Patrick Owomoyela ernetete zuletzt Pfiffe von den Fans. Vor der Partie in Bremen versichert der Rechtsverteidiger:

Erst Arbeit, dann Kür

"Ich weiß, ich stehe in der Pflicht"

Matthias Dersch
05. November 2009, 08:56 Uhr

Patrick Owomoyela ernetete zuletzt Pfiffe von den Fans. Vor der Partie in Bremen versichert der Rechtsverteidiger: "Ich weiß, dass ich in der Pflicht stehe."

Patrick Owomoyela gehört zu der Sorte Spieler, die scheinbar nichts aus der Ruhe bringen kann. Der gebürtige Hamburger wirkt extrem lässig - egal, ob er nach dem Spiel in der Mixed Zone Rede und Antwort steht, mit Baggy Pants und dicken Kopfhörern nach dem Training zum Auto schlendert oder auf dem Rasen seinem Job nachgeht.

Nicht alle Menschen kommen mit Owomoyelas Art klar, diese Erfahrung musste der Rechtfuß, der am Donnerstag seinen 30. Geburtstag feiert, schon früh in seiner Karriere machen: „Den Vorwurf, ich würde zu lässig spielen, kenne ich eigentlich schon seit ich Fußball spiele. Am Anfang hört man dann anerkennend: Der ist so ruhig am Ball, wie macht er das bloß? Aber sobald die Erwartungshaltung steigt, heißt es sofort, der wirkt unkonzentriert und lethargisch.“
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Aktuell muss sich der frühere Bielefelder wieder diese Vorwürfe gefallen lassen. Die BVB-Fans haben Owomoyela als einen der Sündenböcke der 2:3-Pokalpleite in Osnabrück ausgemacht. Damals sah der Verteidiger beim ersten Gegentor nicht gut aus, als er unter dem Ball hindurchsprang und damit Angelo Barletta überhaupt erst ermöglichte, einen Fallrückzieher anzusetzen. Und auch die Tatsache, dass er 20 Minuten vor Schluss den Freistoß, der letztlich zum 1:3 führte, ausführte, stieß manchem Fan auf der Tribüne unangenehm auf. Die Folge: Beim Bundesliga-Spiel am Freitag gegen Hertha BSC Berlin setzte es lautstarke Pfiffe für den elfmaligen Nationalspieler.

„Es ist nicht die Mentalität von Borussia Dortmund, einzelne Spieler herauszupicken und auszupfeifen“, nahm BVB-Keeper Roman Weidenfeller seinen Teamkollegen anschließend in Schutz, während Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc zwar Verständnis für die Pfiffe gegen die Mannschaft äußerte, die Pfiffe gegen Owomoyela und Mohamed Zidan aber ebenso wie Weidenfeller auf das Schärfste verurteilte.

„Ich habe das gar nicht mitbekommen. Grundsätzlich halte ich es aber für völlig ungerechtfertigt, wenn einzelne Spieler ausgepfiffen werden“, spricht auch Owomoyela deutliche Worte in Richtung der Fans: „Ich weiß schon, warum die Leute unzufrieden waren. Aber das waren wir selbst auch. Man sollte das dann aber vernünftig kanalisieren. Wir leben viel besser mit der Unterstützung von außen.“

Dabei verneint der 117-fache Bundesliga-Profi nicht, im Moment noch nicht wieder ganz „der Alte“ zu sein. Von dem Toplevel aus der vergangenen Rückserie, als ihm einige Experten sogar ein Comeback in der Nationalelf zutrauten, ist Owomoyela derzeit ein gutes Stück entfernt.

„Es gibt immer eine Pflicht und eine Kür. Wenn ich nur meine Pflicht erfülle, bin ich zwar nicht wirklich zufrieden, habe aber auch nicht viel verbockt. Es geht darum, dass ich das zunächst erfülle, und ich denke, dass ich in der Beziehung in den letzten Spielen nicht so schlecht war“, gibt der Ex-Bielefelder zu bedenken, bevor er nach Gründen dafür sucht, warum es bei der Kür bislang noch nicht lief: „Ich war noch nicht wieder so in der Verfassung, die ich am Ende der letzten Saison hatte. Das mag vielleicht aber auch daran liegen, dass wir als Mannschaft bislang auch noch nicht wieder so gut funktioniert haben. Wenn es läuft, fällt es immer leichter, auch selber die richtigen Sachen zu machen.“

Doch Owomoyela sucht nicht nach Ausreden, sondern sieht sich selbst in der Pflicht. Mit seinen 30 Jahren (am Donnerstag feiert er seinen Geburtstag) gehört er zu den älteren Borussen im Kader. Logisch, dass da von ihm erwartet wird, mit seiner Erfahrung Führungsaufgaben zu übernehmen und der Mannschaft durch seine positive Präsenz auf dem Platz Stabilität zu geben.

„Das erwarte ich auch von mir“, unterstreicht der 1,87 Meter große Sohn einer deutschen Mutter und eines nigerianischen Vaters: „Ich spiele schon ein paar Jahre länger und möchte herausstechen. Das hat in dieser Saison leider noch nicht so gut geklappt. Ich arbeite aber daran, dass das wiederkommt.“

Den fehlenden Konkurrenzkampf – Owomoyela ist neben dem blutjungen Julian Koch der einzige Rechtsverteidiger im BVB-Team - will der frühere Bremer nicht als Ursache gelten lassen: „Ich habe mir noch nie von einem anderen Spieler Druck machen lassen. Mir geht es darum, dass ich den Trainer davon überzeuge, dass ich der richtige bin. Ob Konkurrenz da ist, ist dabei sekundär, ich schaue auf mich.“

Jürgen Klopp, da ist sich der Mann von den rechten Außenbahn sicher, würde es ohnehin nicht tolerieren, wenn er den Schlendrian nach außen kehren würde: „Wenn er das Gefühl hätte, dass ich mich ausruhen würde, würde er das nie durchgehen lassen. Ich fühle mich auch nicht wohl und geborgen dabei, dass da keiner hinter mir ist. Im Gegenteil. Ich weiß, dass ich in der Pflicht stehe.“ Erst recht am Sonntag - denn dann wartet Owomoyelas Ex-Klub SV Werder Bremen.

Autor: Matthias Dersch

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