellt wurde, aber letztlich fehlte der Erfolg ! Und für Lucas Jr. das beste, was ihm passieren konnte !

11.02.2019 - 15:30 - RWEshooter

Guter Kommentar! ;-)

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