Das spielfreie Wochenende kam den Profis des MSV Duisburg ganz gelegen. Nach dem Freitags-Training war Freizeit angesagt, die Reise führte den Kader ins närrische Köln, wo am 11.11. traditionell die Hölle los ist.

Grlic als Kämpfer: "Wir werden wieder aufstehen"

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15. November 2005, 10:53 Uhr

Das spielfreie Wochenende kam den Profis des MSV Duisburg ganz gelegen. Nach dem Freitags-Training war Freizeit angesagt, die Reise führte den Kader ins närrische Köln, wo am 11.11. traditionell die Hölle los ist.

Das spielfreie Wochenende kam den Profis des MSV Duisburg ganz gelegen. Nach dem Freitags-Training war Freizeit angesagt, die Reise führte den Kader ins närrische Köln, wo am 11.11. traditionell die Hölle los ist.

"Wir haben uns alle als Clowns verkleidet, es war ein gemütlicher Abend", lacht Ivica Grlic. Duisburgs Vize-Kapitän streicht heraus: "Wir sind mannsschaftlich geschlossen aufgetreten, für den Zusammenhalt ist so eine Aktion sicherlich nicht schlecht. Man muss natürlich immer wissen, wann man so etwas macht. Diesmal passte der Zeitpunkt einfach, wir mussten keine Spieler zur Nationalelf abstellen, hatten fast alle dabei."

Lediglich Klemen Lavric, der im fernen Donaustauf in der Reha ackert, Markus Hausweiler, Andy Voss, Nasir El Kasmi und Adam Bodzek fehlten, die beiden Letztgenannten müssen heute in der Reserve ran.

Grlic: "Es ist wichtig, auch außerhalb des Platzes Mal was zu unternehmen, dadurch wird dokumentiert, dass wirklich alle an einem Strang ziehen." So ganz ohne Fußball lief es in der karnevalistischen Hochburg dann aber doch nicht ab. "Natürlich haben wir auch viel über unsere sportliche Situation diskutiert und auch viele Leute getroffen, von denen es eine Menge Zuspruch gab. So etwas ist natürlich eine schöne Bestätigung."

Für ihn selbst fehlte die entsprechende Anerkennung zuletzt auf dem Rasen, Trainer Norbert Meier ließ "Grille" nach dem 0:4 beim FC Bayern München nicht mehr in der Start-Elf auflaufen, es gab ein Gespräch zwischen den beiden, der Überbegriff "Disziplin" fiel. Meier: "Die Sache ist ausgeräumt, es geht bei Null los." Der Duisburger Führungsspieler hat das Thema abgehakt und gibt seinen aktuellen Eindruck wieder: "Ich bin mit meiner Situation natürlich nicht zufrieden. Wer ist das schon, wenn er auf der Bank sitzt? Ich gebe im Training Gas, werde meine Chance beim MSV wieder bekommen. Ich trainiere seit zwei Wochem auf einem guten Niveau und weiß, dass im Fußball alles sehr schnell geht."

Ob das Comeback schon am nächsten Sonntag beim schweren Gang zum starken Hamburger SV klappt? Alexander Bugera ist im Mittelfeld aufgrund seiner fünften gelben Karte gesperrt, also muss eine Planstelle neu besetzt werden. Bei den wirbelnden Hanseaten steht mit Sergej Barabarez nicht nur ein Nationalmannschafts-Kollege von Ivo unter Vertrag, sondern auch ein Freund. "Sergej ist ein Super-Typ", lobt der einstige Aachener den Offensiv-Star, "er ist ehrlich, geradeaus, nicht abgehoben. Dazu noch ein überragender Fußballer. Wenn du so einen in deiner Mannschaft hast, dann ist der schon viel wert." Neben dem Eckpfeiler der Nationalelf Bosnien-Herzegowinas trickst ein gewisser Rafael van der Vaart. "Wenn man diese beiden Akteure in den Griff bekommt, dann hat man eine Chance. Das sind beim HSV absolute Schlüsselspieler."

Und auf die Zebras warten absolute Schlüsselspiele. Bei den Auftritten in Hamburg oder Bremen spekulieren die wenigsten auf eine Überraschung, dafür geht es vor der Winterpause noch gegen Köln, Bielefeld und Mainz - alles Teams, die beim Unternehmen Klassenerhalt in Duisburgs Reichweite liegen. Grlic will allerdings die hohen Hürden in der Fremde nicht ohne weiteres abschenken. "Wir müssen auswärts was machen", fordert der Ex-Aachener, "wenn wir gegen den FC Bayern München antreten, dann rechnet niemand damit, dass wir gegen die sechs Punkte holen. So ein Spiel wie gegen Frankfurt tut natürlich weh, deren Aufschwung hat bei uns angefangen." Bis auf eine Mini-Serie von vier Punkten aus zwei Partien konnte Duisburg noch keine Erfolgs-Phase einläuten. "Wir müssen einen Lauf bekommen", fordert Grlic, "bis jetzt hatten wir den noch nicht. Aber ich sehe uns auf einem guten Weg. In der Mannschaft ist Leben, wir diskutieren und reden viel über unsere Lage, arbeiten konzentriert weiter." Trotzdem gibt es die berühmten Schwarzmaler, die bereits den Abstieg für besiegelt, die Truppe für nicht konkurrenzfähig halten. "Wir werden wieder aufstehen", hält der 30-Jährige dagegen, "wie heißt es so schön: Totgesagte leben länger." Und dann bezieht Ivo Grlic die treuen Anhänger mit ein: "Zusammen mit den treuen Fans können wir es schaffen. Wenn sie sehen, dass wir laufen, kämpfen, alles geben, dann kannst du auch Mal ein Spiel verlieren. Natürlich wird der Druck für uns größer, die Anzahl der Begegnungen nimmt ab, aber die anderen Mannschaften sind nicht weit weg. Mit einem Sieg bist du wieder dabei. Das sollte man immer im Blick haben."

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