Ohne 74 Millionen Euro für Zugänge ist Felix Magath mit Schalke 04 derzeit erfolgreicher als Startrainer Louis van Gaal mit seinem Ex-Klub Bayern München.

Schalke: Rückkehr

Magath weint München keine Träne nach

sid
04. November 2009, 15:41 Uhr

Ohne 74 Millionen Euro für Zugänge ist Felix Magath mit Schalke 04 derzeit erfolgreicher als Startrainer Louis van Gaal mit seinem Ex-Klub Bayern München.

Der Erfolgstrainer kehrt zurück nach München - und könnte sich so richtig ins Fäustchen lachen. Darum weint Magath, der trotz seines Doppel-Doubles 2005/2006 vom Rekordmeister entlassen worden war, den Bayern keine Träne nach. "Ich hatte dort zweieinhalb schöne Jahre, auf die ich stolz bin. Ich schaue immer gerne zurück, aber ohne jede Wehmut", sagte Magath dem SID.

Einen Weg zurück gibt es deshalb nur für ein Spiel. "Na klar, ich brauche nicht für länger zurückzukehren. Der FC Bayern ist nach wie vor erfolgreich, er spielt ja ständig in der Champions League und ist immer noch der dominierende Klub in Deutschland. Aber ich glaube, dass ähnliche Erfolge auch auf Schalke machbar sind."
[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/013/255-13708_preview.jpeg Foto: firo.[/imgbox]

Seine Aufgabe dort, sagte Magath der Sport Bild, sei schließlich "viel reizvoller als beim FC Bayern. Weil Bayern über reichlich Geld verfügt und wir sparen müssen. Und weil der FC Bayern die Strukturen hat, die wir erst noch herstellen müssen." Umgekehrt ist die Gefühlslage ganz anders. Wenn der Bundesliga-Meistermacher mit den Königsblauen am Samstag (15.30 Uhr/live bei Sky und Liga total) in München gastiert, werden sich viele Bayern-Fans wünschen, er bliebe gleich dort.

Denn Magath, das waren Meisterschaft, Erfolg, gute Zeiten. Sie endeten am 31. Januar 2007. Die Krise van Gaals weckt bei Magath Erinnerungen an den ständigen Erfolgsdruck und das Gefühl, den Anforderungen niemals zu genügen. "Es ist eine Ähnlichkeit der Situation. Er hat die gleichen Probleme wie ich zu Beginn meiner Zeit in München. Es dauert eben, bis sich die Spieler an ein neues System gewöhnen. Man muss ihnen auch als Trainer Zeit lassen. Sie werden das sicherlich in den Griff bekommen."

Groll hegt Magath gegen die Bayern nicht, obwohl er dort unsanft vor die Tür gesetzt wurde. Damals ging er nach einem 0:0 gegen den VfL Bochum als Tabellenvierter - heute sind die Bayern Sechster, ein Titel ist derzeit höchstens im Pokal in Sicht. Nicht aber für Magath: "Am Ende der Saison wird Bayern deutscher Meister", sagt er. Am Samstag kann er seinen Beitrag dazu leisten, dass es doch nicht so kommt.

Zudem kann er sich ein wenig "rächen", wie er es bereits in der vergangenen Saison mit dem VfL Wolfsburg getan hat. "Es gab und gibt immer eine Chance, den FC Bayern zu schlagen. Wir werden uns jedenfalls nicht verstecken." Doch wie in München das Geld stets mit vollen Händen auszugeben, ist bei den extrem klammen Königsblauen im Moment unmöglich. Werte schaffen statt Werte verpflichten, dies muss für die nächsten Jahre Magaths Devise sein. "Geld alleine reicht nicht. Das hat es noch nie", sagt der Disziplinfanatiker zwar.

Doch ohne das nötige Kleingeld wackelt Magaths Vierjahresplan, Schalke endlich wieder zum Titel zu führen. Noch schlägt er den Konkurrenten mit unbekannten jungen Spielern wie Lukas Schmitz und Christoph Moritz ein Schnippchen. Auch deshalb herrscht beim Rekordmeister längst die Einsicht, dass die Demission Magaths ein schlimmer Fehler war. Offiziell würde das aber auch nach dem Flop mit Jürgen Klinsmann und dem Fehlstart unter van Gaal niemand zugeben. Denn Felix Magath weint München keine Träne nach - München Magath dagegen jede Menge.

Autor: sid

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