Der Abstieg ist praktisch besiegelt und Dynamo Dresden hat nun Planungssicherheit für die kommende Saison. Baustellen gibt es genug. Denn neben auslaufenden Spielerverträgen fehlt auch ein sportlicher Leiter.

2. Bundesliga

Absturz in die 3. Liga: Dresden steht vor dem nächsten großen Umbruch

22. Juni 2020, 10:11 Uhr
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Der Abstieg ist praktisch besiegelt und Dynamo Dresden hat nun Planungssicherheit für die kommende Saison. Baustellen gibt es genug. Denn neben auslaufenden Spielerverträgen fehlt auch ein sportlicher Leiter.

Es war Balsam auf die Seele der Absteiger. Als Spieler und Betreuer von Dynamo Dresden am Sonntagabend mit dem Sonderflug MHV1953 in der sächsischen Landeshauptstadt gelandet waren, wurden sie von mehr als hundert Fans mit viel Applaus empfangen.

Nach 2006 und 2014 muss das Schlusslicht der 2. Fußball-Bundesliga das dritte Mal in seiner 67-jährigen Vereinsgeschichte den Gang in die 3. Liga gehen. An das Wunder, am letzten Spieltag noch drei Punkte und 14 Tore zum Relegationsplatz aufzuholen, glaubt natürlich niemand. Die Anhänger des Traditionsclubs honorierten dennoch einen aufopferungsvollen Kampf während der vergangenen drei Wochen, in denen Dynamo ein irrsinniges Programm von acht Spielen absolvieren musste.

Auch eine Liga weiter unten werden sie ihrem Team treu zur Seite stehen, egal wer ihre Farben trägt. Wie bereits 2014 steht Dynamo vor einem großen Umbruch, einzig die wirtschaftliche Situation ist deutlich besser als vor sechs Jahren. „Wir sind finanziell sehr gut aufgestellt und gewappnet. Wir haben uns ein Eigenkapital von zehn Millionen Euro erarbeitet“, sagte der kaufmännische Geschäftsführer Michael Born. Haushalten muss Dynamo dennoch. Der aktuelle Etat von über 30 Millionen Euro dürfte allein schon wegen des Wegfalls von acht Millionen Euro an TV-Geldern gekürzt werden. Hinzu kommen die Folgen der Corona-Krise.

Allein 13 Spielerverträge laufen zudem aus. Neben sechs Leihspielern zählen auch die Routiniers Patrick Ebert, Patrick Wiegers und Marco Hartmann dazu. „Ich bin dabei, vorweg zu gehen, bei allem was man vorhat“, sagte Ex-Kapitän Hartman unter Tränen. „Ich weiß aber auch, dass die letzten Monate nicht so einfach waren. Dennoch packe ich immer wieder mit an. Und wenn es mir möglich ist, dann marschiere ich vorweg.“

Seit fast sieben Jahren ist der defensive Mittelfeldspieler bereits in Dresden. Der 32-Jährige ist bei Dynamo eine Institution, hat sowohl den Drittliga-Abstieg 2014 als auch zwei Jahre später die Rückkehr ins Bundesliga-Unterhaus miterlebt. Er könnte zusammen mit Chris Löwe, Kevin Broll, Jannis Nikolaou und Kevin Ehlers ein festes Gerüst für den Wiederaufbau bilden.

Doch sowohl Broll als auch Nikolaou und Ehlers, den die halbe Bundesliga jagen soll, haben trotz des Abstiegs durch gute Leistungen auf sich aufmerksam gemacht. Ob sie bleiben, ist völlig offen. Auch Löwe schwankt. „Die letzten zwei Jahre waren extrem belastend für mich und meine Familie. Jetzt geht es darum, ob ich noch einmal den Ehrgeiz auf den Platz bringen kann, den ich hatte“, erklärte der 31-Jährige. Sollte er weitermachen, dann aber nur in Dresden. „Fakt ist eins: Entweder gehe ich mit Dynamo oder es ist vorbei. Ich werde auf jeden Fall nicht noch einmal ein anderes Trikot anziehen.“

Doch noch ist völlig unklar, wie sich der Verein künftig aufstellen wird. Denn auch Sportgeschäftsführer Ralf Minge muss zum 30. Juni gehen, ein Nachfolger und somit ein sportliches Konzept ist noch nicht in Sicht. Die Stelle ist lediglich – wie laut Vereinssatzung notwendig – öffentlich ausgeschrieben.

Ralf Becker soll laut eines Berichts des „Kicker“ der Favorit des Aufsichtsrats auf die Stelle sein. Unter anderem führte der 49-Jährige Holstein Kiel von der dritten fast in die erste Liga und arbeitete auch als Co-Trainer beim Karlsruher SC, als diesem 2007 der Aufstieg ins Oberhaus gelang.

Damals war Markus Kauczinski Nachwuchskoordinator und Trainer der U19 des KSC. Dynamos Coach besitzt in Dresden auch einen Vertrag für die kommende Saison. „Den habe ich bei vollem Bewusstsein unterschrieben, weil ich denke, dass man Dresden wiederaufbauen kann“, betonte der 50-Jährige. „Ich weiß, es ist harte Arbeit, da braucht man ein gutes Händchen und Energie. Das ist ein langer Weg, aber ich glaube, dass es sich lohnt. Wir werden unsere Wunden ein bis zwei Tage lecken und dann stürzen wir uns in die Arbeit.“ dpa

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