12.10.2018

RWE-Analyse

Aufstiegsreif sind in Essen nur die Fans

Foto: Michael Gohl

Regionalligist Rot-Weiss ist nach tollem Start schon wieder zurückgefallen. Letzte Chance zur Wende: ein Sieg am Samstag gegen Spitzenreiter Viktoria Köln. 

„Spitzenreiter, Spitzenreiter hey, hey“, schallte es aus 10.200 Kehlen an der legendären Essener Hafenstraße. Rot-Weiss Essen war nach dem 1:0-Sieg gegen den Bonner SC am 31. August 2018 Tabellenführer der Regionalliga West, hatte mit 15 Punkten aus sechs Spielen einen nahezu perfekten Start hingelegt. Und die Fans träumten.


Nur fünf Spieltage später: 30.?September 2018, 10.000 Fans an der Hafenstraße, Schlusspfiff gegen Alemannia Aachen. 0:1. Der Rückstand auf Tabellenführer Viktoria Köln beträgt mittlerweile zehn Punkte. Und die Fans sind schockiert.

Rot-Weiss Essen, Deutscher Meister von 1955, Bundesligist bis 1977, befindet sich im achten Jahr in der 4. Liga und kommt einfach nicht voran. In dieser Saison, in der der Regionalliga-West-Meister erstmals ohne Relegation in die 3. Liga aufsteigen darf, will RWE angreifen. Sieben Spieltage lang sah es tatsächlich vielversprechend aus. Die Bilanz der jüngsten Begegnungen aber ist verheerend: zwei Unentschieden, drei Niederlagen.

„Du musst konstant gut spielen“ 

Es ist Herbst, und wieder scheinen sich die Fans von Rot-Weiss Essen frühzeitig von ihren Träumen verabschieden zu müssen. Eine große Chance auf eine Wende zum Guten besteht aber noch: Am Samstag (14?Uhr) kommt Spitzenreiter Viktoria Köln nach Essen. Für RWE ist das ein Endspiel. Ein Sieg könnte einen neuen Ruck geben, könnte für neue Motivation sorgen. Eine Niederlage aber wäre ein schwerer Rückschlag, der in dieser Saison wohl kaum noch wiedergutzumachen wäre.

Stefan Lorenz hat bessere Zeiten an der Hafenstraße erlebt. Der heute 37-Jährige gehörte 2005/2006 der letzten Zweitliga-Aufstiegsmannschaft von RWE an. „Wenn du aufsteigen willst, dann kannst du nicht an der Hafenstraße aus zwei Spielen gegen Mannschaften wie Lippstadt und Straelen nur einen Punkt holen – bei allem Respekt für diese Klubs“, sagt er. „Du musst eine konstant gute Saison spielen, nach Niederlagen aufstehen. Das ist RWE zuletzt leider nicht gelungen.“ Auch er betont: „Das Heimspiel gegen Viktoria Köln ist immens wichtig.“

Ein Ärgernis für die Essener ist, dass sich die Mannschaft in dieser Saison vor allem in den Heimspielen schwer tut. Drei Siege, ein Remis, zwei Niederlagen sind bei einem Zuschauerschnitt von 9500 Fans pro Partie eine dürftige Ausbeute. „Wenn wir oben mitspielen wollen, dann muss unser Stadion zu einer Festung werden. Die Fans sind für die Spielklasse einzigartig. Sie sind unser Faustpfand“, hatte Jürgen Lucas, der Sportliche Leiter von RWE, schon vor der Saison gesagt. Doch jetzt muss man konstatieren: Das Stadion in Bergeborbeck wird nicht zum Problem für die Gegner, sondern für die Heimmannschaft.

Die Gegner haben keine Angst

„Wenn wir nach Essen fahren, muss uns niemand motivieren. Für solche Spiele sind wir aufgestiegen. Dieses Ambiente ist für einen Viertligaspieler einmalig in Deutschland“, sagte Daniel Berlinski, Trainer des SV Lippstadt – bevor sein Team mit 3:2 gewann. Auch der nächste Gegner freut sich schon auf die Hafenstraße. „Ich habe gehört, dass in Essen eine super Stimmung herrschen soll. Ich bin gespannt“, sagt Viktoria Kölns Christian Derflinger, der vor der Saison aus Fürth in die Domstadt gekommen war.

Warum kann RWE, das mit über 4000 verkauften Dauerkarten den Bestwert aller Viertligisten in Deutschland vorweist, aus dem Faustpfand Fans keinen Profit schlagen? In Essen sind nur die Fans aufstiegsreif, die Mannschaft scheint diesem Prädikat auf Strecke nicht gerecht werden zu können. „Wir haben eine richtig gute Mannschaft, die zuletzt viel Pech hatte“, kontert Marcel Platzek und erklärt: „Verletzungen, Rote Karten, fehlendes Spielglück, da kam einiges zusammen.“ Der Stürmer, der in den vergangenen fünf Jahren immer der erfolgreichste RWE-Torschütze war, fehlte wochenlang aufgrund eines Haarrisses im Sprunggelenk. Ebenso wie Rechtsaußen Kai Pröger, der wohl schnellste Spieler der Regionalliga West. Zwei Ausfälle, die das Team nicht verkraften konnte. Immerhin: Beide sind gegen Viktoria Köln wieder dabei.

Das Ziel ist klar: Jetzt zählen nur noch Siege. Torjäger Platzek macht den Fans weiter Hoffnung: „Die Saison ist noch lang, und ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir zurückkommen werden.“

Autor: Krystian Wozniak

Kommentieren

13.10.2018 - 12:09 - Du schöner RWE

Das Problem ist, dass wir einen viel zu dünnen Kader haben. Die Verantwortlichen haben daher vor der Saison versucht, möglichst flexible Spieler für die unterschiedlichen Position en zu verpflichten. Diese Notwendigkeit war gegeben, da dunser Etat leider nicht mehr zulässt. Und das liegt daran, dass in den letzten beiden Jahren eben finanziell nicht gut gearbeitet wurde, so dass am Ende kaum mehr am Etat für die Mannschaft zur Verfügung stand. Vermutlich haben die Leistungsträger gut dotierte Verträge, aber dann bleibt halt nicht mehr genügend zur Verfügung, um auch den Kader in der Breite gut genug aufzustellen. Leider haben unzählige Abfindungen, ein zu großer Waasserkopf, als auch sportliche Fehlentscheidungen in der Vergangenheit ordentlich an Subtanz gekostet (vor drei Jahren hatten wir noch eine Rücklage von 1,7. Mio in der Bilnaz ausgewiesen, da ist nichts mehr von da.

12.10.2018 - 21:25 - rolbot

@Killer
Hat er nur gemacht, damit du einen Grund hast, rumzuätzen. Ich kenne die Aufstellung aber mir hat er auch verboten darüber zu reden.

12.10.2018 - 19:53 - RWEimRheingau

Kann mir vielleicht jemand erklären wie ich im Forum einen Beitrag schreiben kann? Kann zwar die Beiträge lesen aber die Möglichkeit zu antworten ist nicht vorhanden!

12.10.2018 - 19:32 - faser1966

Jedes Jahr ist die Selbstüberschätzung Bundesliga reif. Einfach mal seine Chance nutzten, aber wenn man mit einen mini Kader in die Saison geht und bei Verletzungen und Rotsperren nicht reagiert, möchte und will nicht Aufsteigen. Das ganze Gelaber, dass uns Niemand sofort weiter hilft ist kaum noch zu ertragen. Damit zeigt sich das Amateurverhalten der Verantwortlichen. Einen starken Kader kann man immer noch verstärken und nicht auf Wunder warten und spekulieren, das Spieler wieder Gesund werden. Einfach Lachhaft. Und garnicht zu ertragen sind Ronaldos 20 Kommentare, der alles schön redet und dann noch so erbärmlich Falsch. Ich wollte eigentlich nicht soviel schreiben, aber wenn man einmal dran ist. In diesen Sinne....

12.10.2018 - 19:14 - elfmeterkiller

Hat Jürgen Lucas die Pressekonferenz vor dem Spiel wirklich verboten um Fragen bzgl der Aufstellung zu vermeiden ?
Hat einer nähere Infos ?

12.10.2018 - 18:57 - Hotteköln

Morgen um 16.30 h sind wir alle wieder ein Stück schlauer

12.10.2018 - 17:09 - Gutessen

Ich glaube Im Verein wird zu viel Vetternwirtschaft betrieben, deshalb klappt es langfristig nicht. Das mach sich immer bemerkbar und wird bestraft. Da wird nicht mit offen Karten gespielt. Mein Eindruck!

12.10.2018 - 14:57 - Sofafussel

Am meisten amüsieren mich die Neid Kommentare von WSV Fans und Konsorten. Wenn ich mir deren Heimspiele vor 1700 - 2000 Zuschauern ...welch verlorener Haufen.

12.10.2018 - 14:57 - Kalle K

Eine Realität bei RWE ist, dass die Rahmenbedingungen leider noch immer nicht reichen, um Konstant um die Spitze mitzuspielen.
Gewisse Ausfälle im Kader, wie bei Pröger und Platzek zu beobachten waren, können nicht im Geringsten kompensiert werden. Die Mittelfeldschwäche wurde nach dem Ausfall von Freiberger wieder offensichtlich - das Personal der letzten Jahre ist leider (!!!) nicht gut genug, um den ersten Platz mitzuspielen.
Auch wenn es gemein klingt, wird und wurde es in den letzten Jahren bestätigt.
Mittlerweile verschwende ich gar keinen Gedanken mehr an Aufstieg - bis Frühjahr oben mitspielen wäre ja schon eine Bereicherung - dann kann es an ein paar Punkten scheitern.
Ich pers. habe keine Hoffnung mehr, dass RWE überhaupt Spitzenteam der Regionalliga West werden kann - wir sind knallhart formuliert bestenfalls Mittelmaß.
Zum oft kritisierten Lucas: ich bin der Meinung, dass die Neuzugänge eine gute Wahl sind. Aber es reicht nicht, mit einigen Neuzugängen den Rest auf ein neues Niveau zu heben.
Warum nach der Verletzung von Freiberger personell nicht noch einmal nachgelegt wurde kann ich nicht verstehen - vielleicht fehlt das Kleingeld. Vielleicht wäre es aber besser, das zu kommunizieren.

Ich hab Bundesliga altersbedingt gar nicht kennengelernt und zweite Liga kenne ich nur wenige Spielzeiten. Aber mittlerweile fehlt mir die Hoffnung, überhaupt die 3. Liga kennenzulernen.

12.10.2018 - 12:00 - Jünther, Jötz und Jürgen

Wir gehen seit über 40 Jahre zum WSV aber die Überschrift kann ich unterschreiben. Aber ...........
Vereine wie V.Köln, Uerdingen usw. haben da wohl bessere Karten. Eigentlich schade.

12.10.2018 - 11:59 - Puma1907

Ich hab die Hoffnung auch schon aufgegeben,freu mich wenn RWE gewinnt aber der Zug ist schon leider für immer abgefahren.

12.10.2018 - 11:22 - DerOekonom

Dass RWE überhaupt noch Regional-Liga spielen kann, hat RWE nur der Geduld und innigen Verbundenheit seiner Fans zu verdanken. Auch der vielen alten Fans, die immer noch von alter Glorie träumen und reden. Und heute recht viel Geld für den Verein ausgeben. Und natürlich auch der Begeisterung unseres alten West, den vielen Fans, die diesen Verein verehren und lieben, ohne wirklich mal seit Jahren eine Gegenleistung in Form einer Top-Saison zu erhalten.

Jeder Mist wird am Ende doch wieder verziehen und sobald sich auch nur ein Lufthauch von Erfolg auf tut, strömen mehr als 10.000 Fans ins Stadion. Und bekommen die kalte Dusche, gehen mit Frust und Herzschmerz nach hause, während der Gegner auf dem Rasen hüpft. Wie Lippstadt oder diese ver..kack..ten Aachener. Das alles macht müde und irgendwann brennst du aus.

Es ist eine Saison, in der das alles kippen kann. Und dann wird es eng für den Verein. Ob nun ein zu kleiner Kader, im Mittelfeld schlechte Kaderplanung oder Verletzungspech. Irgendwas ist immer. Nur wenn du auch noch den Eindruck gewinnst, dass manches von dem was falsch läuft durchaus seit Jahren hausgemacht ist, kommt zur Leere noch ein Stück Verärgerung. Darüber, dass es der Verein einfach nicht schafft, professionell auf allen Ebenen die notwendigen Ergebnisse zu produzieren. Und genau das passiert in meinen Augen aktuell. ich glaube, da haben einige immer noch nicht begriffen, dass es genau 1 Minute vor dem inneren Abpfiff vieler Fans ist.

Ein Sieg gegen die Victoria wäre toll, allein ich glaube nicht mehr daran. Und selbst wenn, diese Saison ist durch, RWE steht mal wieder Spalier beim Aufstieg anderer. Hoffentlich bringt man wenigstens die Saison so ordentlich zu Ende, dass wir zumindest noch stolz auf die Malocher auf dem Rasen sein können. Mehr erwarte ich nicht mehr. Übrigens auch nicht für die kommende Saison, wenn sich da strukturell nichts Entscheidendes ändert. Und damit meine ich ausdrücklich nicht unseren neuen 1. Vorsitzenden oder unseren Vertrieb, wo bisher eine überzeugende Arbeit geleistet wurde. Da ganze krankt woanders. Und das seit Jahren.

12.10.2018 - 11:08 - Fankurve

Einmal Deutscher Meister immer Deutscher Meister !!!!

12.10.2018 - 10:31 - Cronenberger

Reviersport!-Sachlichkeit sieht anders aus! Werdet ihr euch selbst gegenüber nicht unglaubwürdig? Da gibt Martin Herms am 28.08.2018 einen total überheblichen und jeder Grundlage entbehrenden Kommentar mit dem Titel "RWE-reif für den Aufstieg! ab und am 12.10.2018, 6 Wochen später, kommentiert der Kollege an gleicher Stelle, daß bei RWE nur die Fans aufstiegsreif sind; womit er zweifelsohne Recht hat! Aber auch nur zum Teil!
Da wird am 28.08.in geradezu arroganter Art und Weise der Rest der Liga zu Volldeppen gestempelt, bis auf Dortmund, Viktoria Köln und... natürlich RWE. Gegner gibt es ja keine, alles andere ist nur Fallobst und jetzt gehört man selber im Herbst wieder zum Fallobst! Die anderen haben ja nur Spalier zu stehen beim Durchmarsch, der jetzt wohl wie eine Seifenblase geplatzt ist!
Da wird die "in dieser Saison fehlende Heimschwäche" als Grund genannt, obwohl bereits in den letzten Jahren zuvor keiner der Gegner im Essener Stadion die Hosen voll haben mußte.
Gleichzeitig hat RWE nämlich kontinuierlich in den letzten Jahren ein Problem mit den "einfachen" Gegnern!
Man braucht sich nur die Statistik anzusehen!
Es ist schon erstaunlich, mit welcher Beharrlichkeit sich die Massen immer wieder ins Stadion bewegen, obwohl man "Alle Jahre wieder" auch hier singen könnte!
Bei anderen Vereinen sind halt die Fans deutlich kritischer und würden sich schon lange verar.... vorkommen.
Den Essener Fans ist da, so scheint es zumindest noch kein Licht aufgegangen, wie sie immer wieder vorgeführt werden. Ich sage nur "Hoch3"! Die 3 JAhre sind diese Saison um, nur so am Rande!
Mit den Zuschauern und dem Geld was dadurch reinkommt, würde jeder andere in der Liga längst oben stehen!
Nur RWE schafft es immer wieder, daß eigene Potential nicht zu erkennen und verbrennt Jahr für Jahr Unsummen für diese Liga!
Hochmut kommt eben vor dem Fall, und hier ist der Fall seeeeehr tief! Schade eigentlich für einen mit einer echten Fan-Base ausgestatteten Verein!
Aber der RS macht sich bei solchen Kommentarten nur noch lächerlich!

12.10.2018 - 09:58 - Fummelbuchse

RWE hat seit Jahren nur eine durchschnittliche Mannschaft Und ein Aufstieg ist deshalb unrealistisch. Auch in der Regionalliga spielt mittlerweile Geld eine ganz große Rolle. Ohne eine Ausgliederung und neue Geldgeber ist meines er achtens kein Aufstieg möglich.

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