Frank Rost ist nicht nur ein exzellenter Torhüter, sondern auch ein Typ, der polarisiert. Sein Brief an einige wenige Schalke Fans, mit deren Verhalten er nicht einverstanden ist, hat unter der Woche für hitzige Diskussionen gesorgt.

Frank Rost fordert von den Fans mehr Respekt

15. Oktober 2005, 12:46 Uhr

Frank Rost ist nicht nur ein exzellenter Torhüter, sondern auch ein Typ, der polarisiert. Sein Brief an einige wenige Schalke Fans, mit deren Verhalten er nicht einverstanden ist, hat unter der Woche für hitzige Diskussionen gesorgt.

Frank Rost ist nicht nur ein exzellenter Torhüter, sondern auch ein Typ, der polarisiert. Sein Brief an einige wenige Schalke Fans, mit deren Verhalten er nicht einverstanden ist, hat unter der Woche für hitzige Diskussionen gesorgt. Im RS-Interview redet der Keeper Klartext und spricht auch erstmals offen über seine Ängste als Profisportler.

Herr Rost, was hat Sie dazu bewogen, diesen Brief zu veröffentlichen?
Ich habe mir eine Internetseite eingerichtet, weil ich mit den Fans kommunizieren möchte. Genauso wie ich diesen Brief geschrieben habe, gebe ich Ihnen auch Antworten auf ihre Fragen. Ich möchte nicht, dass der Eindruck entsteht, dass wir Spieler auf der einen Seite stehen und die Fans auf der anderen. Aber es geht auch darum, dass es für Spieler eine Möglichkeit geben muss, so ein Thema anzusprechen.
Was ist denn eigentlich vorgefallen?
Ich habe größten Respekt vor allen Schalke Fans, die unter vielen Entbehrungen ins Stadion kommen. Aber die Zahl der Anhänger wird größer, bei denen der Respekt gar nicht mehr da ist. Und wenn es dann so weit kommt, wie in Mölln, dass es handgreiflich wird, dass die Leute versuchen, dir die Klamotten vom Körper zu reißen und dich halb dabei verletzen, dann wird es gefährlich und kriminell.
Ist es so gewesen?
Ja, und wenn du dich dann wehrst, dann drohen sie dir auch noch mit einer Anzeige. Dann muss ein Spieler auch irgendwo das Recht haben, sich zu schützen. Was soll ich sonst machen? Soll ich ein paar zurück geben?
Ist das denn die Regel?
Nein, es ist nur eine Minderheit. Die aber immer aggressiver wird, wenn sie etwas von uns Profis nicht bekommt. Wenn sie dir jetzt an die Wäsche gehen oder drastische Worte wählen, kann das nicht sein. So etwas belastet, deshalb habe ich das angesprochen. Wenn ich in ein Theater gehe und dafür Geld bezahle, legitimiert mich das auch nicht dazu, die Schauspieler zu beleidigen. Egal, ob mir das Stück gefällt oder nicht.
Hatten Sie Angst?
Wenn dir jemand an die Wäsche will, weißt du nie. Heutzutage ist alles möglich. Ich erinnere nur an den Angriff auf die Tennisspielerin Monica Seles. Der ist zwar schon lange vergessen, aber bei Szenen wie in der vergangenen Woche kommen dir automatisch solche Gedanken.
Wie waren die Reaktionen der Anhänger?
Die waren überwiegend positiv. Natürlich gibt es auch welche, die das anders sehen. Die sagen, mit unserem Eintrittsgeldern finanzieren wir euch und dann gehört ihr uns. Das akzeptiere ich nicht.
Was fordern Sie?
Respekt. Die Leute sollen einfach mal darüber nachdenken. Oder auch mal reagieren, wenn da Zwölfjährige mit Worten um sich schmeißen, die sich nicht gehören.
Denken Sie an weitere Konsequenzen?
Nein, damit ist das Thema für mich abgehakt. Keiner möchte hier bei Schalke Zäune um das Trainingsgelände wie in München. Denn genau das macht den Verein Schalke doch so sympathisch. Dass hier jeder direkt an das Trainingsgelände und bei Freundschaftsspielen auf den Platz rennen kann, um sich Autogramme zu holen. Aber wenn es dann irgendwann für die Spieler gefährlich wird, muss man leider über so etwas nachdenken.
Warum haben Sie einen Alleingang in dieser Sache gestartet?
Es ist natürlich so, dass sich viele Spieler vor so etwas sträuben, weil es unpopulär ist. Viele wägen erst einmal ab, ob sie dadurch vielleicht unsympathisch wirken. Die Gedanken gehen heute bei vielen leider zuerst in diese Richtung.
Aber das ist Ihnen egal?
Ja, denn eines kann ich sowieso nicht leiden. Wenn man überall Everybody`s Darling ist. Das bin ich nicht und ich mag auch solche Leute nicht, die immer nur überall beliebt sein wollen. Dinge, die man nicht gut findet, soll man äußern. Und ich hoffe, dass ich das in einem vernünftigen Ton rüber gebracht habe.
Befürchten Sie Auswirkungen auf das Bayern-Spiel am Samstag?
Nein, wieso sollte ich? Die Fans werden uns von Beginn an wie eine Wand unterstützen. Aber sie müssen auch Geduld haben. Notfalls bis zur 92. Minute. Mit einem Sieg wären wir wieder dran.

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