Die Ausbreitung des Coronavirus hat den Fußball in Deutschland lahmgelegt. Viele Klubs stellt das vor große Probleme. VfL-Geschäftsführer Ilja Kaenzig hat nun Kritik am Geschäft geübt.

VfL Bochum

Bochum-Boss kritisiert Fußballblase: "Waren wie Junkies"

25. März 2020, 13:43 Uhr
VfL-Geschäftsführer Ilja Kaenzig. Foto: firo

VfL-Geschäftsführer Ilja Kaenzig. Foto: firo

Die Ausbreitung des Coronavirus hat den Fußball in Deutschland lahmgelegt. Viele Klubs stellt das vor große Probleme. VfL-Geschäftsführer Ilja Kaenzig hat nun Kritik am Geschäft geübt.

"Fußball ist ein Volkssport. Wir waren aber drauf und dran, daraus eine Unterhaltungsshow zu machen; "Let me entertain you" ist nicht Fußball!", sagte Kaenzig dem Schweizer Nachrichtenportal nau.ch. Demnach seien in der Vergangenheit steigende Einnahmen, Rekordablösen und die Darstellung auf den eigenen Social-Media-Kanälen für viele Akteure wichtiger geworden, als die Rückbesinnung auf sportliche Facetten. 


Bei seiner Kritik nimmt der Geschäftsführer des VfL Bochum sich selbst und andere Vereinsbosse aber nicht aus - und präsentiert mit deutlichen Worten ein Beispiel: "Wir waren wie Junkies. Abhängig von der Droge Fernsehgeld. Und dieses floss direkt in die Spielerlöhne, so hat sich alles hochgeschaukelt." Wenn sich dann Löcher im Budget aufgetan hätten, wurde einfach ein wertvoller Spieler verkauft. In Zukunft werde man nach Ansicht des Schweizers erst einmal sehr demütige Budgets sehen.

Kaenzig: Transfermarkt wird sich abkühlen

Für den 46-Jährigen gilt in erster Linie, dass der VfL diese Saison liquiditätsmäßig übersteht. Um das Produkt Fußball macht er sich grundsätzlich keine Sorgen: "Die Sehnsucht danach wird immer größer. Es geht primär darum, die Einnahmeausfälle zu überbrücken. Das schafft der Fußball, so Kaenzig. Bezogen auf den Transfermarkt sieht er sogar reinigende Maßnahmen.


"Viele Ablösen basierten auf dem Prinzip, dass jemand später noch mehr zahlen wird. Und weniger auf dem, was ein Spieler tatsächlich zur Klubentwicklung beiträgt. Der Transfermarkt kühlt ab, das ist nicht schlimm", betonte der Bochumer Vorstandssprecher. Klar sei aber, dass einige Klubs ihre Geschäftsmodelle anpassen müssen: "Es hieß zuletzt: '30 Millionen sind das neue Ablösefrei'. Jetzt gilt wieder die Logik: 'Ablösefrei ist das neue Ablösefrei.'"

Kaenzig kann sich Geisterspiele vorstellen

Wann der Ball in der 2. Bundesliga wieder rollen kann, weiß auch Kaenzig derzeit nicht. Mit der Option von Geisterspielen könnte er sich aber inzwischen anfreunden. "Es gilt, die Saison zu beenden, und wenn dies mittels Spielen ohne Zuschauer geschieht. Dafür müssen die behördlichen sowie gesundheitlichen Bedingungen natürlich erfüllt sein", betonte Kaenzig. 

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