Simone Laudehr, gerade 23 Jahre jung, hat in ihrer Karriere schon nahezu alle Titel geholt, die es zu gewinnen gibt. Im Interview blickt sie zurück.

Interview Laudehr

„Ich habe mir diesen Erfolg verdient“

Desirée Kraczyk
28. September 2009, 11:27 Uhr

Simone Laudehr, gerade 23 Jahre jung, hat in ihrer Karriere schon nahezu alle Titel geholt, die es zu gewinnen gibt. Im Interview blickt sie zurück.

Unvergessen ist immer noch ihr Treffer zum 2:0 im Finale der Weltmeisterschaft 2007 gegen Brasilien. Mit ihrem Verein FCR 2001 Duisburg wurde Laudehr in diesem Jahr UEFA Women‘s Cup- und DFB-Pokalsiegerin und zur Krönung einer erfolgreichen Saison folgte der Gewinn der Europameisterschaft.

Dabei war der Einsatz der gebürtigen Regensburgerin, die seit 2004 bei den „Löwinnen“ kickt, kurz vor dem Abflug nach Finnland in Gefahr, denn im letzten Testspiel gegen Russland zog sie sich eine Knieverletzung zu. Aber Laudehr kämpfte sich zurück und bewies bei der EM, wie wertvoll sie für die Nationalmannschaft ist. Mit ihrem Treffer zum 1:1 im Halbfinale gegen Norwegen ebnete sie den Weg für den Einzug ins Finale und den Titel.

Im Interview blickt Laudehr noch einmal auf die EM zurück, aber auch auf ihre fußballerischen Anfänge.

[imgbox-right]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/014/117-14570_preview.jpeg Nicht nur eine erfolgreiche, sondern auch eine gefragte Frau: Simone Laudehr.[/imgbox]Herzlichen Glückwunsch an die Europameisterin! Wie leicht oder vielleicht auch wie schwer fiel es, sich nach lediglich ein paar Tagen Regeneration wieder auf den Bundesligaalltag einzustellen?

Es war generell sehr schwer, sich überhaupt erst einmal auf den gesamten Alltag einzustellen und sich auch zu erholen. Das war eigentlich überhaupt nicht möglich, weil wir nach vier Tagen Pause direkt mit dem FCR 2001 Duisburg ins Trainingslager gefahren sind. Erholung war kaum möglich.

Was bleibt neben dem EM-Titel vor allem in Erinnerung, sind Sie mit Ihrer eigenen Leistung zufrieden?

Die Bänderzerrung im Knie, die ich mir im letzten Testspiel vor der EM gegen Russland zugezogen habe, hat mich zurückgeworfen. Aber ich habe mich Schritt für Schritt wieder aufgebaut. Ich habe alles gegeben und im Laufe des Turniers habe ich meine Leistung so gesteigert, dass ich schließlich im Finale auch wieder von der ersten Minute spielen durfte. Demnach bin ich zufrieden.

Würden Sie auch sagen, dass das Halbfinale, in dem Sie nach Ihrer Einwechslung den wichtigen 1:1-Ausgleich erzielten, für Sie persönlich das Schlüsselspiel war?

Ich wurde kurz vor der Halbzeitpause für die verletzte Linda Bresonik eingewechselt. Es ging alles sehr schnell. Ich konnte mich kaum aufwärmen. Ich wollte unbedingt ins Finale und auch die EM gewinnen und das habe ich auch gezeigt. Deswegen habe ich mir diesen Erfolg auch verdient.

Und wem galt der erste Anruf nach dem Sieg im EM-Finale?

Der galt meinem Manager mit dem ich kurz Rücksprache über das Spiel sowie auch die letzten Tage und Wochen gehalten habe. Danach habe ich lange mit meiner Familie telefoniert.

In Ihrer noch jungen Karriere sind in diesem Jahr gleich drei neue Titel – UEFA Women’s Cup, DFB-Pokal und EM-Titel - dazu gekommen. Würden Sie auch sagen, dass es für Sie persönlich das beste Jahr war oder doch eher 2007 mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft?

Die Frage ist schwer zu beantworten. Die WM ist einfach höher anzusetzen als die EM, aber dafür war es aufgrund der Titelanzahl ein erfolgreicheres Jahr.

[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/012/100-12551_preview.jpeg Mit dem FCR Duisburg wurde Laudehr in diesem Jahr auch DFB-Pokalsiegerin (Foto: firo).[/imgbox]Wie hat sich Ihr Leben in den letzten Monaten oder vielleicht auch in den letzten Jahren verändert?

Man entwickelt sich weiter, wird reifer und es ist viel mehr Stress. Zu dem harten, körperlich anstrengenden Training kommen viele weitere Termine, auch für Sponsoren. Aber das macht man ja auch gerne. Nur leider haben es die Männer immer noch besser. Die haben viel mehr Pausen dazwischen, das müsste man in Frauenfußball auch hinbekommen.

Sie spielen seit 2004 beim FCR 2001 Duisburg. Haben Sie das Ruhrgebiet schon schätzen gelernt?

Ich war schon öfter shoppen, aber viel Zeit, um richtige Touren zu machen und viel zu sehen, bleibt nicht. Aber ich habe das Ruhrgebiet natürlich dennoch schon auf eine schöne Art und Weise kennengelernt.

Und den Wechsel haben Sie auch nie bereut?

Ich war zu dem Zeitpunkt noch sehr jung und es war schade, dass ich von meiner Familie getrennt wurde, aber ich wollte den Wechsel ja auch. Von daher hat alles seine Vor- und Nachteile.

Können Sie sich noch an Ihre fußballerischen Anfänge erinnern?

[imgbox-right]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/014/118-14571_preview.jpeg Laudehrs Dank gilt vor allem ihren Eltern.[/imgbox]Ich bin bereits mit drei Jahren mit dem Fußballspielen angefangen. Ich hatte nie Lust aufs Puppenspielen, sondern habe immer direkt die Schultasche in die Ecke geworfen und war mit meinen Freunden auf dem Bolzplatz. Beim FC Tegernheim habe ich anschließend mit den Jungs gespielt und dann ging es über den SC Regensburg und Bayern München zum FCR 2001 Duisburg.

Wem sind Sie besonders dankbar?

Meinen Eltern! Sie haben mich immer unterstützt und mich nie daran gehindert, Fußball zu spielen. Sie haben mir auch diese Jugend ermöglicht. Von daher kann ich nur sagen: Es sind die besten Eltern, die es gibt.

In zwei Jahren steht das nächste große Highlight - die WM 2011 in Deutschland - an. Haben Sie das schon im Hinterkopf oder ist das aktuell noch kein Thema?

Der EM-Titel war ein Ziel auf dem Weg Richtung WM. Es war aber auch eine Art Vorbereitung. Wir versuchen nun, bis zur WM unsere Leistung stetig zu steigern. Aber es ist noch ein langer Weg.

Eine WM-Arena haben Sie bereits kennen gelernt. Die Aufnahmen für den Werbespot für Mobilat, für die Sie Markenbotschafterin sind, fanden in der Commerzbank-Arena in Frankfurt statt, da allerdings vor leerer Kulisse. Was hat Sie an diesem Angebot gereizt?

Ich kannte Mobilat bereits vorher. Ich fand es toll, dass man mich angesprochen hat und mich als Gesicht für Mobilat wollte.

Und die Sportsalbe befindet sich auch immer in der Trainingstasche?

Bei der EM hatte ich natürlich immer ein paar Tuben Mobilat dabei. Ich benutze sie auch bei Verletzungen und gebe sie auch den anderen Mädels. Mir hilft es, ich bin sehr zufrieden damit.

Autor: Desirée Kraczyk

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Rubriken

Kommentieren