Wolfgang „Teddy“ de Beer arbeitete von 1986 bis 2018 beim BVB als Spieler und Torwarttrainer. Der beliebte Ex-Torwart spricht mit RevierSport exklusiv über seine Karriere und das kommende Revierderby.

Interview

BVB-Legende "Teddy" de Beer über Höhen, Tiefen und Jürgen Klopp

Fabrice Nühlen
14. Mai 2020, 13:52 Uhr
Bis 2018 war "Teddy" de Beer Torwart-Trainer bei Borussia Dortmund. Foto: firo

Bis 2018 war "Teddy" de Beer Torwart-Trainer bei Borussia Dortmund. Foto: firo

Wolfgang „Teddy“ de Beer arbeitete von 1986 bis 2018 beim BVB als Spieler und Torwarttrainer. Der beliebte Ex-Torwart spricht mit RevierSport exklusiv über seine Karriere und das kommende Revierderby.

Er ist eine Legende bei Borussia Dortmund: Die Rede ist von Wolfgang de Beer. Der heute 56-Jährige absolvierte über 200 Pflichtspiele für den BVB und war 16 Jahre lang Torwarttrainer. Mittlerweile ist „Teddy“ bei Borussia Dortmund Fanbeauftragter.


Wolfgang „Teddy“ de Beer, nach dem Wechsel 1978 vom TV Jahn Hiesfeld zum MSV Duisburg spielten Sie bis 1986 für den MSV. Was war Ihr schönstes Erlebnis mit Duisburg?
Es war eine schöne Zeit. Ich habe 1982 mit 18 Jahren mein erstes Bundesliga-Spiel gegen Werder Bremen absolviert. Trotz der 1:5-Niederlage in Bremen war das persönlich eine tolle Erfahrung. Außerdem war es sehr beeindruckend als junger Spieler mit erfahrenen Akteuren wie Bernard Dietz zusammenspielen zu können

1986 folgte dann, nach dem Abstieg des MSV aus der zweiten Liga, der Wechsel zu Borussia Dortmund. Zunächst waren Sie als Ersatztorwart hinter Rolf Meyer vorgesehen. Meyer verletzte sich dann aber in der Vorbereitung schwer und Sie wurden zum Stammtorwart befördert. Im ersten Ligaspiel zeigten Sie gegen den FC Bayern München eine gute Leistung. War das Spiel richtungsweisend für den Verlauf Ihrer Karriere?
Dortmund suchte damals einen jungen Torwart aus der Region. Beim Spiel gegen Hertha BSC mit Andreas Köpke im Tor wurde ich beobachtet und habe den BVB-Verantwortlichen anscheinend besser gefallen als Andreas. Ich habe dann in der ersten Partie gegen Bayern meine Chance genutzt und wurde direkt mit unserem Co-Trainer Reinhard Saftig ins Sportstudio eingeladen. In meiner ersten Saison war ich auf Anhieb Stammtorwart und wir wurden Tabellenvierter. 

1989 holten Sie mit dem BVB im Finale gegen Werder Bremen (4:1) den DFB-Pokal. War das Ihr schönster Moment mit Dortmund?
Da ich die Nummer eins war und der DFB-Pokal der erste Titel seit vielen Jahren war, würde ich das unterschreiben. Für die Zukunft war dieser Erfolg extrem wichtig. Die Meisterschaften 1995 und 1996 sowie der Champions League-Titel im Jahr 1997 waren aber ebenfalls sehr schön, obwohl ich dort nur zweiter Torwart war.

1991 verdrängte Sie Stefan Klos aus der Startelf. Trotz Angebote von anderen Vereinen sind Sie dem BVB bis zum Ende der Karriere treu geblieben. Was hat den Ausschlag dafür gegeben?

Ich hatte mir meine Fußball-Heimat in Dortmund aufgebaut und wollte meine Karriere unbedingt beim BVB beenden. Der Verein hat mir trotz meiner schweren Verletzung (Schien und Wadenbeinbruch 1993, Anm. d. Red.) Vertrauen geschenkt und mich stets unterstützt. Das war ausschlaggebend für meine Entscheidung. 


War die schwere Verletzung Ihr schlimmster Moment in der Karriere?
Es war definitiv eine einschneidende Sache mit 29 Jahren. Sportlich war mein Tiefpunkt ein Spiel mit dem MSV beim VfR Bürstadt am 08. September 1984 in der 2. Bundesliga. Ich habe ein schlechtes Spiel gemacht und in der ersten Hälfte fünf Tore reinbekommen. Daraufhin wurde ich zur Halbzeit ausgewechselt. Das war bitter.

Nach Ihrer sportlichen Laufbahn waren Sie von 2002 bis 2018 Torwarttrainer beim BVB. Wie sehr hat Sie diese Zeit geprägt?
Es war eine tolle und unvergessene Zeit. Uns hat zu Beginn die Konstanz gefehlt. Dann kam Jürgen Klopp zum richtigen Zeitpunkt. Er hat von den Spielern immer eine „Vollgasveranstaltung“ gefordert. Am Ende seiner Rede sagte er: „Und das ist kein Vorschlag“. Das war schon sensationell. Auch die Jahre mit Roman Weidenfeller waren toll. Ich habe gesehen, wie er sich weiterentwickelt hat und habe 2018 zusammen mit ihm meinen Abschied beim BVB gefeiert.

Wer war der beste Mitspieler in Ihrer aktiven Zeit und in den Jahren als Torwarttrainer?
Das ist brutal schwierig. In meiner Spielerlaufbahn gab es so viele gute Spieler: Ewerthon, Jürgen Kohler, Julio Cesar oder Stephane Chapuisat. Wenn ich aber jemanden hervorheben muss, würde ich mich für Andreas Möller entscheiden. Er hat alles gewonnen und war stets ein wichtiger Leistungsträger. In meiner Zeit als Torwarttrainer würde ich Robert Lewandowski wählen. Er ist außergewöhnlich und spielt auch heute noch auf unfassbarem Niveau.

Am Samstag steigt das große Revierderby zwischen dem BVB und Schalke 04 als Geisterspiel. Was erwarten Sie von dem Derby und wie lautet Ihre Prognose?
Die Frage ist schwierig zu beantworten. In Derbys zählt die Tabellenkonstellation nicht. Es ist eine außergewöhnliche Situation und beide Teams haben die gleichen Voraussetzungen. Die Atmosphäre wird natürlich anders sein und keiner Mannschaft in die Karten spielen. Für mich stehen die Chancen „50:50“. 

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