RB Leipzig

Darum entschied sich Krösche gegen Schalke

Justus Heinisch
07. Juni 2019, 14:02 Uhr

Foto: dpa

Markus Krösche, der den SC Paderborn als Geschäftsführer verlässt und sich RB Leipzig anschließt, äußerte sich in einem Interview mit dem Westfalen-Blatt zu seinem anstehenden Wechsel, der Kooperation zwischen RBL und dem SCP - und erklärte, warum er nicht zu Schalke ging. 

Krösche steht gemeinsam mit SCP-Trainer Steffen Baumgart für den sportlichen Aufschwung bei den Ostwestfalen. Paderborn blieb in der Spielzeit 2016/17 nur dank der Insolvenz von 1860 München in Liga drei. Es folgte: Der direkte Durchmarsch in die Bundesliga. Krösche, zuvor Roger Schmidts Co-Trainer bei Bayer Leverkusen, erarbeitete sich einen exzellenten Ruf. Gerne hätte der FC Schalke Krösche als Sportdirektor präsentiert. Warum er letztlich zu Rasenballsport ging? "Es war eine Bauchentscheidung für Leipzig", sagte er dem Westfalen-Blatt. Es sei ein guter Zeitpunkt, jetzt den SCP zu verlassen. Wenn er auf die vergangenen zwei Jahre und den Ist-Zustand bei Paderborn blicke, könne er ruhigen Gewissens gehen, ergänzte Krösche. Den Ausschlag für Leipzig gaben auch die dort bestehenden Strukturen.

Fan-Kritk an Kooperation

Zeitgleich zu Krösches Wechsel wurde eine Kooperation zwischen Leipzig und Paderborn bekannt gegeben. Nicht nur in den Augen der Kommerzialisierungs-Gegner im Fußball hat dies einen faden Beigeschmack. Auch andere Bundesligisten übten Kritik an der Kooperation. Die aktive Fanszene des Bundesliga-Aufsteigers kündigte sogar an, die SCP-Spiele zu boykottieren, bis die Zusammenarbeit zwischen Leipzig und Paderborn beendet sei.

Den Unmüt kann Krösche nicht nachvollziehen: "Mit dieser negativen Dynamik hatte bei uns keiner gerechnet. Ehrlicherweise muss ich auch sagen, dass wir das Thema nicht optimal kommuniziert haben. Da wurden zu viele Dinge im Unklaren gelassen. Deshalb möchte ich noch einmal klarstellen: Es geht nur um eine rein sportliche Zusammenarbeit." Gemeint ist damit, eine "gute Lösung für beide Vereine zu finden", falls ein RB-Spieler für die Ostwestfalen von Interesse ist, merkte Krösche an: "Der SCP bleibt autark und nur wenn der Verein einen Spieler haben möchte, wird RB aktiv."

Heuchlerische Debatte?

Krösche sei zudem ein Freund von offener Kommunikation und erkenne den schmalen Grat, den die Kooperation mit sich bringt: "Grundsätzlich darf jeder seine Meinung äußern. Aber trotzdem müssen auch mal Entscheidungen getroffen werden, die dem einen oder anderen nicht gefallen, bei denen es aber in erster Linie darum geht, das Produkt zu stärken und die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten." Über eine starke SCP-Mannschaft würden sich die Fans schließlich freuen.

Die ganze Debatte um die Kommerzialisierung ist für den Neu-Leipziger ohnehin etwas scheinheilig. Bei RBL sei schlichtweg "offensichtlicher" zu erkennen, dass hinter dem Verein ein Großsponsor stehe. "Hier steht der Verein im direkten Zusammenhang mit einem Produkt, aber das ist für mich nicht negativ. Dieser Verein bietet tollen Fußball – das muss das Wichtigste sein", sagte Krösche. "Auch hinter großen Klubs wie Bayern München, Borussia Dortmund oder Schalke 04 stehen große Konzerne als strategische Partner."

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09.06.2019 - 13:09 - Noah1

@kuk:Gazprom ist der wichtigste Sponsor von S04, erhält aber für seine finanziellen Beiträge Gegenleistungen(Trikotwerbung u.a.); von einer Beteiligung ist man weit entfernt, dann hätte der Verein Geld in Form einer Kapitaleinlage erhalten, die wie Geschäftsanteile am Verein zu werten wären. Dies geht aber nur, wenn nach Ausgliederung des Unternehmens S04 z.B. in eine GmbH Gazprom eine Beteiliung am Unternehmenswert = Geschäftsanteil von S04 halten würde. Wichtiger wäre es, und das zeigt die Entwicklung der letzten Jahre, wenn man über ein kompetentes Führungsmanangement wie z.B. die Bauern verfügen würde.

08.06.2019 - 13:05 - Linksaussen

Alle echauffieren sich wegen Leipzig. Dabei funktioniert Leipzig im Wesentlichen deswegen so gut, weil sie klug investieren und insgesamt gut aufgestellt sind.
Nicht zu vergessen ist. dass z.B. der FC Bayern gerade mit Audi vereinbart hat, dass Audi im Verlauf der nächsten 10 Jahre rund 1 Milliarde(!) EUR dem FCB zur Verfügung stellt.
Und die sind längst nicht der einzige Sponsor der FCB von erheblichem Kaliber. Adidas, Allianz und Co. lassen grüßen. Davon können sämtliche Westvereine nur träumen. Ja und ein Träumer ist, wer glaubt, dass es im Riesengeschäft um Profi-Fußball irgendwie gerecht zugeht. Der Abstand zwischen Großen und Kleinen wird weiter bemerkenswert zunehmen.
Der ganze Scheiß wird immer unappetilicher...
Vielleicht sollte man, um einfach Fußball zu sehen, künftig mehr Amateur- und Jugendspiele besuchen. Da sind die finanziellen Dimensionen wenigstens noch halbwegs manierlich und gesund. Und da wird man auch nicht so abgezockt und verarscht.

07.06.2019 - 22:11 - Kuk

@Noah1
Gazprom einen sogar Vertreter in den Aufsichtsrat von S04 - da wird man wohl von einer strategischen Partnerschaft oder Beteilung ausgehen können.
@F.C.Knüppeldick
Quatar Airlines ist zwar kein strategischer Partner bei Bayern München, stellt Geschäftsbeziehung und auch die Winter-Trainingslager in Katar stellen für mich die Auswüchse im Sport wieder einmal sehr krass dar - zumal das der FCB eigentlich gar nicht nötig hätte.
Das "Alleinstellungsmerkmal" von RBL super beschrieben !

07.06.2019 - 18:32 - Noah1

Schalke benötigt keine strategischen Partner (hier stehen Gegenleistungen wie Namensrechte, Trikotwerbung usw.) sondern strategische Investoren, dass ist ein großer Unterschied, Krösche war einfach die heuchlerischen Vereinskonstrukte satt.

07.06.2019 - 14:37 - F.C.Knüppeldick

Der Krösche kapiert es auch nicht,dass die Fans auch keine rein sportliche Konstellation wollen.Das ist für mich von seiner Seite aus schon lange geplant gewesen.Erst noch ein paar Transfers tätigen für den SCP,die Fans damit in Zufriedenheit wiegen-nach RB wechseln.6-700000 Euro Ablöse bekannt geben und dann mit dem Hammer rauskommen.Und Bayern ist 1900-Schalke 1904 und Dortmund 1909 gegründet.Bei Bayern kann man nichts dagegen sagen zu den strategischen Partnern.Beim BVB gefiel mir der Börsengang auch nicht.Schalke mit Gazprom gefällt mir auch nicht-aber RB ist vor 10 Jahren nur gegründet worden,um die Marke Red Bull zu präsentieren.Das ist noch was ganz anderes.Und ich bin weiterhin der Meinung,dass Präsident Volkmann bei der nächsten Wahl abgewählt werden muß.Der ist nicht mehr tragbar für den Verein!!!