04.12.2018

VfB Kirchhellen

Bartosz Maslon rockt mit seiner „Partytruppe“ die Kreisliga

Foto: Thomas Gödde

Ohne Punktverlust steht der VfB Kirchhellen an der Tabellenspitze der Kreisliga A1 Gelsenkirchen. Auch weil der Trainer seiner Mannschaft voll vertraut und ihr ihre Freiheiten auf den Kirchhellener Dorffesten lässt.

16 Spiele, 16 Siege, 68:7 Tore: Es sind beeindruckende Zahlen, die der VfB Kirchhellen in der aktuellen Spielzeit der Kreisliga A1 Gelsenkirchen vorweisen kann. Nach der perfekten Hinrunde mit 15 Siegen aus 15 Spielen glückte am vergangenen Sonntag auch der Rückrunden-Auftakt. Mit 6:0 gewann der VfB souverän gegen den Tabellenletzten DJK TuS Rotthausen 1910 II.

„Wir sind im Moment einfach sehr gut drauf“, lobt Trainer Bartosz Maslon seine Mannschaft. Dennoch weiß der Coach, dass der Lauf seines Teams keine Selbstverständlichkeit ist. „Wir müssen uns auf jedes Spiel neu konzentrieren“, mahnt Maslon. „Wir dürfen nicht abheben!“

Dass es dazu kommt, dürfte jedoch nicht allzu wahrscheinlich sein. Schließlich bescheinigt er seinen Jungs allen eine „gute Erziehung“. Fast sämtliche Spieler kommen aus Kirchhellen und kicken bereits seit der Jugend zusammen beim VfB. „Das sind alles faire Sportsmänner“, schwärmt Maslon von seinen Spielern.

Auch in der Fairnesstabelle auf Platz eins


In der Tat: Auch in der Fairnesstabelle grüßt der VfB Kirchhellen von der Tabellenspitze. Erst einen Platzverweis kassierten die Bottroper in dieser Saison, hinzu kommen 24 gelbe Karten. „Die Jungs bewahren immer die Ruhe, auch wenn es auf dem Platz mal hitziger zugeht“, freut sich Maslon. „So eine Truppe kann man jedem Trainer nur wünschen.“ Gleiches gilt für seinen Co-Trainer Michael Terwellen. „Wir ergänzen uns perfekt“, ist Maslon von der Zusammenarbeit im Trainerteam begeistert. „Das macht sehr viel aus.“

Dank der starken Leistungen auf dem Platz fällt es dem Trainer leichter, bei seinen Spielern auch mal ein Auge zuzudrücken, wenn in Kirchhellen mal wieder eine Feierlichkeit ansteht. „Wenn ein Spieler zu mir kommt und sagt: 'Trainer, nächste Woche ist Oktoberfest im Dorf, da würde ich gerne etwas länger bleiben, geht das?' Dann sage ich: 'Kein Problem! Wenn es am Sonntag nicht reicht, spielt eben jemand anderes.' Unser Kader ist breit genug.“

Dabei gibt Maslon zu, dass es eine gewisse Zeit gebraucht hat, bis Trainer und Mannschaft sich aufeinander eingestellt hatten. „Wir mussten uns erst finden“ erzählt der 32-Jährige. Nun weiß er aber, dass er seinen Spielern in Sachen Dorffesten auch mal ihre Freiheiten lassen kann – schließlich zahlen sie ihm sein Vertrauen mit Leistung zurück.

Ohnehin ist Maslon davon überzeugt, dass ein Trainer heutzutage mehr sein muss als ein „harter Hund“: „Du musst heute viel mehr Psychologe und Pädagoge sein, mal die lange Leine geben, dann wieder deutliche Worte finden.“ Erfahrung in dieser Hinsicht hat Maslon in jedem Fall nachzuweisen: Hauptberuflich arbeitet der gebürtige Pole als Grundschullehrer. „Auch hier kommt es auf viel Fingerspitzengefühl im Umgang an“, zieht er eine Parallele zwischen seinen beiden Tätigkeiten.


Vertrauen zahlt sich aus

Maslons Vertrauen in die Mannschaft zeigt sich auch darin, dass der Verein sowohl bei seinem Amtsantritt im Juni 2016 als auch in diesem Sommer auf große Transferaktivitäten verzichtete. „Ich möchte den Aufstieg in die Bezirksliga mit diesen Jungs schaffen“, betont Maslon. Das habe er ihnen versprochen. „Ich will ihnen dabei helfen, ihre Ziele zu erreichen und die Jungs weiterentwickeln“, erklärt Maslon.

Weiterentwickeln will sich auch Maslon selbst. Der 32-Jährige ist ehrgeizig und strebt nach Höherem. Die Kreisliga soll für ihn nur eine Durchgangsstation sein. Schließlich war der gebürtige Pole schon in weitaus höheren Gefilden tätig. In der Jugend spielte Maslon für Rot-Weiss Essen, Wattenscheid 09 und Rot-Weiß Oberhausen. Sogar für die polnische U16 lief er auf.

Im Seniorenbereich stehen für ihn drei Oberligaspiele für die SSVg Velbert 02 zu Buche, zudem zählte er in der Saison 2013/14 zum Regionalligakader der SG Wattenscheid 09. Dort stieg er dann nach seiner aktiven Karriere auch als Trainer im Nachwuchsbereich ein.

Interimstrainer in Polens zweiter Liga

Es folgte der Wechsel in die Knappenschmiede des FC Schalke 04, wo Maslon die U13 trainierte und als Sichtungstrainer für den Klub aktiv war. Das bisherige Highlight seiner Trainer-Laufbahn dann im September 2016: Für zwei Spiele wurde Maslon Interimstrainer beim polnischen Zweitligisten Stal Mielec. Für den Klub war er bereits nach seiner Zeit in Velbert als Spieler aufgelaufen.

Immerhin einen Sieg holet Maslon mit Stal Mielec aus den beiden Spielen. Im Spiel gegen GKS Katowice ist sein Gegenüber kein Geringerer als Jerzy Brzczek, Onkel von Jakub Blaszczykowski und aktueller polnischer Nationaltrainer. Stal Mielec war sogar an einer weiteren Zusammenarbeit interessiert, doch wegen privater Verpflichtungen kehrte Maslon nach Deutschland zurück.

Nun also Kreisliga statt großer Fußballbühne. Doch geht es nach Maslon soll sich das möglichst bald ändern. Spätestens in zehn Jahren, so das ehrgeizige Ziel, will er als Trainer in der Regionalliga arbeiten. An Selbstbewusstsein mangelt es dem 32-Jährigen jedenfalls nicht. „Was die Trainer in diesen Ligen können“, sagt er, „kann ich auch!“ 

Autor: Florian Nussdorfer

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