Joachim Löw nahm erleichtert einen tiefen Schluck aus seiner Wasserflasche, dann ging der Bundestrainer mit Oliver Bierhoff in die Analyse. 

Nationalmannschaft

„Das geht mir auf den Sack“: DFB-Team verpasst Premierensieg

07. September 2020, 08:14 Uhr
Foto: firo

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Joachim Löw nahm erleichtert einen tiefen Schluck aus seiner Wasserflasche, dann ging der Bundestrainer mit Oliver Bierhoff in die Analyse. 

Der schwache Auftritt seiner Mannschaft beim am Ende schmeichelhaften 1:1 (1:0) in der Nations League in Basel gegen die Schweiz musste ihn ernüchtert haben. Und nicht nur ihn, auch die Spieler selbst waren angefressen.

„Wenn sechs Punkte zu verteilen sind und man nur zwei holt, dann ist das enttäuschend“, sagte Ersatzkapitän Toni Kroos im ZDF. Torschütze Ilkay Gündogan drückte es noch drastischer aus: „Ich bin ein bisschen angepisst. Das geht mir auf den Sack.“

Die deutsche Nationalmannschaft hat auch im sechsten Anlauf in der Nations League den ersehnten ersten Erfolg verpasst - doch schlimmer als das Ergebnis war der Auftritt. Die DFB-Auswahl war mit dem Unentschieden sogar noch gut bedient.

Gündogan erzielte in der 14. Minute auf Vorarbeit von Matthias Ginter mit einem überlegten Flachschuss ins kurze Eck das 1:0. Doch Silvan Widmer (58.) gelang noch der Ausgleich für die Schweizer, die zum Auftakt der Nationenliga sogar gegen die Ukraine (1:2) verloren hatten. Deutschland hatte drei Tage zuvor beim 1:1 gegen Spanien ebenfalls nur einen Punkt geholt und hat nun schlechte Chancen auf den Gruppensieg. Stattdessen ist sogar ein zweiter sportlicher Abstieg möglich.

Gegen die Schweiz zeigte das Löw-Team Schwächen mit der riskanten Defensiv-Taktik und offenbarte auch Fitness-Probleme. Bester Mann im St.-Jakob-Park war Torhüter Bernd Leno. Interessanter Fakt: In der Schweizer Startelf war die Bundesliga mit sechs Spielern doppelt so stark vertreten wie in der deutschen.

In einem Monat stehen in der Ukraine (10. Oktober) und gegen die Schweiz (13. Oktober) die nächsten Nations-League-Duelle auf dem Plan. Vor diesem Doppelpack testet die DFB-Auswahl noch gegen die Türkei (7. Oktober).

Wegen des vollen Terminplans für seine Stars hatte Löw zuletzt heftige Kritik geübt - doch auf eine große Rotation verzichtete der Bundestrainer. Im Vergleich zum Spanien-Spiel veränderte er seine Startformation lediglich auf zwei Positionen: Leno und Innenverteidiger Ginter rückten für Kevin Trapp und Emre Can ins Team. „Die Eingespieltheit war mir in dem Fall etwas wichtiger“, begründete Löw.


Seine Mannschaft war genau wie gegen Spanien sofort um ein aggressives Pressing bemüht. Dabei gefiel vor allem der ballsichere und lauffreudige Leroy Sane, der in der 7. Minute auch die erste Torchance für die Gäste besaß. Der gute Start und Gündogans Führungstreffer gaben der DFB-Auswahl aber nicht noch mehr Rückenwind - im Gegenteil.

Die Schweizer nutzten die Schwächen der deutschen Defensiv-Taktik, die auf eine frühe Manndeckung ausgelegt war - auch wenn sich dadurch teils große Lücken ergaben. Vor allem der bullige Gladbach-Profi Breel Embolo, der meistens Antonio Rüdiger in Zweikämpfe verwickelte und diese oft gewann, war ein ständiger Unruheherd.

In der 26. Minute bereitete Embolo mit einem schönen Pass auf Renato Steffen die große Chance zum Ausgleich vor, den Leno mit einer starken Fußabwehr verhinderte. Zuvor war der Keeper des FC Arsenal schon bei den Chancen von Loris Benito (12.) und Widmer (24.) auf dem Posten, außerdem klärte er gegen Granit Xhaka (44.). Kurz vor dem Halbzeitpfiff rettete für Leno bei einem Schuss von Haris Seferovic der Pfosten.

Löw gefiel das überhaupt nicht. „Zuordnung! Passt auf! Zuordnung!“, schrie der Bundestrainer, dessen Anweisungen im leeren Rund des St.-Jakob-Parks gut zu hören waren. Doch auch die Schweizer Defensive war anfällig, Julian Draxler (31.) und Timo Werner (38.) vergaben aber Möglichkeiten für eine komfortablere Halbzeitführung.

Löw reagierte in der Kabine und brachte zur zweiten Halbzeit in Julian Brandt einen frischen Offensivspieler. Doch es war zunächst Draxler, der Akzente setzte und zweimal das 2:0 auf dem Fuß hatte (52. und 54.). Die DFB-Defensive blieb anfällig - was die Schweiz mit dem Ausgleich bestrafte.  sid

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07.09.2020 - 11:08 - Spieko

Es ist schwer zu verstehen, was beim DFB incl.Bundestrainer passiert. Halbherzig geht gar nicht.
Die Schweiz hat mir gut gefallen und mit etwas Glück hätten das Spiel auch gewinnen können.Sie haben in
der 2.Halbzeit ganz schön Druck gemacht.

07.09.2020 - 09:02 - Kuk

Wenn der Bundestrainer die NationsLeague als Aufbauprogramm / Saisonvorbereitung für den Rekord- und Serienmeister sieht,
hat er keinen Sieg verdient, nicht einmal gegen ersatzgeschwächte Spanier oder Schweizer.
Neuer, Kimmich, Goretzka und Gnabry dürfen pausieren, die Langzeitverletzten Sane und Süle erhalten Einsatzzeiten und Spielpraxis.
"Wünsch Dir was" für Bayern-Trainer Flick - 2014 noch mit Löw zusammen für den DFB tätig.

07.09.2020 - 08:27 - hoelwil

Das Spiel hätte man auch bei schwacher Leistung gut verlieren können. Die ersten 11 sehen allerdings doch eher anders aus. 8 Plätze sind gesetzt.Neuer im Tor Klostermann und Halstenberg auf den defensiven Aussenbahnen. Süle als IV und die Bayern Goretzka und Kimmich auf der Doppelsechs. Havertz auf der 10 und Werner in der Spitze. Kroos spielt für mich keine Rolle mehr,der hält mit seinem Quergeschiebe das Spiel nur auf.Auf den Flügeln können sich Gnabry,Sane,Brandt und Draxler abwechseln. Ginter könnte der zweite IV sein. Rüdiger,Gündogan und Can werden keine Rolle spielen. Die genannte Truppe sollte um den Titel mitspielen können.