Den Schalkern fehlt vor allem Cleverness

21.02.2019

Kommentar

Den Schalkern fehlt vor allem Cleverness

Foto: Firo

Beim 2:3 gegen Manchester City verspielten die Königsblauen gegen zehn Mann ihre Führung. Weil sie nervös wurden, anstatt den Überblick zu behalten. Ein Kommentar.

Natürlich tat das Ende allen Schalkern weh. Die Königsblauen hatten einem internationalen Top-Team die Stirn geboten, sie hatten sich auch von einem unnötigen 0:1-Rückstand nicht umhauen lassen. Sie führten gegen das weltweit hochgelobte Ballkünstler-Ensemble von Manchester City nach 85 Minuten mit 2:1.


Dann kamen Leroy Sanés Traum-Freistoß und Raheem Sterlings Siegtreffer – und so blieb am Ende nicht ein übergroßes Glücksgefühl, sondern tiefe Enttäuschung. Die individuellen Fehler und die unkluge Spielweise in der Schlussphase hatten die Stimmung unter vielen Schalke-Fans kippen lassen: von Stolz auf die Mannschaft auf Verärgerung über die Mannschaft.

Und dabei war beides berechtigt, auch der Stolz. Denn Schalkes viel zu oft langweilig und uninspiriert spielendes Team hatte doch nachgewiesen, dass es lebt. Einer kämpfte für den anderen, es wurde gerannt und gegrätscht – ohne Ehrfurcht vor dem Giganten.

Schalke-Trainer Domenico Tedesco verzweifelte

Fehlte den Schalkern in der Schlussphase dann doch der Mut? Nein, das war eher nicht das Problem. Was dem krassen Außenseiter zum Verhängnis wurde, war fehlende Cleverness. Manchester City war zu Zehnt, nachdem Nicolas Otamendi in der 68. Minute Gelb-Rot gesehen hatte. Zu diesem Zeitpunkt stand es 2:1 für Schalke. Da muss man sich besonders klug verhalten. Den Ball in den Reihen halten, wann immer es gegen ein so spielstarkes Team möglich ist. Den Überblick behalten. Nicht nervös werden, nicht hektisch werden. Trainer Domenico Tedesco verzweifelte, als er sah, dass ein Einwurf leichtfertig nach vorne geworfen wurde, hinein in einen Zweikampf. Wäre er nach hinten geworfen worden, hätte das wieder zwei Minuten mehr Zeitgewinn bedeuten können.

Und eines sollte man dann auch nicht unterbewerten: Wenn ein Leroy Sané so einen Freistoß aus dem Fußgelenk zaubert, dann ist das eben genau der Qualitäts-Unterschied, der sich auch durch Einsatz und Leidenschaft nur begrenzt wettmachen lässt. Solche Ausnahme-Fußballer entscheiden Spiele. Schalke hat solche Stars nun mal nicht.

Schalkes Werte sind traditionell andere. Zusammenhalt zählt ganz sicher dazu. Deshalb ist es ein Unding, dass es nicht wenige Schalke-Fans gibt, die sich jetzt an Ralf Fährmann abarbeiten. Auch im Stadion war schon vereinzelt Gehässiges zu vernehmen, in die sozialen Medien sollte der Kapitän besser keinen Blick werfen. Ja, er hat das Führungstor verschuldet und sah auch bei Manchesters Siegtreffer nicht gerade gut aus. Aber ein Schalker, dem jahrelang nichts vorzuwerfen war, hat auch in solchen für ihn schwierigen Phasen Respekt verdient.

Autor: Peter Müller

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22.02.2019 - 10:28 - dhanz

M.E. hat Domenico Tedesco - wie schon beim Heimspiel gegen Bor. Mönchengladbach - durch falsches Auswechseln die Mannschaft um die Früchte ihrer Arbeit gebracht.
Wenn man ein Mann mehr ist und 2:1 führt, dann wechsele ich nicht für den seit 5 Minuten angeschlagenen McKennie einen längere Zeit verletzten ehem. ZweiteLiga-Stürmer ein, sondern einen ballsicheren Spieler (Rudy) ein, der das Mittelfeld verstärkt und die Bälle verteilen kann.
Es ist löblich, Skrybski einen CL-Auftritt zu ermöglichen, aber hier sollte doch der Erfolg der Mannschaft im Vordergrund stehen.

22.02.2019 - 08:53 - Blumenthal

Lieber Peter Müller, Schalke Fans arbeiten sich nicht an Ralf Fährmann ab, sie verzweifeln an ihm und sie haben die Befürchtung, dass unter anderem seine qualitativen Defizite, den Verein in den Abgrund führen. Ein Torwart und Kapitän, der keine Selbstkritik äußert, seine Defizite nicht abbaut und einem jungen, guten Torwart eher einen Vereinswechsel rät, als seine fußballerischen Stärken im Spielaufbau herauszustellen, die die spielerische Armut des Schalker Spiels vermindern würden. Aber Schalke Fans haben sich auch an Frank Rost abgearbeitet.

21.02.2019 - 23:48 - Alles für Schalke

Guter Hinweis, dass es schlechter Stil ist, nun Ralf Fährmann derartig zu kritisieren. Schlechte Phasen haben gerade Torhüter mal, auch ein Manuel Neuer oder ein Oliver Kahn. Nun halt unser Ralf Fährmann. Ich halte es für schäbig, wenn man nun als Schalker die eigenen Leute kritisiiert. Das ist unanständig! Und dann wundert sich der normale Schalker, dass jeder, der irgendwie den Absprung schafft, Schalke verläßt? Draxler, Özil, Kolasinac, Sane, Matip, alle weg und nun Stützen ihrer Vereine!

Am Schlimmsten fand ich, wie der junge Matip vom eigenen Publikum ausgepfiffen wurde. Unfassbar! Da habe ich mich mit eigenen Leuten angelegt. Wer psychische Probleme mit sich selbst hat, soll die mit sich selbst austragen und nicht seine Sündenböcke im eigenen Verein aussuchen!

Und bevor hier wieder in das gleiche Horn auch beim Trainer stoßen: Ein Leroy Sane hat unseren Tedesco übern Klee gelobt und der kann trotz seiner jungen Jahre gute Trainer (Elgert, Guardiola) schon vergleichen.

Daher einfach mal locker bleiben und dem Schalke Team vertrauen. Die wissen schon, was sie tun. Diese ganze Hysterie, die über die Presse in den Verein getragen wird, sorgen dafür, dass Schalker eigene Spieler auspfeifen und regelmäßig Spieler auf Schalke schlechter sind, als vor Schalke und nach Schalke. Einfach mal drüber nachdenken, bevor das nächste mal gemeckert wird........

21.02.2019 - 21:28 - Fischer63

Schade - aber passt momentan ins Bild. Aber es fehlt nicht nur an Cleverness sondern in erster Linie an Klasse. Egal wer in Schalke sportlich das Sagen hat, keiner hat es bis jetzt geschafft diesen Verein dauerhaft in der deutschen und schon gar nicht in der europäischen Spitzenklasse zu etablieren. Ich bin seit über 50 Jahren Schalkefan und sehne mich endlich wieder nach schönen und erfolgreichen Fußball, der einfach nur Spaß macht. Nicht dieses Gegurke, und schon gar nicht die hochgestochenen Analysen von Herrn Tedesco, denen selbst seine Spieler anscheinend nicht folgen können. Vielleicht kommt mit Hub Stevens etwas mehr sportliche Kompetenz in den Verein - wenn man ihn denn lässt. Das wünsche ich mir und allen Schalkefans und diesem wunderbaren Verein.

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