Nach einem Jahr zieht sich der TuS Haltern aus der Regionalliga West zurück. Der Verein setzt damit ein klares Zeichen. Ein Kommentar.

Kommentar

Der Rückzug des TuS Haltern verdient Respekt

06. Juli 2020, 13:04 Uhr
Beim TuS Haltern gibt es in der kommenden Saison wieder Oberliga-Fußball zu sehen. Foto: Holger Lindner

Beim TuS Haltern gibt es in der kommenden Saison wieder Oberliga-Fußball zu sehen. Foto: Holger Lindner

Nach einem Jahr zieht sich der TuS Haltern aus der Regionalliga West zurück. Der Verein setzt damit ein klares Zeichen. Ein Kommentar.

Die Entscheidung ist gefallen: Der TuS Haltern zieht sich nach einem Jahr in der Regionalliga West freiwillig zurück und geht in der kommenden Saison in der Oberliga Westfalen an den Start. “Wir werden weiterhin in der höchsten deutschen Amateurliga spielen", ließ der Verein in Person von Marketing-Chef Raphael Brinkert in der offiziellen Stellungnahme mitteilen und machte damit deutlich, dass er die Regionalliga - obwohl sie offiziell als solche fungiert - mit Amateurfußball nicht viel gemein hat. 


Der Klub aus der Seestadt erlebte in den vergangenen Jahren einen steilen Aufstieg. Zwischen 2015 und 2019 gelangen drei Aufstiege, von der Siebtklassigkeit ging es plötzlich in die Regionalliga. Doch dort stieß der Klub an seine Grenzen - nicht zuletzt aufgrund der Stadionproblematik. Die Stausee-Kampfbahn genügte den Anforderungen der Regionalliga bei Risikospielen nicht, der TuS spielte in der vergangenen Saison abwechselnd in Haltern, Wanne-Eickel und Wattenscheid. In der kommenden Spielzeit hätte der Verein wieder regelmäßig ins Lohrheidestadion ausweichen müssen. 

Damit verbunden wäre wieder einmal ein immenser Aufwand - auch finanzieller Natur. Bereits Ende April kündigte der Klub an, sich neu ausrichten zu wollen und mehr auf junge Spieler aus der eigenen Region setzen zu wollen. Der Verein sprach von einem Weg nach dem Vorbild des spanischen Erstligisten Athletic Bilbao. Zahlreiche Leistungsträger verließen den Klub nach dieser Ankündigung, Erfolgstrainer Magnus Niemöller wurde gegen Timo Ostdorf ausgetauscht. 


Eine konkurrenzfähige Mannschaft für die Regionalliga auf die Beine zu stellen - wie es der TuS in der abgelaufenen Saison erfolgreich geschafft hatte - wäre eine echte Mammutaufgabe gewesen. Nicht zuletzt mit Blick auf die finanziellen Unwägbarkeiten aufgrund der Corona-Krise will die Halterner Vereinsführung dieses Wagnis nicht eingehen. "Wir glauben, dass dieser Schritt richtig und vorausschauend ist", sagte Brinkert. 

Beispiele von Klubs, die unbedingt aufsteigen wollen, sich in einer höheren Klasse dann aber übernehmen und auseinanderbrechen, gibt es zuhauf. Der TuS Haltern hat sich dagegen entschieden, obwohl die Regionalliga eine aufregende Erfahrung war. Das spricht für seriöse Arbeit im Verein - und verdient deshalb Respekt.

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09.07.2020 - 22:47 - soso

In der Oberliga werden künftig noch Clubs auflaufen, die heute auf dicke Hose machen.

Naja, dann eben in der Oberliga gegen den Abstieg spielen.
Mit 12 Abgängen ist Haltern nicht reif für die höchste Amateurklasse.
Und hört auf mit Bilbao, man kann es nicht mehr hören.

Auf den ESV wurde vor Jahren mit dem Finger gezeigt. Ja da fehlte die ganz klar die Asche.
Und 8 Schwicker - Kicker gingen gingen 10 km weiter zum Club der Zukunft. Aber der TuS hat
nicht mal ein Stadion mit Sitzplätze oder eine Überdachung. Noch mehr Amateurliga geht nicht.
Fehlt da in Wahrheit nicht etwa die Knete ? Regionalliga ist nun mal kein billiges Vergnügen.
Und der Vater des Erfolgs war der Coach Magnus Niemöller.
Jetzt wäre Klinkenputzen angesagt, aber viereckiges Geld ist rar. In 5 Jahren sind sie wieder in
der Landesliga. Sorry, da kickt schon die Zweite.

07.07.2020 - 10:46 - Spieko

Respekt für die Entscheidung!
Wer weiß, wer noch folgen wird?

06.07.2020 - 17:06 - User1

Wieso ist Haltern gescheitert?? Wieso unfähige Vereinsführung??
Schon lange nicht mehr so ein Käse gelesen!
Haltern ist übrigens nicht insolvent, schon mitbekommen, chippolueg? Wohl nicht!

06.07.2020 - 15:23 - chippolueg

Respekt? Fürs Scheitern? Fürs Eingestehen? Nicht genug getan zu haben? Wer sich offenbart, egal ob sportlich oder wirtschaftlich, hat es nicht verdient, höherklassig mitzumischen. Ob es der Tus Haltern, Lautern, Wattenscheid, Wuppertal, oder demnächst auch der MSV ist: der SV Rödinghausen sollte für alle Vereine ein abschreckendes Beispiel dafür sein, wie es ist, sportlich zu liefern, aber eine wirklich unfähige Vereinsführung zu haben. Unfähigkeit einzugestehen, das verdient meinen Respekt. Es aber auf Corona oder den aktuellen Spielplan oder worauf auch immer zu schieben und so von den eigentlichen Ursachen abzulenken, das ist einfach nur arm.

06.07.2020 - 14:40 - Ballaballa52

Naja, da hat der TuS Haltern als für mich sympathischer Verein wohl die Notbremse gezogen , wohl auch wegen dem ganzen coronachaos und der zum Teil sicherlich durch die Profiligen vorher schon hochgepimpten Etats einiger Vereine... rwe hstte(!) bestimmt ein 5 bis 10 x so hohen Etat wie TuS oder 09 oder Homberg oder oder oder...
Mir scheint es so, das es in Zukunft überall nur noch eine „2klassengesellschaft“ In allen Ligen geben wird...und Fußball ist ja in den oberen Ligen sowieso nur noch reiner Kommerz! Das zeigen nicht nur die geisterspiele, die unheimlichen Gehälter und Ablösesummen...das ganze Gehabe drumherum ist nicht mehr zu ertragen...dann werd ich mir nächste Saison mal TuS, 09 und einige andere Oberligamannschaften anschauen...(:-)

06.07.2020 - 13:23 - Herner

Mein Respekt haben die verdient!

Es sind noch einige Vereine die die Regionalliga nicht stemmen können.