Knapp eine Woche nach dem Selbstmord von Robert Enke will die deutsche Nationalmannschaft trotz aller Trauer wieder den Blick nach Südafrika richten.

Nationalelf: Trauerarbeit

"Zusammenhalt ist noch größer geworden"

sid
15. November 2009, 13:50 Uhr

Knapp eine Woche nach dem Selbstmord von Robert Enke will die deutsche Nationalmannschaft trotz aller Trauer wieder den Blick nach Südafrika richten.

"Der Anpfiff des Spiels soll für uns alle auch ein Schritt nach vorne sein", sagte Manager Oliver Bierhoff und fügte in der Bild am Sonntag hinzu: "So traurig, schlimm und tragisch das alles ist: Der Zusammenhalt in der Nationalmannschaft ist noch größer geworden, die Spieler fühlen sich noch mehr miteinander verbunden."
[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/000/288-290_preview.jpeg Die Nationalmannschaft trainiert in Düsseldorf (Foto: firo).[/imgbox]
Bierhoff wird am Sonntagmittag gemeinsam mit der Mannschaft, dem Trainer- und dem Betreuerstab nach der bewegenden Trauerfeier für den Nationaltorwart in Hannover nach Düsseldorf reisen. Dort beginnt das DFB-Team am Nachmittag mit einer freiwilligen Einheit im Hilton Hotel seine unmittelbare Vorbereitung auf das Länderspiel gegen die Elfenbeinküste am Mittwoch in Gelsenkirchen (20.45 Uhr/live in der ARD).

Am Montagvormittag steht ein erstes Training auf einem Nebenplatz der Düsseldorfer Arena auf dem Programm, anschließend wird sich Bundestrainer Joachim Löw erstmals nach dem Selbstmord von Enke am vergangenen Dienstag auf einer Pressekonferenz wieder vor der Öffentlichkeit äußern. Interview-Termine, wie sonst mit den Spielern üblich, wurden alle abgesagt.

"Es ist ein schmaler Grat, auf dem wir uns bewegen", sagte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach. In einer Todesanzeige, die die Nationalmannschaft für ihren verstorbenen Kameraden aufgegeben hatte, lässt sich die Stimmungslage der kommenden Tage ableiten.

"Niemand von uns fühlt sich in der Lage, in dieser Situation einfach zur Tagesordnung überzugehen. Das ist ein Moment, bei dem man auch im Fußball innehalten muss", heißt es dort.
[imgbox-right]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/012/709-13160_preview.jpeg Die Schalker Veltins-Arena (Foto: firo).[/imgbox]
Auch DFB-Psychologe Hans-Dieter Hermann merkte an, dass die Zeit der Trauer möglicherweise zu kurz sei, um sich wieder uneingeschränkt dem Alltagsgeschäft zu widmen. Hermann hat den Akteuren jegliche Unterstützung angeboten - sofern sie es wünschen. Tatsache ist, dass der Fußball auch in den kommenden Tagen im Hintergrund stehen, zumal vor dem Anpfiff in der Schalke-Arena noch einmal Robert Enke gedacht wird. Auf dem Videowürfel werden fünf Minuten lang Bilder aus dem Leben des achtmaligen Nationalspielers gezeigt.

Die Fahnen am Stadion werden auf Halbmast hängen, die deutsche Mannschaft spielt mit Trauerflor. Im Gegensatz zur Einstimmung auf sonstige Länderspiele wird es in der Schalke-Arena auch keine laute Musik vor dem Anpfiff geben. Während der Begegnung wird auf lärmende Tor-Jingles verzichtet.

Fest steht auch, dass der deutsche Torhüter nicht mit der Rückennummer 1 spielen wird. Voraussichtlich wird Lokalmatador Manuel Neuer wie abgesprochen zwischen den Pfosten beginnen. Nach der Pause könnte der Bremer Tim Wiese zum Einsatz kommen, der eigentlich am Samstag gegen Chile sein erstes Länderspiel von Beginn an bestreiten sollte. Nach dem Selbstmord von Enke war diese Begegnung abgesagt worden. Bierhoff kündigte für Mittwoch noch "weitere symbolische Maßnahmen" an. Angedacht ist wohl, dass alle deutschen Spieler mit dem Namen Enke auf dem Trikot auflaufen.

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Der sportliche Stellenwert des Kräftemessens mit den Ivorern ist angesichts des schrecklichen Ereignisses vom vergangenen Dienstag ohnehin fraglich. Dies ist auch Löw bewusst, der sich aber trotz der traurigen Umstände mit Blick auf die WM-Endrunde 2010 in Südafrika den ein oder anderen Hinweis erhofft. So soll der Bremer Offensivspieler Aaron Hunt bei seinem ersten Einsatz in der A-Mannschaft den Nachweis seiner Klasse bringen.

Gegen die Elfenbeinküste kann Löw auch auf Miroslav Klose, dessen Söhne an der Schweinegrippe erkrankt sind, zurückgreifen. Der Torjäger von Bayern München wurde aus der Quarantäne entlassen, nachdem bei ihm nach Ablauf der viertägigen Inkubationszeit keine Symptome aufgetreten waren. Sein Comeback wird am Mittwoch voraussichtlich der Leverkusener Stefan Kießling feiern, der erstmals seit Februar diesen Jahres wieder eingeladen wurde.

Autor: sid

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