Bochum

Der große VfL-Krisenreport - Teil 2

Christian Hoch
10. April 2019, 18:05 Uhr

Foto: WAZ Fotopool

Der VfL Bochum ist in der 2. Bundesliga auf den elften Tabellenplatz zurückgefallen. Im Jahr 2019 hat der Pott-Klub aus zehn Spielen nur acht Punkte geholt. Der große RevierSport-Krisenreport. Teil 2.

Mittwochmittag in Bochum. Parkplatz am Vereinsgelände des VfL Bochum. Gut zwei Stunden vor Beginn der Nachmittagseinheit auf dem Platz. VfL-Trainer Robin Dutt telefonierte ausgiebig mit seinem Handy, ging immer wieder auf und ab. Was genau und mit wem er gesprochen hat, blieb sein Geheimnis. Dass es in den vergangenen Wochen aber vermehrt Gespräche am Handy über Gründe für die aktuelle Krise des Pott-Klubs gegeben hat, dürfte in der Natur der Sache liegen. 


Denn die Misere im Jahr 2019 beschäftigt den gebürtigen Kölner oft. „Die eine Sache ist, als Trainer die nötige Ruhe zu bewahren, die andere Sache ist aber auch, dass es mich die Situation als Mensch natürlich wurmt und ärgert“, sagte Dutt im Gespräch mit dieser Redaktion über seine Gefühlswelt: „Aber ich lasse mir jetzt nicht noch die Abende außerhalb des Fußballs mit meiner Familie versauen. Dazu habe ich zu viel Erfahrung.“ Die Debatten um das Verletzungspech der Bochumer sieht der VfL-Trainer derweil als zu einfachen Erklärungsansatz für die Krise, fast schon als Alibi.

Verletzungen nicht der einzige Grund für Bochums Krise

„Natürlich haben die Verletzungen unsere Situation mit ausgelöst, sie sind aber nicht der alleinige Grund“, erklärte er und führte weiter aus: „Wir verlieren die Spiele - wie zum Beispiel in Bielefeld oder Regensburg - nicht wegen der Verletzungen, sondern wegen der Spieler, die auf dem Platz stehen und teilweise Situationen nicht gut verteidigen.“ Durch die vielen Pleiten im Jahr 2019 sind die Bochumer mit Dutt in der Tabelle der zweiten Bundesliga ins untere Mittelfeld abgerutscht. Der Vorsprung auf Relegationsplatz 16 beträgt mittlerweile nur noch acht Zähler. Dutt bewertet die Situation als gefährlich.

Andere Ausgangslage als im Vorjahr

Bei seinem Amtsantritt übernahm der ehemalige DFB-Funktionär eine Mannschaft, die am Boden lag - der ganze Verein war schon längst ins Chaos gestürzt. Mithilfe einer starken Serie richtete Dutt gemeinsam mit seinem Trainerteam und den Verantwortlichen den gesamten Verein auf und schaffte den Klassenerhalt. Während der vergangenen Hinrunde und des Beginns der aktuellen Rückrunde entwickelte sich der VfL kontinuierlich weiter. Dann der Bruch und aktuell die Gefahr, noch weiter abzurutschen.

"Müssen kein Horrorszenario kreieren"

„Wir müssen aufpassen. Die Situation ist gefährlich“, sagte Dutt: „Den Vorsprung haben wir uns nicht - wie im vergangenen Jahr - erarbeitet, sondern er ist auf acht Punkte geschmolzen. Das ist psychologisch ein Nachteil. Das habe ich der Mannschaft auch gesagt. Wir müssen unsere Spiele gewinnen, dass sich die Situation nicht verschärft. Wir müssen kein Horrorszenario kreieren, aber ich finde die Lage nicht ungefährlich.“ 


Mit einem Sieg am kommenden Sonntag zu Hause gegen Greuther Fürth könnte und muss Dutt gemeinsam mit der Mannschaft das richtige Zeichen setzen. Denn: Die Folgen des Einbruchs werden auch in der Zukunft Thema sein. „Wir haben als Verein gesagt, dass wir uns kontinuierlich entwickeln wollen. Dass es Rückschläge geben wird, war uns allen bewusst. Aber dieser Ausschlag nach unten ist mir zu groß, das müssen wir in der Zukunft erst wieder aufholen.“

Autor: Christian Hoch

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11.04.2019 - 10:08 - na-und

Das eigentliche Problem des Sturzfluges wird leider nicht angesprochen. Es waren eben die älteren Spieler, die aufgrund ihrer körperlichen und geistigen Langsamkeit viele Gegentore verursachten. Nun hat Dutt aber immer gerne auf die älteren Spieler gesetzt, so dass wir meistens die älteste Ligamannschaft auf dem Platz hatten. Und das in einem Verein, der sich als Ausbildungsverein für junge Spieler bezeichnet. Junge Spieler kamen bisher nur zum Einsatz, wenn es gar nicht mehr anders ging. Und siehe da, sie machten ihre Sache ganz gut, wenn ich besonders an Saglam denke. Da alles deprimiert die Fans so sehr, egal mit wem ich auch spreche. Daher verlieren auch viele die Hoffnung, dass es in Zukunft besser läuft beim VfL.