06.12.2018

Interview

BVB-Star Akanji ist heiß auf einen Titel

Foto: Lukas Schulze

Dortmunds Abwehrspieler Manuel Akanji (23) spricht im exklusiven Interview mit dieser Redaktion über seine Ziele und das Derby am Samstag auf Schalke.

Auf die Minute passend fährt Manuel Akanji zum Interview vor. Man könnte nun das alte Klischee von den Schweizern und der Pünktlichkeit bemühen, doch der Innenverteidiger von Borussia Dortmund lässt sich nicht in die üblichen Schubladen zwängen. Das beweist er im Interview vor dem Derby gegen Schalke am Samstag (15.30 Uhr/Sky) – nicht zuletzt mit einem ungewöhnlichen Talent.


Was ist 39 mal 15?
Manuel Akanji: 585.

Wow, das kam ohne jede Verzögerung. War die Aufgabe zu einfach?
Nein, das weiß ich auswendig.

Echt? Wie kommt das?
Ich kann schon seit langem sehr gut Kopfrechnen. Ich habe früher sehr, sehr viele Kopfrechenübungen gemacht, mich mit immer höheren Zahlen gesteigert. Und jetzt kann ich einiges auswendig.

Können Sie auch ausrechnen, wie wahrscheinlich es ist, dass der BVB Meister wird?
Nein. Aber ich kann sagen, dass ich alles dafür tun werde.

Ein Sieg gegen Schalke würde helfen. Für die Fans ist das eines der wichtigsten Spiele. Und für Sie?
Natürlich freue ich mich sehr auf das Spiel. Ich habe bislang noch kein Derby gespielt, beim letzten saß ich auf der Bank, weil ich mich kurz vorher verletzt hatte.

Die Erinnerungen an das Spiel sind nicht ganz so gut, es gab ein 0:2.
Das war wirklich nicht unser bestes Spiel, aber seitdem haben wir viel verbessert – und das wollen wir auch jetzt im Derby zeigen. Wir wollen natürlich gewinnen.

Was sagt es aus, dass Sie 19 Punkte Vorsprung auf Schalke haben?
Nicht viel, in einem Spiel kann alles passieren. Im DFB-Pokal haben wir zweimal gegen Zweitligisten gespielt und mussten zweimal in die Verlängerung. Es waren knappe Spiele, die wir auch hätten verlieren können. Das zeigt, dass die Tabelle nichts aussagt. Jedes Spiel fängt bei Null an.

Ihr guter Freund, Schalkes Stürmer Breel Embolo, fällt verletzt aus.
(lächelt) Jetzt fehlt ihnen Gott sei Dank ein guter Stürmer. Aber im Ernst: Ich hätte gerne gegen ihn gespielt, denn ich messe mich gerne mit guten Spielern. Ich habe bisher erst einmal gegen Breel gespielt, als ich noch bei Winterthur war und er bei Basel.

Wie ist der Kontakt derzeit?
Wir sehen uns eigentlich jede Woche oder jede zweite Woche und telefonieren immer wieder.

Ruht die Freundschaft aktuell?
Nein, das Derby hat keinen Einfluss auf unsere Freundschaft. Wir sind vorher genauso befreundet wie hinterher. Vielleicht werde ich nach dem Spiel auch etwas mit ihm unternehmen. Natürlich kämpft auf dem Platz jeder für seinen Verein. Aber wir können neben dem Platz trotzdem gute Freunde sein. 

Er schließt gerne Wetten ab. Hat er schon eine angeboten?
Nein. Wenn einer von uns nicht spielt, macht die Wette nicht so viel Spaß. Dann könnte ich ihn danach nicht damit aufziehen (grinst).

Dortmund steht viel besser da als vor dem letzten Derby. Welche Rolle spielt Trainer Lucien Favre?
Eine sehr große natürlich. Er ist ein wirklich sehr, sehr guter Trainer, er hilft vielen Spielern dabei, sich weiterzuentwickeln, sich nicht auszuruhen auf dem, was sie bisher erreicht und wie sie gespielt haben. Er macht immer deutlich, dass man weiter machen muss, dass noch nichts erreicht ist. Mir sagt er beispielsweise, dass ich in der einen oder anderen Situation meinen ersten Kontakt verbessern muss. Oder die Passgenauigkeit. Oder die Art, wie ich die Pässe spiele.

Ist er wirklich so detailversessen?
Ja. Wenn er in Interviews sagt, dass noch viel Arbeit vor uns liegt, dann meint er das auch wirklich so.

Ist es schwer, ihn zufrieden zu stellen?
Nein, das nicht. Er lobt uns durchaus auch. Aber er zeigt auch immer auf, dass wir uns noch weiter verbessern können.

Sie sind inzwischen mit 23 meist der ältere Innenverteidiger…
Ja, und ich übernehme da auch gerne mehr Verantwortung. Mir gefällt das, und ich schätze auch das Vertrauen, das ich vom Trainer und von meinen Mitspielern bekomme.

Warum ist das so?
Schwer zu sagen, ich bin einfach so. Viele sagen, dass ich auf dem Platz eine sehr gute, sehr ruhige Ausstrahlung habe. Ich kann auch nicht sagen, warum es so ist. Das ist einfach mein Naturell.

Sie wollen gerne Titel gewinnen. Wie realistisch ist das beim BVB?
Das werden wir sehen. Wir werden alles dafür tun, dass es in diesem Jahr mit einem Titel klappt. Welcher auch immer. Man kann nie wissen, was am Ende rauskommt, aber ich werde alles dafür tun, dass wir in diesem Jahr eine Trophäe gewinnen können.

Interview: Sebastian Weßling

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