Vier Tore sahen die 694 Zuschauer am Freitagabend beim Revierderby zwischen Wattenscheid 09 und Westfalia Herne. Und zwei völlig unterschiedliche Halbzeiten.

SGW - Herne 2:2 (0:2)

Schiedsrichter musste nachsitzen

Christian Pozo y Tamayo
07. November 2009, 03:08 Uhr

Vier Tore sahen die 694 Zuschauer am Freitagabend beim Revierderby zwischen Wattenscheid 09 und Westfalia Herne. Und zwei völlig unterschiedliche Halbzeiten.

Denn nach den ersten 45 Minuten in der Wattenscheider Lohrheide hätte sicherlich kaum einer noch einen Pfifferling auf die Truppe von Stefan Blank gesetzt. "Das war eine bodenlose Frechheit, was die Mannschaft da abgeliefert hat", erkannte der Ex-Profi und legte nach: "Das war ohne Zweikämpfe, ohne Leidenschaft, ohne alles."

Folgerichtig dominierte der Gast aus Herne das Geschehen im ersten Durchgang. Durch einen Doppelschlag von Marko Onucka (28.) und Mirko Urban (31.) ging die Westfalia in Front, und das hoch verdient. "Wir haben genau das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Wir haben früh attackiert, den Gegner unter Druck gesetzt und nicht ins Spiel kommen lassen", resümierte Hernes Trainer Frank Schulz die ersten 45 Minuten.

In der Kabine muss 09-Coach Stefan Blank die richtigen Worte gefunden haben. Seine Schützlinge drehten auf, nahmen das Spiel in die Hand. "Die Mannschaft hat Moral bewiesen", freute sich Blank, dessen Mannschaft nach dem Anschlusstreffer von Kevin Barra (56.) erstmals wieder ein Lebenszeichen zeigte. Barra war es auch, der 20 Minuten später im Strafraum zu Fall kam und den Elfmeter ermöglichte, der zum verdienten Ausgleich durch Farat Toku (75.) führte, auch wenn die Szene an sich die Lager teilte. "Das war niemals ein Strafstoß", reklamierte Schulz. Blank stimmte ein: "Ich hab die Szene nicht gesehen, weil ich mich einfach tierisch darüber geärgert habe, dass Kevin sich den Ball viel zu weit vorlegt. Als der Pfiff kam, war ich glücklich."

Das konnte Blank auch sein. Schiedsrichter Dimitrios Gavrilas gewährte den 09ern einen Strafstoß, der eigentlich keiner war. "Auch von Wattenscheider Seite wurde mir bestätigt, dass man diesen Strafstoß eigentlich nicht geben kann", polterte auch Schulz im Anschluss an die Partie. Trotzdem: Toku verwandelte souverän, Wattenscheid glich aus. "Dennoch muss man so ein Spiel eigentlich gewinnen", haderte Schulz mit der Chancenauswertung seiner Elf. Die hatte die beste Chance durch den Ex-09er Daniel Diaz (84.), der unbedrängt aus 15 Metern verzog. "Hier muss man klar gewinnen", gab der Linienchef zu Protokoll.

Ohnehin sorgte der Unparteiische für eine angeregte Diskussion. So hätte Hernes Onucka bereits vor dem Seitenwechsel duschen dürfen, wenn Gavrilas seine Tätlichkeit an Carsten Sichler mit Rot geahndet hätte. Auf der Gegenseite bettelte Tayfun Cakiroglu nach drei harten Foulspielen um den roten Karton in einem Spiel, das der Schiedsrichter nach 89 Minuten beendete.
Zwei Stunden später erst endete für Gavrilas der Arbeitstag, so lang dauerte die Analyse durch den Schiedsrichter-Beobachter vor Ort.

"Mit dem Punkt können wir aufgrund der ersten Hälfte glücklich sein", verriet Wattenscheids Abwehr-Chef Michael Baum im Anschluss an die Partie. "So was, wie in der ersten Halbzeit, hat nichts mit Fußball zu tun."

Autor: Christian Pozo y Tamayo

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