Auf den ersten Blick wirkt er nicht gerade wie ein Riese. David Pallas, Neuzugang vom FC Thun, misst wie Kapitän Dariusz Wosz gerade einmal 1,69 Meter.

VfL: Turbulente Tage für Neuzugang David Pallas

06. September 2005, 09:44 Uhr

Auf den ersten Blick wirkt er nicht gerade wie ein Riese. David Pallas, Neuzugang vom FC Thun, misst wie Kapitän Dariusz Wosz gerade einmal 1,69 Meter.

Auf den ersten Blick wirkt er nicht gerade wie ein Riese. David Pallas, Neuzugang vom FC Thun, misst wie Kapitän Dariusz Wosz gerade einmal 1,69 Meter. Doch Trainer Marcel Koller ist überzeugt, dass der gebürtige Schweizer mit spanischem Pass in Bochums Aufstiegsplänen ein ganz Großer wird: "Er spielt gradlinig, diszipliniert, ist schnell, hat ein gutes Passspiel und ist giftig im Zweikampf." Demnach scheint der VfL genau den richtigen Abwehrspieler für die rechte Position in der Viererkette gefunden zu haben. Während China und zuletzt Daniel Imhof dort eher improvisierten, kommt mit Pallas einer, der seit Jahren, ob in der Dreier- oder Viererkette, nichts anderes gespielt hat.

Der 25-Jährige, Sohn spanischer Eltern aus La Coruna, hat turbulente Tage hinter sich. Erst vor knapp zwei Wochen gab es die ersten Kontakte zum VfL. Dann stürmte Pallas mit dem FC Thun im neuen Berner Wankdorfstadion (Stadion de Swiss) über Kiew und Malmö in die Champions League, am vergangenen Sonntag wurde er Vater (Sohn Nuhuel, 2940g, 45cm). Anschließend unterschrieb der stolze Papa einen Zweijahres-Vertrag mit Option beim VfL Bochum.

Pallas: "Das war schon wirklich ziemlich aufregend." Aber warum will der Verteidiger, am Montag, den 12. September, gegen Hansa Rostock spielen, wenn er doch zwei Tage später mit Thun im Londoner Highbury gegen Arsenal hätte auflaufen können? Pallas bleibt ganz gelassen und wirkt überzeugend: "Ich bin nach Bochum gewechselt, weil ich im nächsten Jahr in der Bundesliga spielen will. Das habe ich mir als Ziel gesetzt, deshalb bin ich hier richtig." Und Pallas pflegt seine Ziele zu erreichen: "Im Januar haben sie mich von Zürich nach Thun geholt, weil sie unbedingt den zweiten Platz verteidigen wollten, das haben wir geschafft." Dann fügt er hinzu: "Ich habe in Bochum außerdem die Chance, mich weiterzuentwickeln."
So absolvierte er in den ersten Tagen, seit Dienstag ist er vor Ort, einen Crashkurs auf dem Rasen und außerhalb des Platzes. Pallas: "Gegen Imhof und Ionel Gane habe ich schon in der Schweiz gespielt. Dariusz Wosz kenne ich aus dem Fernsehen. Ich bin hier sehr gut aufgenommen worden." Seine ersten Eindrücke fasst er schnell zusammen: "Trainingsmöglichkeiten, Kabine, Stadion, das passt alles. Ich bin sicher, dass die Bedingungen für den Aufstieg optimal sind." Was ihm zum Glück noch fehlt, ist eine Wohnung und seine neue Familie. Pallas: "Sobald ich etwas gefunden habe, werden meine Freundin und mein Sohn nach Bochum kommen. Ich hoffe, dass es sehr schnell geht."

Weiter gibt es nur noch zwei Dinge, die fest eingeplant sind: Aufsteigen und Heiraten. Während der neue Rechtsverteidiger in Sachen Aufstieg den Weg kennt, "arbeiten, arbeiten, arbeiten", wirkt er beim Thema Hochzeit etwas unsicher: "Eine pfiffige Idee für einen Antrag habe ich nicht, da muss ich mir noch was überlegen." Vielleicht klappt es darüber hinaus auch bald mit der Nationalmannschaft. Die Voraussetzungen sind gegeben: Neben dem spanischen Pass, den er seit der Geburt besitzt, hat er seit 2001 auch die schweizerische Staatsbürgerschaft erhalten. "Damals war ich nah dran an einer Einladung, aber zwei Verletzungen haben mir einen Strich durch die Rechnung gemacht." Für den Züricher ist der VfL übrigens erst die vierte Station seiner Karriere. In der Jugend kickte er beim FC Thurikum, von 1993 bis 2005 beim FC Zürich, von Februar bis August 2005 beim FC Thun, ehe er jetzt für mindestens zwei Jahre in Bochum unterschrieb.

Während ihm bei den ersten Einheiten keine großen Unterschiede zum Engagement in der Schweiz aufgefallen sind, war er vom Montagsspiel zwischen Greuther Fürth und 1860 München (2:2) als TV-Zuschauer richtig angetan: "Das war reinster Power-Fußball. Da geht es in der Schweiz schon ein wenig gemütlicher zu." Doch Pallas kommt diese Spielweise eher gelegen: "Ich laufe sehr viel." Damit er noch mehr über seine Kollegen und die Liga erfährt, wird er an den nächsten Abenden das ein oder andere Video konsumieren. Die Beschaffung ist leicht, denn Marcel Koller soll bei seinem Umzug vom Rhein an die Ruhr einen kleinen LKW allein für seine Aufzeichnungen gebraucht haben. Pallas: "Bis zum Heimspiel gegen Hansa bin ich auf alles vorbereitet." Diese Partie ist für ihn ohnehin etwas besonderes: "Da werde ich schon ein bisschen nervös sein, aber das lässt sich kontrollieren. Natürlich will ich einen Sieg zum Einstand. Das müsste doch klappen."

Seine Freizeit hat Pallas auch schon geplant: "Wenn die Familie erst mal da ist, werden wir mit unserem Hund Daisy sicher viel spazieren gehen. Bochum ist viel grüner als ich gedacht habe." Neben Familie und Hund gibt es noch eine große Liebe: "Schon als Kind muss man sich entscheiden, ob man als Spanier für oder gegen Real Madrid ist. Ich bin dafür."

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