Am Ende stand auf beiden Seiten die Null, nicht nur ein Verdienst der beiden Abwehrreihen, sondern auch von Schiri Knut Kircher, der den Borussen in der 44. Minuten einen glasklaren Elfmeter verweigerte.

BVB - Gambino über ausbleibenden Pfiff fassungslos

07. Februar 2006, 09:48 Uhr

Am Ende stand auf beiden Seiten die Null, nicht nur ein Verdienst der beiden Abwehrreihen, sondern auch von Schiri Knut Kircher, der den Borussen in der 44. Minuten einen glasklaren Elfmeter verweigerte.

Am Ende stand auf beiden Seiten die Null, nicht nur ein Verdienst der beiden Abwehrreihen, sondern auch von Schiri Knut Kircher, der den Borussen in der 44. Minuten einen glasklaren Elfmeter verweigerte. Salvatore Gambino, der von Mladen Krstajic getroffen wurde, war fassungslos. "Ich hatte frei Bahn, vollkommen unverständlich, dass der Referee nicht gepfiffen hat." Außerdem war "Salva" fest davon überzeugt: "Wenn wir zu diesem Zeitpunkt in Führung gehen, nimmt das Spiel einen ganz anderen Verlauf, ich denke, einen für uns positiven."

Auch Bert van Marwijk konstatierte: "Der Unparteiische hat einen Fehler begangen." Doch gentlemanlike, wie der Niederländer nun einmal ist, fügte er hinzu. "Kompliment an Knut Kircher, das habe ich ihm auch persönlich gesagt, ansonsten hat er bei dieser hektischen Atmosphäre gut gepfiffen."

Auch die anderen Borussen waren weit entfernt davon, gegen den zwölften Mann zu wettern, selbst wenn Hans-Joachim Watzke klar stellt: "Es war eine relativ eindeutige Szene, das hat man schon von der Tribüne aus gesehen, das war so was von glasklar. Trotzdem möchte ich keine Schiedsrichter-Schelte üben." Auch der BVB-Geschäftsführer versöhnlich: "Alles in allem geht das Remis Ordnung, es ist leistungsgerecht."

Im Hinblick auf die anstehenden Aufgaben in der kommenden Woche mahnt Watzke aber: "Entscheidend ist, dass wir niemanden unterschätzen, dass sich die Mannschaft voll rein kniet. Wir müssen uns jeden Punkt hart erkämpfen. Dass wir mal eben einen Sieg so mitnehmen, soweit sind wir noch nicht." Das sieht auch Kapitän Christian Wörns so: "Wir gegen Schalke insgesamt ein gutes Spiel abgeliefert, vor allen Dingen in kämpferischer Hinsicht. Es war eine ganz andere Partie als gegen Wolfsburg, bei der wir fußballerisch besser waren, uns hinten die Dinger aber quasi selbst rein gehauen haben." Das Erfolgsrezept des Spielführers: "Jetzt müssen wir den richtigen Mix finden, wenn uns das gelingt, dann werden wir in den nächsten Wochen noch eine Menge Freude zusammen haben." Es sei denn, die kommenden Schwarzkittel zeigen sich zum entscheidenden Zeitpunkt nicht auf der Höhe.

Roman Weidenfeller (2): Im Gegensatz zum Vorjahr verbrachte er in der Arena schon fast einen gemütlichen Nachmittag. Doch was er zu halten hatte, erledigte er mit Bravour. Insbesondere die beiden Freistöße von Lincoln und Bordon entschärfter im Stile eines Meisters.

Philipp Degen (3): Na, es geht doch. Von der Disziplin her wahrscheinlich das beste Match, was der Schweizer im BVB-Dress ablieferte. Ging nur dann nach vorne, wenn für Absicherung gesorgt war.

Markus Brzenska (2): Seine Spielweise sieht man zwar manchmal etwas ungelenk aus, aber an Effektivität war "Brenner" nicht zu überbieten. Degradierte Nationalspieler Kuranyi zu Statisten, alles ausschließlich mit fairen Mitteln.
Christian Wörns (2): Die WM reizt ungemein. Wie schon gegen Wolfsburg war der Kapitän ein absolut Kantonist in der Deckung. Mit sauberem Stellungsspiel und gutem Zweikampfverhalten, vor alen Dingen auch beim Kopfball, sorgte er hinten für Ordnung.

Leonardo Dede (3): Seine Leistungskurve zeigt langsam nach oben. Insbesondere in der ersten Halbzeit war er sehr bissig. Selbst wenn ihm nach dem Wechsel leichte Unsicherheiten unterliefen, war er auf Schalke ein sicherer Bestandteil der starken Viererkette.

Sebastian Kehl (3-): Insgesamt mit einer guten Mittelfeldarbeit, auch wenn es nach vorne ging. Allerdings gelang es ihm nicht, seinen direkte Widersacher Lincoln auszuschalten. Der Brasilianer konnte bei den Blau-Weißen immer wieder Akzente setzen.

Tomas -Rosicky (3+): Nicht so leichtfüßig wie vor sieben Tagen, trotzdem der beste Mittelfeldakteur auf dem Platz. Mit einigen guten Antritten, leider fehlte wieder einmal das Quäntchen Glück bei zwei Abschlussszenen.

Nuri Sahin (4): Der junge Türke hat noch nicht den Drive des Vorjahres. Wie schon gegen Wolfsburg verstecke er zu oft. Dabei hat er doch das Potenzial, um wesentlich selbstbewusster aufzutreten. Trotzdem hätte er fast bei einem Alleingang fast über das gesamte Feld fast den entscheidenden Treffer markiert.
David Odonkor (5): Bei ihm lief überhaupt nichts zusammen. Der kompromisslose Kristajic. Da half "Ben Johnson auch seine Schnelligkeit nicht, weil er viel zu wenig an den Ball kam.

Ebi Smolarek (5): Auch von dem Polen war die gesamte Distanz nichts zu sehen. Erhielt kaum brauchbare Vorlagen. Bei zwei Kontermöglichkeiten verlor er im Strafraum jeweils die entscheidenden Duelle Mann gegen Mann.

Salvatore Gambino (4): Auch er riss im Angriff keine Bäume aus. Trotzdem war Salvatoe bester BVB-Offensivakteur. Er hatte beste Chane auf dem Fußball, die regelwidrig geahndet.

Youngster mit Nationalspieler nicht überfordert
Brzenska stellte Kuranyi kalt

Bert van Marwik blieb gelassen: "Nein, ich habe kein Problem, das hatte ich auch schon vor diesem Spiel nicht." Und wenn, dann hat der Holländer ausnahmsweise einmal ein Luxusproblem. Immerhin konnte "BvM" nach den 90 Minuten lobend feststellen: "Die Innenverteidigung hat überragend agiert und auch fehlerlos."

Doch an der Seite von Christian Wörns stand nicht Christoph Metzelder, der wurde erst in der 89.Minute eingewechselt, sondern Markus Brzenska. Der U21-Nationalspieler verließ folgerichtig schmunzelnd die Unkleidekabine: "Ich glaube, die gesamte Mannschaft hat auf Schalke kämpferisch überzeugt. Mit meiner persönlichen Leistung kann ich auch zufrieden sein." Nicht ohne stolz ergänzte er: "Immerhin habe ich gegen Kevin Kuranyi gespielt, der ist deutscher Nationalspieler, da kann meine Leistung ja nicht so cschlecht gewesen sein."
Auf die Frage, ob er es verstehen würde, wenn er am Dienstag gegen Duisburg wieder auf der Bank Platz nehmen würdoe, zuckt er fast ratlos mit den Schutern: "Da müssen andere entscheiden."

Sein direkter Konkurrent konnte aufgrund einer Nasenverletzung in der abgeglauenen kaum trainieren, so dass er "Brenner de Vortritt lassen. Aber "Metze" will zur Weltmeisterschaft, dieses ehrgezige Ziel kann er nicht verwirklichen, wenn er en Reservistendasein fristet. Berg van Marwijt schätzt den Fußball Vize-Weltmeister bekanntlich sehr, auch weil er in ihm eine Führungspersönlich, die er zweifelos auch ist. Deshalb hat der Niederländer jetzt so seine Schwirigkeiten, weil ihm die Wahl zwischen Brezenska und Metzelder alles andere als leicht fallen wird.

Doch daran wollte der Youngster am Samstag keine Gedanken verschwendenw. Er analyiserte in aller Ruhe die 90 Minuten in der Arena. "So ein Derby will keiner verlieren. Da ist natürlich auch viel Sicherheitsdenken im Spiel. Wir haben hinten gut gestanden." Insgesamt ist der Coach mit der Pflichtspiel ausbeute im neuen Jahr richtig zufrieden. Wir sind gut in den Rückrunde gestartet, auf die Leistung können wir aufbauen, mit dieser Einstellung werden wir die entsprechenden Punkte holen.

Schließlich hatte Brenzka direkt nach Schlussppfiff auf die Tabelle geworfen und zufrieden festgestellt. "Unsere Mitbewerber haben gleichfalls nicht gewonnen. Wir sind jetzt an Platz fünf dran, und können uns ist er nächsten Woche noch näher ran pirschen." Mit oder ohne ihn, diese Entscheidung wird van Marwijk treffen.

Nachgefragt

Sebastian Kehl, Sie kommen humpelnd aus der Kabine, was ist passiert?
Ich habe mir einen Pferdekuss eingefangen, hoffe aber, dass ich diesen bis Dienstag wieder in den Grifff bekomme.

Trägt der Punkt auf Schalke zur Schmerzlinderung bei?
Man kann mit dem Zähler auf Schalke ganz gut leben. Auch wenn ich immer bis zum Schluss das Gefühl hatte, dass wir noch ein Tor schießen. Bei dem nicht gegebenen Elfmeter war die Chance ja fast da. Ob wir dann gewonnen hätten, weiß ich nicht, zumindest wären wir dann in Führung gegangen. Was mich aber positiv stimmt, war, das wir fußballerisch sehr gut mitgehalten haben, immer einen freien Mann anspielen konnten.

Ihr direkter Gegenspieler Lincoln hatte diesmal erneut Fallsucht, nervt das nicht irgendwann?

Ich kenne ihn ja inzwischen. Er hat ein riesiges Potenzial, so was doch gar nicht nötig. Er provoziert permanent, darum darf er sich auch nicht wundern, wenn einmal nicht zu seinen Gunsten gepfiffen wird, wenn er wirklich vorher gefoult wurde.

Jetzt muss aber dieser Punkt gegen Duisburg veredelt werden.
Es wäre natürlich gut, ist sogar eine Pflicht für uns. Am Dienstag zählt nur ein Dreier. Selbst wenn Jürgen Kohler mit dem MSV hinten Zement anmischt, müssen wir uns etwas einfallen lassen.

Nachgefragt

Ebi Smolarek, ein Punkt, mit dem man leben kann, oder wurden zwei Zähler liegen gelassen?

Wir hatten in der ersten Hälfte schon unsere Chancen, wenn ich an den Pfostenschuss von Tomas Rosicky denke, oder an den nicht gegebenen Elfmer. Trotzdem glaube ich, wir können mit dem Punkt auf Schalke gut leben.
Der Rückrundenstart ist mit einem Sieg und einem Remis ganz gut ausgefallen. Jetzt geht es in der englischen Woche gegen zwei Aufsteiger. Die identische Ausbeute ist wohl Pflicht, oder?

So weit möchte ich noch nicht denken. Zunächst ist es besonders wichtig, unser Match gegen Duisburg zu gewinnen. Dann kommt noch weiteres Selbstvertrauen hinzu.

In zwei Tagen dürfte es wohl eher ein Match für Stürmer, auf Schalke war es hart für Angreifer,
Das kann man wohl sagen, nach vorne ging schon wenig. Da wir schon im Mittfeld verteidigen mussten, fehlte der Anschluss in unseren Sturm. Trotzdem hätten wir bei den Kontern etwas machen können, wenn der eine oder andere Ball genauer gekommen wäre.

BVB Inteam

Wie immer, wenn Roman Weidenfeller in der Arena auftaucht, wird er hinterher zum Spieler des Tages geehrt. Kein Wunder, dass der BVB-Keeper damit schon relativ locker umgeht, auch wenn er zu bedenken gab: "Der Ball war diesmal sehr glitschig, deshalb nicht einfach für einen Torhüter. Aber das Remis haben wir uns redlich verdient, weil wir alle toll gekämpft haben. Ich bin stolz auf die Truppe."

Und mit dieser die Dortmunder Nummer eins weiter für Furore sorgen: "Wenn wir uns auch in Zukunft so weiter präsentieren, dann werden wir mit dieser jungen Mannschaft noch sehr viel Freude haben. Schade, dass wir diesen Elfmeter nicht bekommen haben, sonst hätten wir bereits Samstag gewinnen können."

Die Schalker Fans hatten Roman Weidenfeller spätestens nach der Attacke von Christian Poulsen gegen ihn nicht in ihr Herz geschlossen: "Bei mir lag so alles im Strafraum, was man sich vorstellen kann, von kleinen Schnapsfläschen angefangen, über Feuzeuge und Münzen bis hin zu Bonbons."

Michael Zorc gab sich mit dem Remis zufrieden. "Insgesamt war die Leistung gut. Am Ende hätten wir auch den einen oder anderen Konter besser fahren können, aber unter dem Strich ist es ein gerechtes Ergebnis. Auch der Manager gibt die Losung aus: "Wir stehen vor einer entscheidenden Woche, nach den Matches gegen Duisburg und Köln wissen wir, wo es hin geht." Etwas freute ihn besonders: "Das war das erste Auswärtsspiel in der laufenden Saison ohne Gegentor, ich hoffe, es war nicht das letzte."

Während die meisten Borussen sich also mit dem Remis anfreunden konnten, haderte David Odonkor mit sich selbst: "Ich sage diesmal lieber nichts, denn was ich gespielt habe, war wirklich sch....." Sein Zusatz: "Zumindest kann ich mich über den Punkt freuen."

Mit dem zweiten Teil von Odonkors Ausführungen konnte Tomas Rosicky konform gehen: "Mit diesem 0:0 können wir ganz gut leben. weil es auch ein leistungsgerechtes Resultat ist."

Salvatore Gambino war insbesondere über das Engagement der Schwarz-Gelben zufrieden. "Kämpferisch haben wir von Beginn an überzeugt. Ich bin froh über diesen Punkt. Wir haben alles gegeben, selbst wenn es am Ende nicht für einen Dreier gereicht hat."

Hans-Joachim Watzke strahlte: "Ich möchte es einmal so ausdrücken. Wir waren spielerisch zumindest nicht die schlechtere Mannschaft." Der Geschäftsführer freute sich insbesondere für Philipp Degen. "Er ist ja in der Vergangenheit häufig kritisiert worden, diesmal hat er wirklich überzeugt."

Nachgefragt

Philipp Degen, Sie waren ja schon einmal mit dem FC Basel in der Arena. War die Stimmung gleich?

Nein, diesmal hat man schon gemerkt, dass es ein Derby ist. Da wurden die Zweikämpfe ganz anders angegangen, da war richtig Gift drin.
Auch bei Ihnen, denn nach vielen Rückschlägen konnten Sie diesmal überzeugen.

Ich versuche, dass umzusetzen, was der Trainer von mir erwartet. Ich habe alles für das Team gegeben, glaube, der Mannschaft so auch helfen konnte.
Der Schiri hat Ihnen aber die Unterstützung verwehrt.

Richtig, sicher schade, dass er in dieser Szene nicht gepfiffen hat, aber das zählt jetzt nicht mehr. Wir haben jetzt mit vier Punkten den Grundstein gelegt, auf den müssen wir gegen Duisburg aufbauen. Ich hoffe, dass wir am kommenden Sonntag sechs weitere Punkte auf dem Konto haben.

Mit Ihnen auf der rechten Außenbahn oder verdrängt von Florian Kringe?
Mit dem Thema müssen sich andere beschäftigen, aber meine veränderte Spielweise macht mir auch so Spaß.

Ärger um Amoahs Verletzung - Kringe kein Thema
Ziel: Kohler höflich begrüßen,
aber frustriert verabschieden

Es ist die Rückkehr des Jürgen Kohler, doch Höflichkeiten sollen nur vor dem Match ausgetauscht werden. Christian Wörns: "Ich wünsche ihm alles Gute, aber nicht am Dienstag, da bleiben die Punkte in Dortmund." Bert van Marwijk sieht dagegen eher ein eventuell psychologisches Problem: "Es ist enorm wichtig, dass wir in jedem Spiel die entsprechende Motivation zeigen, auch wenn es nicht gegen Schalke geht." Aber genau dort hatte er weitere Fortschritte gesehen: "Man hat wahrgenommen, dass wir uns immer weiter entwickeln." Auch in Kleinigkeiten, so bemängelte der Ex-Rotterdamer am Samstag: "In unseren Reihen wird der Ball zwei der dreimal hin und her gespielt, das könnte ruhig auch 20 bis 30 Mal passieren." Doch gegen die Zebras soll es vor allen Dingen in die andere Richtung gehen, da würde Dortmunds Fußball-Lehrer gerne auf die Dienstag von Matthew Amoah zurück greifen: "Ich hatte eigentlich gehofft, ihn schon im Revierderby bringen zu können, aber leider hat er eine Innenbandehnung im Knie." Deshalb war der Ghanaer Samstag nur in Zivil in der Arena erschienen. Wann sein Comeback ansteht, darüber gibt es unterschiedliche Aussagen. "BvM": "Es wäre schön, wenn er gegen den MSV oder spätestens gegen Köln dabei sein könnte." Die medizinische Abteilung hat aber eher den 18.Februar, das Gastspiel der Bremer in Dortmund, ins Visier genommen. Was van Marwijk besonders ärgert: "Er hätte wegen seiner Verletzung, die er schon bei seinem Kurzbesuch in unseren türkischen Trainingslager hatte, bei Afrika-Cup gar nicht spielendürfen." Ebenfalls auf sein Comeback hofft Florian Kringe. Für ihn kommen die Duisburger aber noch zu früh: "Es wäre natürlich toll, wenn ich bei meinem Ex-Club in Köln wieder fit wäre."

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