Chaos total beim Wuppertaler Sportverein. Erst treten diverse Vorstands- und Verwaltungsratsmitglieder zurück und plötzlich kehrt Alexander Eichner als Vorstandssprecher zurück. Ein Kommentar.

RL

Bölstlers Tage dürften beim WSV gezählt sein

01. März 2019, 17:29 Uhr

Foto: Thorsten Tillmann

Chaos total beim Wuppertaler Sportverein. Erst treten diverse Vorstands- und Verwaltungsratsmitglieder zurück und plötzlich kehrt Alexander Eichner als Vorstandssprecher zurück. Ein Kommentar.

Noch vor wenigen Wochen schien beim Wuppertaler SV wieder alles gut zu sein. Nach der Bekanntgabe der finanziellen Schieflage wurden Leistungsträger abgegeben und eine Crowdfunding-Aktion ins Leben gerufen, um die aktuelle Saison zu retten und das Etat-Loch zu stopfen. Mit Erfolg. 

Stadt, Fans, Sponsoren standen wie eine eins hinter dem Wuppertaler SV und zeigten das, was so lange von Finanzchef Lothar Stücker und Sportchef Manuel Bölstler propagiert wurde: eine rot-blaue Einheit. In schweren Zeiten zeigt sich die wahre Stärke einer Familie, einer Freundschaft, einer Firma oder auch eines Fußballvereins. Die Fans zeigten, dass sie auch zum WSV stehen, wenn dieser ihre Hilfe - in finanzieller Hinsicht - benötigt.

Nach der erfolgreichen Crowdfunding-Aktion sollte es auf in bessere Zeiten gehen
. Doch nichts da! Interne Querelen und Streitereien führten nur wenige Wochen nach der finanziellen Rettung des WSV zum Chaos, zu Machtkämpfen hinter den Kulissen. Da sollte beispielsweise die Geschäftsführerin und Vorstandsmitglied Maria Nietzsche zu einem Rücktritt bewegt werden. Warum? Das wissen nur diejenigen, die Nietzsche dazu bewegen wollten. Ein fader Beigeschmack bleibt.

Dass ausgerechnet Lothar Stücker und Manuel Bölstler ihre Rücktritte, die Gesichter des WSV, als Vorstände bekanntgaben, kam zu diesem Zeitpunkt, zu Wochenbeginn, sehr überraschend. Die Fans haben dem WSV in den schweren Tagen und Wochen unter die Arme gegriffen. Stücker und Bölstler haben sich nun davongemacht. Bölstler dazu noch im wahrsten Sinne des Wortes. Mitten im Chaos verabschiedete er sich in einen einwöchigen Urlaub in die portugiesische Sonne. Einen ungünstigeren Zeitpunkt hätte er nicht finden können. Doch er will zurückkehren - zum WSV zurückkehren. Denn den Posten als Sportlicher Leiter will der Ex-Profi behalten - wie vertraglich vereinbart. 

Lesen Sie auch: WSV-Führung stellt sich nach dem Beben neu auf

Diese Rechnung hat er wohl ohne Alexander Eichner gemacht. Den neuen starken Mann beim WSV, der als Vorstandssprecher an die Hubertusallee zurückgekehrt ist. Einst ging Eichner, weil er Bölstler nicht mehr Macht im Verein geben und diesen nicht zum Sportvorstand ernennen wollte. Bölstler setzte sich jedoch durch und erhielt einen neuen Vertrag als Sportvorstand und Sportlicher Leiter bis zum 30. Juni 2020. Das war nicht im Sinne Eichners. Offiziell hieß es, dass Eichner zurücktrat, weil ihn berufliche Dinge dazu zwangen. Das war aber nur die halbe Wahrheit. Er handelte konsequent, konnte sich mit dem neuen Weg des WSV nicht mehr identifizieren und nahm seinen Hut. 

Eichner stand für ein konservatives finanzielles Geschäftsmodell ein. Heißt: Eichner wollte den WSV finanziell sanieren und keine Risiken eingehen - sportliches Regionalliga-Mittelmaß oder gar Abstiegskampf einkalkuliert. Stücker und Bölstler sahen dies anders. Sie wollten angreifen und den WSV bis 2020 wieder in der Sportschau sehen. Der Drittliga-Aufstieg sollte her. Welche Risiken der WSV dafür eingegangen ist, hat man in der vergangenen Winterpause gesehen.

Dass weder Stücker noch Bölstler sich einer Schuld bewusst sind, ist ihre persönliche Einschätzung. Klar dürfte es aber für jedermann sein, dass ein Finanzchef, der einen Überblick über die Zahlen des Vereins haben muss, und ein Sportchef, dem die Zahlen für etwaige Transferaktivitäten vorgelegt werden, genau wissen sollten, was sie tun. 

Sportlicher Erfolg spricht für Manuel Bölstler


Man muss an dieser Stelle aber auch deutlich betonen, dass der sportliche Erfolg für Manuel Bölstler spricht. Regionalliga-Aufstieg, Tabellenplatz zwei und Niederrheinpokal-Finale und -Halbfinale: Diese jüngsten Erfolge des Wuppertaler Sportvereins sind eng mit den Namen Bölstler verbunden. Spielertransfers wie die von Andreas Ivan (New Yord Red Bulls), Christopher Kramer (TSV Steinbach) oder Jonas-Erwig Drüppel (Rot-Weiss Essen) ebenfalls. Bölstler konnte immer wieder sehr gute Spieler zum WSV locken - trotz großer Konkurrenz. Diese Frage muss aber aufgrund der jüngsten finanziellen Schwierigkeiten auch erlaubt sein: Zu welchem Preis erhielt der WSV die Erfolge der letzten Jahre?


Ob die Rücktritte von Stücker und Bölstler eine Flucht nach vorne oder doch vielleicht Schuldeingeständnisse sind, bleibt offen. Denn die Rücktrittserklärungen lassen einige Fragen übrig.

Eichner muss die Bölstler-Personalie lösen und beantworten - im Sinne des Vereins

Jetzt ist Eichner da. Die Frage muss erlaubt sein: Wie lange wird Bölstler noch beim WSV das sportliche Sagen haben? Zumal es im Umfeld brodelt. Den "halben Rücktritt" von Bölstler kann kaum jemand unter den WSV-Fans für gut heißen. Zudem: Es ist kaum vorstellbar, dass sich Eichner und Bölstler noch einmal aussprechen und alles auf Null stellen. Zu unterschiedlich sind ihre Philosophien. Eichner (58), der konservative Zahlenmensch, und Bölstler, der 35-jährige, hoch ambitionierte Manager, der den Verein, aber natürlich auch sich selbst nach vorne bringen will. Problem: Bölstler besitzt in Wuppertal noch einen gut dotierten Vertrag bis Sommer 2020. Rückkehrer Eichner ist sofort gefragt und muss Lösungen liefern - mit oder ohne Bölstler, aber: im Sinne des Vereins.

Autor: Krystian Wozniak

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Mannschaften

Rubriken

Kommentieren

04.03.2019 - 16:00 - van melk

Ach , sorry jetzt hab ich das mit Sal. Oppenheim verwechselt.

04.03.2019 - 15:55 - van melk

Seit heute Morgen 9:30 Uhr können die Prämien aus der Crowdfunding-Kampagne des Wuppertaler SV auf der Geschäftsstelle abgeholt werden.
@ Julius.Oppermann : nix Anleihe !
Ihr Name ist Programm , Sie denken zu sehr als Banker.
Stellen Sie sich vor, es gibt tatsächlich Menschen , die geben gerne etwas aus Leidenschaft und Verbundenheit um ihren Verein zuretten. Etwa 2.000.

Einen Grillabend mit dem Spieler meiner Wahl aus der ersten Mannschaft bekomme ich beim BVB nicht.
Und da kann man auch nicht neben Marco Reus auf der Tribüne sitzen, jedenfalls nicht für 8 Euro.
Ich durfte schon einmal neben einem unser verletzten Spieler sitzen und 90 min. mit ihm philosophieren.
Mir gibt das mehr, als zu Hause Sky schauen , weil ich keine Karten mehr für den BVB bekomme.

Das stärkt die Identifikation mit Verein und Stadt, denn ich bin hier geboren.

02.03.2019 - 08:29 - Julius.Oppermann

Wenn der Verein auf "Insolvenz" macht, bekommen die Spender nichts. Ich nehme an, Sie spielen auf die Zinsen an, die es wohl für die Anleihe gibt. So ein großer Insider bin ich nicht.

Es geht darum, dass die nächste Finanzlücke kommt, bei der dann wieder zum Spenden aufgerufen wird. Das ist so ähnlich wie bei Merkels EU, wo der "Junkie" Griechenland z. B. immer wieder Milliarden EURO-Rettungsschirm braucht. Das Geld wird man nie mehr wieder sehen.
Wuppertal kann allenfalls weiter machen bis zum Saisonende. Dann braucht man die nächste Tranche an Spenden.

02.03.2019 - 08:20 - Jünther, Jötz und Jürgen

Julius, Julius!
Was hat der Profisport aus dir gemacht? Einen Alkoholiker? Deine Einstellung hört sich nach Frustsaufen statt Crowdfunding an.
1. Jeder Beteiligter erhielt eine Gegenleistung. 2. Schaut man sich die Regionalliga an, haben oder werden in den nächsten Jahren viele Vereine gleiche oder ähnliche Probleme bekommen. 3.Wer seinen Traditionsverein liebt, sollte ihn bewahren und nicht an Investoren verhökern. 4. Die 50 zu 1 Regelung darf nicht kippen.
.... ach ja. Und wer selbst etwas für seinen Verein tut bekommt etwas Unbezahlbares. Ein gutes Gefühl und eine noch engere Bindung zu diesem. Also prakisch wird man ein ,,Ultra inkoknito´´.

02.03.2019 - 06:43 - Julius.Oppermann

Die Dummen sind jene, die beim "crowdfunding" Geld ausgaben. Hätten sie nur lieber ihr Geld versoffen. Dann hätten sie mehr davon gehabt, als das Sterben eines Clubs in der Regionalliga zu verlängern.
Ich befürchte, die Watnnenschieder Spender waren auch nicht klüger.

01.03.2019 - 22:31 - Cronenberger

@am Zoo
Die RS ist mir eigentlich Wurscht!

Mich interessiert auch nur der WSV!

Natürlich freue ich mich über diese schnelle positive Entwicklung im Vorstand und VWR!
Ich hoffe auch, daß man vielleicht den einen oder anderen abgesprungenen Sponsor wieder zurück ins Boot holen kann, der auch unter Stücker vergrault wurde!
Weil ohne die geht‘s nunmal nicht.

Man muß auch alles versuchen, diesesmal die RL zu halten!

Nur wird das für die Neuen eine Mammutaufgabe!
Ich hoffe auch das es gelingt!

Hoffentlich honoriert das Publikum diesen Kraftakt und wird auch durch die örtliche Presse unterstützt!
Allein mir fehlt der Glaube an soviel Glück!

Aber die Hoffnung bleibt und hoffen wir das es gelingt!

01.03.2019 - 21:14 - am Zoo

Tolle Aussage @ Cronenberger - oftmals hast du Recht!!!
Was diesen Hern W. angeht bestimmt nicht :-) Dafür verbürge ich mich. In keiner Aussage muss man ihm Recht geben!!! Frag mal die RWE Fans :-)
Jetzt mal hier nicht für Furore sorgen, besser zusammenhalten!!!!!
Das ist hier ein Ruhrgebietsforum!!!!
Ab mit dir und deinen Kumpels ins SAZ beim nächstem Heimspiel - oder glaubst du daran das ich
hier meine …...was auch immer
Nur und auch weiterhin der WSV!!!!
Was machen wir Taler denn, wenn es den Club nicht mehr gibt ???????? Werden wir RWO Fans???????
Schmunzel

01.03.2019 - 20:59 - Cronenberger

@am Zoo
Ich tue es nicht gerne, aber in gewissen Details mußman Herrn wozniak leider recht geben!
Fakt ist nunmal, das Trio Stücker, Bölstler und Lenz hat sich böse verzockt und wollte offensichtlich jemand anderen zum Sündenbock machen!

Herr Lenz hat gestern noch in der WZ ein Interview abdrücken lassen, in dem er selber zugegeben hat, daß der gesamte Vorstand zu jeder Zeit über die negative Finanzsituation informiert war.
Das diese Details natürlich nicht nach Außen dringen sollten, kann man sich denken!

Daher war ja auf Nachfragen, selbst auf der letzten JHV nie eine genaue Auskunft erteilt worden, sondern nur der Hinweis, wer genauere Infos haben wolle, könne die Geschäftsberichte jederzeit einsehen. Wohlwissend, daß ein Laie da kaum durchblicken könnte!

Daher kamen ja nicht zuletzt die Vorwürfe der Intransparents auf.
Auch die tatsächliche Schuldenhöhe wurde erst nach der Crowdfundingaktion bekannt gegeben!
Lenz hat ja in dem Interview selber auch zugegeben, dass die Schulden von Anfang an aufgelaufen seien, was auch dem Vorstand bekannt war!

Insofern kann man die Rücktritte tatsächlich fast wie Eingeständnisse sehen!
Spätestens auf der JHV wäre es für die drei äußerst unangenehm geworden!
Dort hätten sie Rede und Antwort stehen müßen!!!

Da macht sich doch lieber schnell vom Hof und hinterlässt den Nachfolgern den Scherbenhaufen zum zusammenkehren.

Das besondere, pikante Geschmäcklerisch bekommt das Ganze dann noch durch die Unverschämtheit, sich noch den gut bezahlten Job erhalten zu wollen!
Dann sollen die Herren Stücker und Bölstler doch auch, wenn möglich. Für den Mist den sie fabriziert haben, haften!
Schließlich haben sie, inkl. Herrn Lenz dieses Chaos auch verursacht!

Wie will man dem neuen Vorstand auch noch zumuten, mit Herrn Bölstler noch vertrauensvoll zusammen zu arbeiten?

Also mindestens den alten Vorstand auf der JHV nicht entlasten, um sich Regress Ansprüche offen zu halten.
Haben die ja schließlich im Fall Runge auch gemacht!

Also gleiches Recht für alle!

Jetzt bitte alles auf den Tisch und ein für alle Mal aufräumen!

01.03.2019 - 20:06 - Jünther, Jötz und Jürgen

Hotte. Die Fans müssen dir nicht leid tun. Wirklich nicht. Ein Großteil des Restverwaltungsrats, bestehend aus echten Freunden und Fans, haben diesen Wechsel in den letzten Tagen bewirkt. Fans haben erfolgreich die Crowdfunding-Aktion begleitet, sind mit in die Entscheidungen der letzten Tagen involviert und sind mit einer neuen Faninitative enger zusammengerückt.
Zudem hat man sehr viel Solidarität aus anderen Stadien des Landes erhalten. Eine tolle Bestätigung für eine gute Fankultur beim WSV. Besser kann es natürlich immer sein - aber es wird schon weitergehen. Besser man macht selber als man lässt machen. Man hängt dann noch mehr an dem Geschafften. Finden wir.

01.03.2019 - 20:01 - toto-herne

@grünwwisser alias Örly,

bitte nicht die Luftpumpe Bölstler. Der war echt der schlechteste der je bei uns in Herne war. Dicht gefolgt von seinem nachverpflichteten Freund Holger Worthmann.
Die beiden waren echt das Letzte.

Dem WSV kann man nur gratulieren wenn der weg ist!

01.03.2019 - 19:45 - Hotteköln

Was für ein Chaos. Ist das auch ein Chaos-Club? Glaube ich nicht. Liegt wohl eher an der Führung. Mir tun nur die Fans leid.

01.03.2019 - 19:19 - faser1966

Wie ? Wir werden seit 8 Jahren belogen???
Das stimmt so nicht, wir werden verarscht, nach Strich und Faden. HaHaHa
So wie alle Fans, in allen Vereinen.
Jeder ist sich selbst der nächste.
Schönen Abend noch.

01.03.2019 - 19:06 - am Zoo

Sehr geehrter Herr Krystian Wozniak:
Wie Sie die Tatsachen verdrehen und negativ darstellen!!!!!
Ihnen gehört mein größter Respekt.
Nun kehren Sie doch bitte einmal den Scherbenhaufen bei RWE aus den letzten Jahren ähnlich auf.
Wie viele Jahre wird RWE Fans der Aufstieg versprochen???? 8Jahre in etwa??????
Wir machen weiter, immer weiter und es geht auch weiter!!!!
Bei Ihnen geht es immer nur "Bergab" Herr Wozniak!!!!, mit den Beiträgen

01.03.2019 - 19:04 - grünweisser

Wenn ich der Verantwortliche in Herne wäre, würde ich alle, die da jetzt rumlaufen, ganz schnell in die Wüste schicken und den Manuel Bölstler für einen kompletten Neuaufbau holen.
Der war ja schon mal in Herne und kennt sich hervorragend dort aus.
Das könnte noch eine Chance für den Verein sein.

01.03.2019 - 19:00 - Überdingen

....oh...solide Pesonalpolitik.Aber was sollen wir davon lernen?
Ist Geld da....werden Menschen entsorgt...und sacken sich ne dicke Abfindung ein.
Ist keins da....Chaos al`a wsv....ole...;))
....köstlich:)

01.03.2019 - 18:52 - zivilpolizei

Den Fans den letzten Groschen aus der Tasche "gelogen" um eine Insolvenz abzuwenden.

Jetzt ist das Geld da und der Verein lässt seine letzten Fans im Stich.

Das nennt man wohl ausnutzen.

Respekt !!!!