Mit 35 Jahren hat Borussia Dortmunds Lukasz Piszczek noch „Hunger und will noch was erreichen“. Mental sei der Pole zudem nicht verbrannt. Doch war das nicht immer so.

Bundesliga

BVB: Piszczek fühlte sich "verbrannt" - Karriereende in Polen

Tim Rother
15. Juni 2020, 10:22 Uhr
Seit 2010 beim BVB: Lukasz Piszczek. Foto: dpa.

Seit 2010 beim BVB: Lukasz Piszczek. Foto: dpa.

Mit 35 Jahren hat Borussia Dortmunds Lukasz Piszczek noch „Hunger und will noch was erreichen“. Mental sei der Pole zudem nicht verbrannt. Doch war das nicht immer so.

Seit nun fast genau einem Jahrzehnt (!) trägt Lukasz Piszczek das Trikot von Borussia Dortmund. Der Pole, der seinen Vertrag beim BVB jüngst bis Sommer 2021 verlängert hat, ist mit 35 Jahren aktuell der älteste Spieler im Kader – was seinen Erfolgshunger jedoch nicht weniger sättigt: „Ich will noch etwas erreichen“, sagte der Verteidiger in einem Interview mit dem Kicker. Mental sei er zudem nicht verbrannt, doch war das offenbar nicht immer so.

Piszczek über seine Mental-Krise: „Es gab durchaus mal eine Zeit, in der ich mich verbrannt fühlte. Da habe ich begonnen, mit meinem Sportpsychologen zu arbeiten. Mit ihm treffe ich mich einmal im Monat, er kommt für zwei, drei Tage für ein paar Meetings aus Polen nach Dortmund. Dafür muss ich einiges an Zeit investieren. Nur so geht es: Die Leute sehen mich 90 Minuten auf dem Platz. Um dort gut zu performen, muss ich mehr tun, als nur körperlich fit zu sein.“

„Ich machte mir zu viel Druck und hatte den Spaß ein bisschen verloren“

Nach seiner Hüft-Operation unmittelbar nach dem Champions-League-Finale 2013 gegen Bayern München habe es rund acht Monate gedauert, bis Piszczek wieder zurück auf den Platz konnte. „Ich hatte große Erwartungen, dass ich gleich wieder mein altes Leistungsniveau erreiche. Doch es lief nicht nach meinem Geschmack“, führte der Defensivmann weiter aus. „Ich machte mir zu viel Druck und hatte den Spaß ein bisschen verloren.“

Später sei der Spaß dann wieder zurückgekommen, doch erwies sich diese Krise als langwieriger Prozess: „[Es] waren viele Gespräche nötig. Danach mit diesen Gesprächen aufzuhören, wäre grundfalsch gewesen. Ich brauche einen Menschen, mit dem ich meine Probleme – im Fußball und im Alltag – ehrlich diskutieren kann. Ohne ihn wäre es nicht möglich gewesen, dass ich so lange auf diesem Niveau spiele.“

Piszczek plant Karriereende in Polen

Seine sportliche Karriere möchte Piszczek nach seinem Vertragsende in Dortmund gerne bei seinem Heimatverein LKS Goczalkowice (5. Liga) ausklingen lassen, bei dem sein Vater auch Vize-Präsident ist. „Ich will mit Freunden […] noch etwas spielen und mich um meine Nachwuchs-Akademie kümmern“, sagte der Routinier, der dort bereits als Namens- und Geldgeber engagiert ist.

Auf die Frage, ob der BVB Piszczek ein Abschiedsspiel versprochen habe, erklärte der 35-Jährige: „Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Solche Spiele sind schön – nur stehe ich nicht so gern im Mittelpunkt. Mein Abschied aus der Nationalmannschaft war im vergangenen Jahr sehr emotional, aber das reicht. Ich muss das nicht unbedingt ein zweites Mal haben.“

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15.06.2020 - 16:53 - Webcam

Sehr klug, auf diese Weise gut für sich selbst zu sorgen - macht ihn mir noch einmal sympathischer, als er ohnehin ist. Viele hätte sich nicht getraut, zuzugeben, dass sie sich coachen lassen, um besser mit dem Profidasein klarzukommen und auch mental fit zu sein und den Spaß am Spiel zu behalten.

Echte Lichtgestalt im Fußball.

15.06.2020 - 10:34 - Spieko

Lukasz Piszczek hat immer alles gegeben, seine Leistungen waren stets sehr gut.
Ein charakterstarker und großartiger Fußballer und Mensch, der nie im Mittelpunkt stehen möchte.
Und zu seinem Vorhaben nach der Karriere in Polen kann man nur gratulieren und ihm viel Glück wünschen.