Sie begannen ihre Fußballerkarriere gemeinsam. Doch schwere Verletzungen und das Berufsleben trennten ihre Wege. Seit einem Jahr stehen sie wieder zusammen auf dem Platz. „Wir wollten unbedingt auch im Seniorenbereich mal zusammenspielen, so macht es am meisten Spaß“, erzählen Mirko und Zlatko Tomic vom B-Kreisligisten Heßler 06 II. Gemeinsam in einer Mannschaft zu kicken - das war für sie das Wichtigste. Teil 4 der Serie über Brüderpaare im Amateurfußball des Reviers.

Serie: Brüderpaare im Amateurfußball (Mirko und Zlatko Tomic - SV Heßler 06 II)

Der gemeinsame Weg

sb
01. Januar 2007, 17:33 Uhr

Sie begannen ihre Fußballerkarriere gemeinsam. Doch schwere Verletzungen und das Berufsleben trennten ihre Wege. Seit einem Jahr stehen sie wieder zusammen auf dem Platz. „Wir wollten unbedingt auch im Seniorenbereich mal zusammenspielen, so macht es am meisten Spaß“, erzählen Mirko und Zlatko Tomic vom B-Kreisligisten Heßler 06 II. Gemeinsam in einer Mannschaft zu kicken - das war für sie das Wichtigste. Teil 4 der Serie über Brüderpaare im Amateurfußball des Reviers.

Der Weg der beiden Brüder fing bei den Sportfreunden Haverkamp an, als Sechs- und Siebenjährige. Vier Jahre später zog es sie gemeinsam zu Westfalia Gelsenkirchen, wo der ein Jahr jüngere Mirko Torschützenkönig der C-Jugend wurde. „Und das sogar als linker Verteidiger“, wie er nicht ohne Stolz betont.[imgbox-right]http://www.revierkick.de/include/images/gallery/img_thumb_222.jpg Sie halten zusammen: Mirko und Zlatko Tomic (v.l.).[/imgbox]

Danach trennten sich ihre Wege. Mirko wechselte nach einem kurzen Gastspiel bei Erle 08 in die B-Jugend von Eintracht Gelsenkirchen, wo er nach einer starken Saison vorzeitig in die A-Jugend hochgezogen wurde. Es folgte ein erfolgreiches Jahr, in dem der Linksfuß vor allem mit seinen Freistoßtoren auf sich aufmerksam machte. Da kam das Angebot vom SC Hassel: „Das war natürlich eine sehr gute Adresse. Ich war froh, dass ein so großer Verein bei mir angeklopft hat“.

Von seinem damaligen Trainer Manfred Stiller hat er viel gelernt: „Er hat mir Disziplin beigebracht“. „Manchmal konnte der Manfred aber auch ein Schweinehund sein. Seine Trainingsmethoden waren hart, aber da musst du auf die Zähne beißen“, erklärt Mirko.

Für seinen älteren Bruder Zlatko verlief im Gegensatz dazu die A-Jugend alles andere als gut. Am 29. November 1998, einen Tag vor seinem 17. Geburtstag, passierte es: Kreuzbandriss im rechten Knie. „Ich habe nicht sofort realisiert, dass ich mich schwer verletzt hatte. Man hatte nicht gehört, das etwas gebrochen oder gerissen sei. Nach einem Kopfballduell habe ich dann gemerkt, wie instabil mein Knie war, ich hatte keinen Halt mehr“, beschreibt er die schlimmen Augenblicke. Erst im Krankenhaus erfuhr er, dass seine schwere Verletzung als ein Kreuzbandriss diagnostiziert worden war. „Ich dachte zuerst, nein, das kann doch nicht wahr sein. Das war einer der schlimmsten Momente meines Lebens.“

Eine lange Zeit im Krankenhaus, die Operation und die anschließende Reha folgten. Nach überstandener Knieverletzung, versuchte er einen Neuanfang. Doch das Pech verfolgte Zlatko weiter - ein Jahr nach der schweren Verletzung folgte ein zweiter Kreuzbandriss. „Das schlimmste war der zweite Riss, da wusste ich was wieder auf mich zukommt“, erinnert er sich. "Nach dem zweiten Kreuzbandriss hatte ich erstmal genug vom Fußball."[imgbox-right]http://www.revierkick.de/include/images/gallery/img_thumb_219.JPG Balljongleure.[/imgbox]

Für Mirko begann dagegen nach zwei Jahren beim SC Hassel die Seniorenlaufbahn in der Landesliga bei Westfalia Gelsenkirchen. „Bei Hassel in der Oberliga einen Stammplatz zu bekommen wäre sehr schwer geworden. Ich wollte so viel Spielpraxis wie möglich sammeln“, begründet er seine Entscheidung zum Trinenkamp zu wechseln, wo er sich einen Stammplatz erkämpfen konnte und vier Saisontore erzielte.

Trotz des Abstiegs mit Westfalia, blieb eine positive Erinnerung, vor allem von seinem damaligen Trainer und Ex-Bundesligaspieler Jürgen Gredig habe er "viel gelernt". Doch mit der anstehenden Ausbildung und dreimal in der Woche Schule „blieb nicht mehr viel für Fußball“. Er musste sich entscheiden zwischen Beruf und Fußball und „der Beruf stand in dieser Zeit ganz klar im Vordergrund", betonte Mirko.

Es schien so, als wäre für beide Brüder mit ihren Lieblingshobby Fußball vorbei.

Doch die intensiven Bemühungen von Christian Hansen, Trainer des B-Ligisten Heßler 06 II, brachte sie wieder auf dem Fußballplatz zusammen. Er half Zlatko fünf Jahre nach seiner schweren Verletzung Mut zu finden, um wieder mit dem Fußballspielen anzufangen und gab Mirko trotz geringer Trainingsbeteiligung die Möglichkeit zu spielen. "Die beiden sind richtige Persönlichkeiten auf dem Platz, deshalb wollte ich sie unbedingt für meine Mannschaft gewinnen", betonte Hansen.[imgbox-right]http://www.revierkick.de/include/images/gallery/img_thumb_223.jpg In der zweiten Mannschaft von Heßler wollen beide noch einmal angreifen.[/imgbox]

Für das Brüderpaar "war es die richtige Entscheidung wieder anzufangen. Neben den Trainer, hat uns aber auch das Umfeld bei Heßler überzeugt“, sind sich die beiden einig.

In einer ganzen Karriere spielte Zlatko einen klassischen Verteidiger. Allerdings ist der Sturm auch kein Neuland für den Rechtsfuß. In der letzten Saison erzielte er allein in der Rückrunde 13 Tore.

Mirko reifte währenddessen immer mehr zum Führungsspieler heran und ist als Spielführer der wichtigste Ansprechpartner des Trainers.

Und wie schätzten die beiden die Chancen dieses Jahr noch aufzusteigen? „Es wäre schön, wenn wir den Aufstieg doch noch hinbekommen, aber bei zehn Punkten Rückstand wird es verdammt schwer. Man muss viel konstanter spielen“, sagt Mirko und meint damit seine Mannschaft. „Und du musst mehr Tore schießen“, ergänzt sein Bruder lächelnd und fügt hinzu: "Wir haben zwar schon viele Punkte liegen lassen, doch wenn wir es schaffen, uns auf die jeweilige Aufgabe zu konzentrieren, spielen wir um den Aufstieg mit.“

Nach seinem Mikrotechnik-Studium steht für Zlatko beruflich eine weitere große Aufgabe auf dem Programm. Er schreibt bei einem großen Energieversorger momentan seine Diplomarbeit. Der Kontakt dazu kam übrigens durch seinen jüngeren Bruder, der ebenfalls dort arbeitet.

So gehen die Tomic-Brüder auch in Zukunft ihren Weg gemeinsam weiter - im Beruf und im Sport.

Autor: sb

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